FeedDampfkessel
TechnikBau-Lexikon 1881

Dampfkessel, Dampferzeuger, m., franz. chaudière vapeur, générateur m. de vapeur, engl. steam-boiler, Apparat zur Dampferzeugung vermittels Erhitzung von Wasser; bei den Dampfmaschinen führt ein Rohr den Dampf dann zum Cylinder. Die Erhitzung geschieht mittels einer Feuerung, die meist unter dem Kessel angebracht ist; doch ist außerdem gewöhnlich die Vorrichtung getroffen, daß die Feuerluft, ehe sie zum Schornstein tritt, noch andere Theile des Kessels berührt (s. Heizfläche). Gewöhnlich wird als Material zum Kessel Eisenblech genommen, da das an und für sich geeignetere Kupferblech zu kostspielig ist. Zu engen Röhren, wie sie z. B. bei Lokomotivkesseln vorkommen, wird auch Messing verwendet. Die Vernietung der Bleche geschieht durch Nieten, zuweilen auch durch Schweißung. I. In Hinsicht der Form unterscheidetman: 1. Wagenod. Kofferkessel nach Watt, frz. ohaudière à tombeau oder en tombereau, ch. de Watt, engl. caravan-shaped boiler, waggon-boiler, Fig. 1335. Unter & ist Heizung, doch werden auch die Seitenwände, wie mn und np, rings um den Kessel durch die Feuerluft erwärmt. Die Konkavität bei mn wird durch Eisenstäbe im Innern bewahrt. Derselbe wird gar nicht mehr benutzt. — 2. Einfacher Cylinder⸗ od. Walzenkessel mit äußerer Feuerung, frz. chaudière cylindrique à foyer extérieur, Fig. 1333, wird horizontal od. nach hinten etwas geneigt gelegt; der Wasserraum ist verhältnismäßig groß, die Verdampfungsfläche auch, wenn wenig über die Hälfte gefüllt wird; bei stetem Betrieb sind sie für Heizflächen bis zu 25 qm., also für 16 —18 Pferdekräfte zweckmäßig zu benutzen. Bei Längen unter 5 m. entweicht die Feuerluft zu rasch. — 3. Walzenkessel mit innerer Feuerung, auch Cornwaller Kessel, frz. ch. cylindrique à foyer intérieur, engl. Cornish-boiler, Fig. 1334, hat die Feuerung im Innern in eigener Röhre; die Feuerluft geht nachher in die Züge m und mund mitunter in n. — 4. Kessel mit einer od. mehreren Siederöhren od. Siedern, frz. ch. à bouilleurs, engl. boiler with boiler-tubes, od. auch mit Vorwärmern bei welchem mit dem Hauptkessel noch kleinere Kessel in Verbindung stehen, Fig. 1336. Man nennt diese kleineren, gleichfalls walzenförmigen Nebenkessel Siederöhren, wenn die Feuerung unter ihnen sich befindet u. der Hauptkessel nur mit der Feuerluft in Berührung kommt; dagegen heißen sie Vorwärmer, wenn dies umgekehrt stattfindet, die Heizung mithin unter dem Hauptkessel ist. — 5. Vielröhrige Dampfkessel, Dampfwagenkessel, Röhrenkessel, frz. ch. tubulaire, à flamme directe, engl. tubular boiler, wie sie bei Lokomotiven vorkommen (s. d. Abbildungen bei d. Art. Dampfwagen). Die heiße Luft strömt hier durch oft 100— 200 Röhren, welche der Länge nach durch den Wasserbehälter gehen. Die Röhren haben einen Durchmesser von 3½ bis 6 em. und sind 1, — 2, m.lang. Die Dampfbildung geschieht hier schnell, doch wird auch viel Brennmaterial verbraucht. — 6. Kessel mit lothrechten Kammern, Fig. 1337. Die Feuerluft durchströmt die in der Figur dunkel gezeichneten Stellen und tritt bei Ein die Esse. Sie sind nur bei geringer Spannung des Dampfes anwendbar und sind früher besonders als Schiffskessel benutzt worden. II. Im Kessel befindet sich das in Dampf zu verwandelnde Wasser und außerdem Dampf. An den direkt der Feuerung ausgesetzten oder von der erwärmten Luft berührten Stellen muß Wasser im Kessel sein; man macht deshalb den Wasserraum im Kessel mindestens 10 em. höher als die höchsten Stellen der Feuerkanäle. Der Dampfraum ist wenigstens zwölfmal so groß wie das Dampfvolumen, welches bei jedem Kolbenspiel imCylinder verbraucht wird. Häufig macht man den Dampfraum 0, und den Wasserraum 0,6 des ganzen Kesselraumes. Der Wasserraum ist zum Theil durch die Heizfläche bedingt, es verdient aber eine Kesselkonstruktion den Vorzug, welche ö bei möglichst großer Heizfläche nur einen mittelgroßen Wasserraum enthält, bei reichlichem, gegen Abkühlung gut geschütztem Dampfraum. Maßgebend für die Größe eines Dis ist die Größe der Heizfläche, von welcher wiederum die Leistungsfähigkeit eines Kessels abhängt. Man rechnet im Mittel 1 qm. Heizfläche, um per Stunde 50 Pfd. Wasser zu verdampfen, und zur Produktion von stündlich 1kg. Dampf sind 0, qm. Heizfläche zu rechnen. Gewöhnlich schätzt man die Leistungsfähigkeit eines Dampfkessels nachPferdekräften (à75mkg.) ab. Die Verdampfungsfähigkeit eines D.s variirt nach der Konstruktion u. man nimmt an, daß 1 qm. Heizfläche pro Stunde verdampft: bei gewöhnlichen Cylinderkesseounugnn. . . 30—40 Pfd., „Siede⸗, Flammenrohr-u. Röhrenkesseln 40—55 „Dampfschiff- und Lokomotivkesseln . 60—90 „ Die nöthige Verdampfung beträgt pro Pferdekraft und Stunde, je nach der Konstruktion der Maschine, 25—58 kbde. oder kg. Wasser. In der Praxis rechnet man pro Pferdekraft bei gewöhnlichen Kesseln mittlerer Größe und Steinkohlenfeuerung 1/½ —2 qm. Heizfläche. Wird zur Feuerung klare Braunkohle oder Torf verwendet, oder ist es ganz besonders auf Brennmaterialersparnis abgesehen, so nimmt man dieHeizfläche noch etwas größer (bis 2,, àm. pro Pferdekraft) an. Das Gewicht eines Dis erhält man ziemlich richtig, wenn man dasselbe aus den reinen Dimensionen des Kessels ermittelt und für Nieten, Ueberplattungen, Winkeleisen u. Laschen 25, addirt. III. Die Garnitur od. Armatur des Dis besteht aus den Apparaten u. Vorrichtungen, welche zur Kontrole von Wasserinhalt und Dampfdruck, zur Sicherung gegen zu hohen Dampfdruck u. zur regelrechten Bedienung des D.s nöthig sind. Es gehören hierzu: a) Die Wasserstandszeiger, als Schwimmer, Probirhähne und gläserne Röhren; dieselben sind so anzubringen, daß man den niedrigsten Wasserstand sowie auch den mittleren bequem erkennen kann. b) Die Manometer oder Druckmesser sind entweder offene Quecksilbermanometer od. Kompressions⸗ u. Federmanometer. c) Die Sicherheitsventile, deren Größe und Einrichtung gesetzlich vorgeschrieben ist und die zum Abblasen des Dampfes bei zu hoher Spannung dienen. d) Das Absperrventil mit dem Dampfrohr. Der Durchmesser des

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 125Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

In anderen Lexika 2

Alle Lexika nebeneinander →

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Technik 6