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TechnikBau-Lexikon 1881

Darre, f., 1. frz. étuve, f., engl. kiln, oast, stove, drybagnio, ital. seccatojo, ein Raum, worin durch künstlich erhaltene Wärme Getreide, Flachs, Obst etc. getrocknet oder gedörrt werden kann; verwendet man Rauch zu diesem Zweck, so heißt die D. Rauchdarre. A. Malzdarre, frz. touraille, engl. malt-kiln. In Brauerei u. Brennerei unterscheidet man das Luftmalz, welches auf luftigen Böden getrocknet wird, von dem Darrmalz, welches in Darrsiuben gedörrt wird; diese müssen massiv und möglichst seuerfest gebaut sein. Ueber die Größe siehe Brauereianlage I. 1d. Die Darrvorrichtung selbst bilden zwei gleichlaufende, je nach Bedarf 57½ m. lange, verschieden hohe Mauern, 1,½%½—1, m. von einander abjstehend und an den beiden Enden ebenfalls durch Mauerwerk verbunden. Auf diesen Mauern ruhen die Darrbalken, auf welchen sich die Darrhorden befinden, eiserne Rahmen, zwischen welche feine Drahtgitter gespannt sind; man giebt denselben gern eine von der Mitte nach den Seiten zu abfallende Richtung; weniger gut sind dergl. aus durchlöchertem Eisenblech, Darrbleche, od. aus Thon; die schlechtesten sind die aus Haselruthen geflochtenen, Darrflechten, und die durchlöcherten Breter, Darrbreter. Die heiße Luft wird in die unter den Darrhorden befindlichen, oben sattelförmigen Heizkanäle, Wölfe, welche an den beiden Seiten mit Oeffnungen versehen sind, so zugeleitet, daß die Darrhorden gleichmäßiger Wärme ausgesetzt werden; auch leitet man wohl die Rauchkanäle, besser noch Dampfheizungsröhren, unter den Darrhorden herum. Für die sich beim Darren entwickelnden Dämpfe fehle nie an der Decke des Darrraumes ein Dunstrohr. In Frankreich läßt man das Malz durch stark geneigte, erhitzte Röhren laufen. B. Getreidedarren. 1. Die Intieri'schen Darren (erfunden vom Neapolitaner Bartolomeo Intieri) sind zum Darren des Getreides, behufs der Aufbewahrung, bes. zu empfehlen. Das Getreide kann in denselben bis zu 9 m. hoch aufgeschüttet werden; sie bestehen im wesentlichen aus vielen schiefliegenden, gleichweit von einander abstehenden, mit Mauern eingefaßten Bretern, der Raum ist oben mit einer Oeffnung zum Einschütten des Getreides versehen; der Ofen befindet sich in der Mitte; der Wärmegrad muß 60 KR. betragen, in 12 Stunden ist das Getreide ausgetrocknet. 2. Russische Getreidetrockendarren. Man macht eine Grube in die Erde und bedeckt solche mit starken Balken, läßt aber zu beiden Seiten Luftlöcher. Das ungedroschene Getreide wird nun mit dem Sturzende darauf gestellt, uentw. durch ein darüber gebautes Häuschen od. blos durch Pfähle zusammengehalten. Ein in der Grube angezündetes Feuer trocknet das Getreide bald. C. Obstdarren. In einem verhältnismäßig großen geschlossenen Raum werden zwischen dem in der Mitte stehenden Ofen u. den Umfassungswänden die aus Draht oder Ruthen zwischen Holzrahmen geflochtenen Darrhorden 12 bis 15 cm. über einander auf die Querleisten geeigneter Gestelle gelegt, welche sich ringsum an den Umfassungswänden und am Ofen hinziehen; die Gestelle, sowie auch die Räume, dürfen nicht zu hoch sein, um die Benutzung und Heizung nicht zu erschweren. D. Cabaksdarre. 1. Auch Cabaksröste gen.,ein 1—1½½ m. hoher, ebenso breiter, je nach Bedarf 1½ 4½%½ m. langer Ofen, oben mit Kacheln oder Fliesen bedeckt, auf welchem der saucirte Tabak getrocknet wird; das Schürloch ist an einer der schmalen Seiten. Um die Hitze zusammenzuhalten, ist über dem Ofen ein Schurz angebracht. 2. Auch Tabakstrockenstube, ähnlich wie die Obstdarre (s. unter C.); jedoch liegen die Horden blos 10 cm. über einander. E. Darrstube für Zuckersiederei; geheizte Stube, worin auf einem Gerüst von Latten die raffinirten Zuckerhüte eine Woche lang getrocknet werden. Die Hordenetagen haben 60—70 em. Entfernung von Oberkante zu Oberkante. Man rechnet pro Hut /½1%½ Am. Hordenfläche. F. Darrstube für Holz, s. Bauholz E. I. 2 2—d. G. Erzdarre (Hüttenw.), frz. fourneau à ressuage, engl. eliquation-hearth; Kupfererz darren heißt, das in demselben beim Saigern etwa noch zurückgebliebene Blei und Silber durch starkes Feuer vollständig ausschmelzen. Der dazu dienende Darrofen ist ungefähr 3 m. lang, 2 m. breit, 1, m. hoch; seinen Boden bilden 5 gußeiserne, oben breitere Dämme, die Darrbalken, od. Ziegelbänke mit gußeisernen Deckplatten, Darrscharten; die Gassen den haben ca. 15—20 em. Fall; auf die Balken werden die Erzbrocken, Darrlinge, Darrstücken, auf Lehm u. Gestübe gelegt u. nun geheizt. Die Vorderseite des Ofens ist von Blech u. heißt Darrblech oder Darrwand. Nach dem Darren wird sie geöffnet u. die gedarrten Kienstöcke, nun Darrkupfer, mit Zangen herausgenommen und in Wasser geworfen, wobei die Schlacken, Pickschiefer, abfallen; die blei⸗ und silberhaltigen Schlacken, Darrgekrätz, welche größtentheils auf dem Lehm zurückbleiben, werden zuletzt gesammelt. H. Darren in Salzsiedereien, auch pötschen genannt. Hier wird die Wärme von außen durch die Darrröhren zugeleitet; s. übr. d. Art. Salzsiederei. I. Flachsdarre (s. d.). — 2. (Forstw.) frz. aridure, Baumkrankheit, bei welcher der Baum die Rinde verliert u. eingeht; bei Nadekholz rührt sie meist von Borkenkäfern, bei anderen Bäumen von unvorsichtigem Ausschneiden her, auch vom Frost; s. übr. d. Art. Baumtrocknis.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 138Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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