Feeddschafnistische Bauweise
BaukunstBau-Lexikon 1881

dschafnistische Bauweise, Oschaina-Architektur, engl. Jaina-architecture, Zweig des ostindischen Baustils. Da die um 600 vor Chr. vorgenommene Reform des Muni (s. Buddhistisch) namentlich auf Volksaufklärung u. Beseitigung des Aberglaubens gerichtet war, so widersetzte sich ihr der größte Theil der Priesterschaft. Um nun ihrerseits Glauben beim Volk zu finden, gaben sie vor, zu den früheren, auch von den Buddhisten o anerkannten 22 Propheten (Lirthankars) sei um 850 v. Chr. noch Parswanath u. neuerdings, um 610 v. Chr., Mahavira hinzugekommen. Durch diesen Mahavira, einen abtrünnigen Freund des Sakya, reformirten sie nun nach ihrer Weise den alten Wudphrrnd so entstand eine neue Religion, der Dschainismus, der schon um 400 n. Chr. den Buddhismus theilweise verdrängte, bald den größten Theil Indiens überzog u. auch die Machthaber für sich gewann, bis er seinerseits vom Brahmanismus verdrängt ward. Der Dschainismus nun änderte wenigerdirektdieeigentlichen architektonischen Formen, als vielmehr die Gebäudedispositionen u. die Konstruktionsweise des Buddhismus Die Dschainas vereinigten nämlich Tempel u. Klöster in eine große, oft sehr ausgedehnte Anlage. Solche Anlagen entstanden sch hon im 9. Jahrh. in Dschanaghur, 1032-1231 in Mount-Abu, dann zu Somnath, Tschandravati, Sadrih und Guzerat. Von einer der bedeutendsten und durchgebildetsten dieser Anlagen, dem Tempel von Sadrih, vollendet unter dem baulustigen Khumbo Rana von Audeypuhr 1418, geben wir den Grundriß in Fig. 1487; er ist ca. 67 m. lang, 60 m. breit u. enthält 420 Säulen und 20 größere Kuppeln, die im Halbkreis zugewölbt sind u. auf zweistöckigem Unterbau stehen, der im ersten Stock quadratisch, im zweiten achteckig ist. Ueber allen schraffirten ö Theilen⸗ unseres Grundrisses erheben sich auf einstöckigem Unterbau zuckerhutförmige Kuppeln, die fünf Räume in der Mitte r über welchen erst auf dreistöckigem Unterbau solche Kuppeln stehen. Besonders eigenthümlich ist die Deckenbildung. Es werden auf die Säulen zuonächst Architrave, bei größeren Räumen 45 ähnlich wie bei dem Grab zu Mylassa, übereck gelegt, s. Fig. 1491 u. „ 1493. Auf diese Architrave nun wird die Schließung der Decke durch Auflage von dreieckigen u. langen Platten, je nach der Größe des Raumes in weniger od. mehr Schichten nach Fig. 1488—1491 bewirkt; bei ganz großen Räumen, aber auch Fig. 1490. Fig. 1491. Deckenkonstruktion. bei kleinen, dafern man mehr Höhe erreichen wollte, legte man auf das Arch Wrwachten einige runde Simsschichten, wie bei den pelasgischen u. aztekischen Bauten, erhob; weittragende Architrave wurden durch steinerne Strebebänder F abgesteift, oder durch zweifach über einander gesetzte ö Landden unterstützt, s. Fig. 1492. — Soweit diese veränderte Konstruktionsweise es verlangte, wurden auch die Formen der Säulen A, B etwas abweichend von denen Jdes brahmanischen Stils ([. Indisch/ gestaltet Von der „vollendeten Durchbildung dieses a höchst kühnen Aufbausystems giebt Fig. 1493 einen Begriff, eine 4 Partie aus den Hallen des hnlich, aber bei weitem einnfacher wie der zu Sadrih disponirten Tempels des Vimala-Sitätsbibliothek Heidelberg LDF Sah zu Mount-Abu, erbaut 1032. Dergleichzeitig erbaute Tempel zu Brambanam auf Java ist sehr eigenthümlich disponirt. Das Centrum der Anlage bildet hier ein Tempel von 13, m. ins U) und 22, mn. Höhe, nach oben in einer achtseitigen Pyramide endend; an jeder seinerSeiten isteinähnlicher kleinerer angefügt, mittels eines kurzen Korridors od. vielmehr einer durch starke Mauern führenden Thüre mit dem großen verbunden, so daß die fünf zusammen ein griechisches Kreuz bilden; sie stehen auf einem gemeinschaftlichen, reich verzierten, quadratischen Unterbau, und einer von den Kreuzarmen dient als Ein-Front, wenn man die Ecktempel bei diese in einer Entfernung von 10 ½ m. zieht sich ein zweites Viereck, gebildet durch 44 Tempel, an jeder Seite 12, u. um diese zieht sich ein Umgang von 24 m. Breite, in welchem 6 Tempel so vertheilt sind, daß je 2 der Nord⸗ u. Südseite, je 1der West- und Ostseite des Haupttempels gegenüber stehen. Die Umfassung dieses Umgangs od. Hofes, an jeder Seite ca. 157 m. lang, bilden 160 Tempel, dicht an einander gereiht. Jeder dieser 238 kleinen Tempel ist ca. 3½ m. ins groß u. 6½ m. hoch. Die Baugruppe stammt aus dem 10. Jahrh., wie auch eine nahebei gelegene kleinere, die nur aus einem Mitteltempel und 16 im — herümgestellten kleineren besteht. Auch die Indra-Subba genannte Gruppe der Felsenbauten in Ellora wird den Dschainas zugeschrieben, mit welcher Vermuthung auch ihre übereinstimmt. — Außer den Tempeln sind hohe, schlanke Thürme, Siegesdenkmale, Dschaya-Sthambas gen., erhalten. Der zu Chittore von Khumbo Rana um 1440 erbaute hat bei 37m. Höhe u. 9 m. unterer Breite 9 Geschosse, deren oberstes mit einer Kuppel auf 8 Säulen bedeckt ist, während die unteren durch Erker, Balkons etc. reich geschmückt sind; s. Fig. 1494. Die beiden oberen Geschosse und die drei untersten geben zugleich ein Bild von der Außenarchitektur der kleinen Tempel, deren einige völlig ähnlich gestaltet sind, als ob man die beiden obersten Geschosse dieses Thurmes auf ein, zwei od. drei der untersten setzen wollte. Die Profanbauten der Oschainas, sowie die architektonischen Details ihrer Tempelbauten, unterscheiden sich nicht wesentlich von denen anderer indischer Sekten; s. darüb. d. Art. indischer Stil. MIs. Ischonke, f., frz. vonke, von etwa 200 Tonnen, mit zwei Masten. to dub tr. v. thetimber, engl. dächseln, deißeln.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 185Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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