FeedEisenbalken
Handwerk & GewerbeBau-Lexikon 1881

Eisenbalken, m. frz. poutre f. en fer, engl. iron-beam. J. Allgemeines. Eiserne Balken werden wie alle Balken auf relative Festigkeit in Anspruch genommen; vergl. daher d. Art. Balken; die in den dort weiter angezogenen Artikeln gegebenen Formeln gelten um so mehr für Eisenbalken, als beim Eisen das Gefüge weit gleichmäßiger ist wie beim Holz. Berechnet man die Stärke, welche einem Eisenbalken zu geben ist, nach den Formeln für die Biegung, also der Elastizitätsgrenze entsprechend, so genügt es, das durch Rechnung gefundene Resultat drei- od. vierfach zu nehmen (mit 3—4facher Sicherheit zu konstruiren): hat man aber die Berechnung auf Bruch gerichtet, also auf den Festigkeitskoeffizienten gegründet, so ist es gut, 8- bis 10fache Sicherheit anzunehmen. II. Gegossene eiserne Zalhen, welche eine gleichmäßige Belastung zu erleiden haben, macht man gern (s. Fig. 1524) nach der Mitte zu höher als in der Nähe der Auflagspunkte, ebenso die Sparren; da es jedoch für eine Längenverschiebung sowie für Erschütterungen wünschenswerth ist, denselben am Ende eine winkelbandähnliche Unterstützung zu geben, so gestaltet man Balken, welche, wie dies gewöhnlich der Fall ist, oben eine wägerechte Auflagsfläche bieten sollen, gern unten bogenförmig u. durchbricht diezwischen derunteren Bogenlinie und der unteren Horizontalen entstehenden Zwickel derart, daß nach der Mitte zu eine größere feste Masse bleibt als an demEnde (s. Fig. 1525); unten u. oben giebt man dem Balken einen verstärkten Rand. Die Erfahrung hat gelehrt, daß es gut ist, die oberen dieser Rippen schmäler als die unteren zu machen, u. die Mäße dabei so zu vertheilen, daß der Schwerpunkt des Querschnitts, wenn man dessen Höhe in fünf Theile theilt, in den zweiten dieser Theile (zwischen dem ersten und zweiten Theilpunkt) von unten aus dr Wie fällt. Bei Unterzitgen hat dies zugleich den Ztßlten Vortheil, daß man die eigentlichen Balken oder eine zu deren Aufnahme bestimmte Mauerlatte auf diese untere Rippe auflegen kann, welche in ersterem Fall kaum vor dem Putz vorsteht. III. Gußeiserne Cräger für Gewölbe gestaltet man gern im Querschnitt nach Fig. 1526, um den Wölbsteinen ein angemessenes Widerlager zu bieten. IV. Armirte Gußeisenbalken. Da das Gußeisen zwar bedeutende Festigkeit gegen Zerdrückung, aber geringe gegen Zerreißung hat, so müßte man bei weit freiliegenden Balken die untere Rippe so stark machen, daß sie wiederum durch ihr eigenes Gewicht unverhältnismäßig belastetn würde. Man armirt daher solche Träger nach Fig. 1527. Noch mehr trägt ein solcher Träger, wenn man ihn vor der Armirung umkehrt, nach Fig. 1528, also so legt, daß die schmälere Rippe unten hinkommt, während er ohne Armirung in dieser Stellung blos etwa halb so viel trägt, als in der umgekehrten, mit der breiten Rippe unten. Man muß indessen bei solchen Kombinationen von Gußschmiedeeisen berücksichtigen, daß das Gußeisen sich in? Wärme und Kälte weniger ausdehnt, resp. zusammenzieht, als Schmiedeeisen, auch ohne vorhergehende sichtliche Fig. 1530. Fig. 1531. Fig. 1533. Tabelle 1. für die annähernde Berechnung des Gewi Srofil⸗ des Stegs. der Nor1. Die Dicke des Stegs kann innerhalb der in der Kolonne 3 und gebenen Grenzen beliebig ausgeführt werden; die Breite der Flansch größert sich im Verhältnis der Stegdicke. 2. Das Gewicht pro laufenden m. eines Stabes für eine beliebie des Stegs wird gefunden, wenn man zu dem Normalgewichte (Ko! oftmal das Gewicht für Imm. Stegdicke (Kol. 7) addirt, als die D zwischen der gewünschten und der Normaldicke des Stegs beträgt. Z. B. Gesucht das Gewicht von 1 laufenden m. nach Profil 7 bet! Slegdicke. Formveränderung, bei heftigen Stößen bricht, während das Schmiedeeisen zäher ist, sich erst dehnt, ehe es reißt etc. HEIDELBERG O Universitatsbit Noch ist zu bemerken, daß die Spannstangen, die gewöhnlich heiß in den Träger eingezogen werden, weder zu lang noch zu kurz sein dürfen, was aber nicht immer tigt wird, weshalb man mit solchen armirten Trägern schon öfter schlimme Erfahrungen gemacht hat. Sind die Stangen zu lang, so nehmen sie nicht den vollen Schub Zu Art. Eisenbalken IV. Art. Eisenbalken V. ichts des Trägers auf, und letzterer kann sich so weit ge in m. Prof. A. 1527. 4 angeben ver-sind dieselben gleich zu Anfang, d. h. ohne bege Dice sondere Belastung, einer starken Schubwirkung 1.6) so [ausgesetzt, indem sie den Bogen mehr zu krümmen hifferenz sfuchen; hieraus folgt, daß bei eintretender Be18 mm. also nicht nach der Mitte zu verstärkt werden kann, sondern auf der ganzen Länge konstant ist, sowie für Blechträger, gilt ibliothek Heidelberg * 11im ullgemeinen dasselbe, was für die gußeisernen gilt. Am Tro meisten gebraucht wird das I-Profil, und ist für dieses der wir Unterschied zwischen oberen und unteren Rippen hier nicht so bedeutend wie bei Gußeisen, ja sie können fast gleich ge⸗ Tal macht werden. Eines der beliebtesten Profile ist noch im Ver mer das der alten Eisenbahnschienen Fig. 1529. — Gern würden wir hier eine Uebersicht der empfehlenswerthesten Profile geben, eine solche ist jedoch nur sehr unvollständig möglich, da trotz der im Jahr 1879 zwischen dem Verband der deutschen Architekten⸗ u. Ingenieurvereine und 5 dem technischen Verein für Eisenhüttenwesen getroffenen Bb. Vereinbarungen noch immer nicht nur fast jede Hütte andere Bg. Profile u. Numerirung führt, nicht nur viele Händler be⸗ Ph. sondere Numerirung eingerichtet haben, sondern manche 6.1 Hütte und manche Händler sogar zweierlei bis dreierlei verschiedene Numerirung braucht. — Zur Warnung vor der dadurch herbeigeführten Gefahr der Verwirrung seien By hier nur ein pär Beispiele gegeben: Nach der Verein-Bg. barungsoll für L-Eisen das Profil Fig. 1530 gelten u. zwar Ph. soll sein: die Höhe hbei Nr. 1 10mm., Nr.2 = 0mm., Nr. 30 ⸗ 30 mm. etc. Die obere Flanschbreite (bei An-W. deren Flügelbreite genannt) soll sein: bP /½ h+E 10 mm. für h =10 bis 250mm. bei größerer Höhe aber b 0½h für h==10 bis 250 mm., bei größerer Höhe aber 1⸗= 0,388 h. — Ferner die Flanschenstärke = 1, d. Die Ab⸗ W. rundungshalbmesser R= d u. 1= ,6 d, die Neigung im Flansch 14/%. Danach stellen sich die Nummernmäße, Bb Gewichte etc. für die Höhenwerthe h 100, 150, 200 etc. so, wie sie in nachstehender Tabelle 2 in den mit O bezeichneten Zeilen gegeben sind; für dieselben oder nächstliegenden Höhen stellen sich aber bei den meisten Hütten abweichende Werthe für die anderen Größen heraus; in nachstehender Tabelle sind bezeichnet: Burbach bei Saarbrücken mit Bb., D. die Borsigwerke in Schlesien mit Bg., die Werke des Phönix Bb. in Laar bei Ruhrort mit Ph., die Gutehoffnungshütte in Bg. Oberhausen an der Ruhr mit G. H. und die Wendelsche Ph. Hütte in Hayange in Lothringen mit W. H. Diese Tabelle wird ergänzt durch die Angaben in der Bei⸗ W. lage zum Deutschen Baukalender, woselbst auch die Wider-D. standsmomente, die Wirkungsgrade, Querschnittsflächen-Bb. inhalte etc. zu ersehen sind. Da aber die dort berechneten W. Werthe immer erst noch weitere Rechnung beanspruchen u. D. es für die gewöhnliche Praxis wünschenswertherscheint, die Bb. Tab. 3. Verzeichnis einiger L-Träger der Burbachhütte m mäßiger Belastung für Zfache, 4fache, 5fache, 6fache Sicherheit pro qamm. angenommen ist; für eingemauerte Träger kann ma freiliegende Längeist-Im. angenommen; um für größere Läne Werth mit der Zahl der Meter zu dividiren, z. B. für 4 m. Freitr il⸗ . ite stärke Loauf.. 5³⁴ 200100 9 29,, 21031 6⁴ 2990%98 10 34 27336 7⁴ 235 99 40 30 22760 8a 25⁰ 4 43½ 37755 9a 250 14⁰ 10 49 46569 HEIDOELBERG O Universitätsbibliothek agfähigkeit direktu. einfach berechnen zu kEnnen, so geben sub Zeine weitere Tabelle für diese Berechnung. b. 2. Nummern und Müße des I-Eisens nach der reinbarung von 1879, verglichen mit denen einiger me. Nr. H. 44150 80 XXV500 17618 26 2 120 136 2598 it ihrer Tragfähigkeit, bei freier Auflage und gleichwobei die absolute Festigkeit zu bez.: 11, 8,5, 5,, kg. an das 1½fache der Tragfähigkeit annehmen. — Die gen die Tragfähigkeit zu ermitteln, ist der hier gegebene ragung ½ des hier gegebenen Wrrrhes 2e. Tracfohite in kg. auf 1 m. für ‚ Widerglit / mothes 1882bd?2/0228 Heidelberg DFC Weiter soll für gleichschenkeliges Winkeleisen nach der Vereinbarung von 1879 das Profil Fig. 1531 gelten, und zwar ist b die Schenkelbreite in mm.: d soll, solange b kleiner als 100 um bleibt, mindestens b, bei höherem Steigen von b mindestens ½ bsein; R ½ d: r ½ d; auch hier ist die Numerirung so gewählt, daß Nr. 1 für b⸗ 10, Nr. 1½ für b-15 mm. 2c. gilt. Auch hier haben sich die Hütten noch nicht angeschlossen.— Dasselbe gilt v. Fig. 1532, dem vereinbarten Normalprofil für ungleichschenkeliges Winkeleisen, wo Bb, sowie = 2 b sein darf. Retwa ½ d, und daber mindestens 20 sein soll. Bei Fig. 1533, dem vereinbarten Profil für breitfüßiges T-Eisen soll 2 ½ d sein. Die Neigung im Fuß soll jederseits 4% betragen. — Bei dem hochstegigen L⸗-Eisen Fig. 1534, sein; Neigung im Fuß = 4%. Bei dem ⸗Eisen Fig. 1535 + d/½ sein; die Flanschen sollen keine Neigung haben. Bei E-Eisen endlich, Fig. 1536, soll b 0, h + 25 mm. sein und die Neigung im Flansch 8,% betragen. Auch hier ist Näheres im Baukalender zu finden. VI. Betreffs der Blechträger und schmiedeeiserner Balken sind bes. die in Fig. 1537 bis 1542 dargestellten Querschnitte beliebt. — Ueber die Berechnung der Gewichte u. Stärken etc. vgl. die Art. Biegung, Elastizität u. Festigkeit. Vgl. auch beistehende Tabelle 1., sowie d. Art. Eisenbau d. VII. Ueber die zusammengesetzten Cräger s.d. Art. Gitterträger sowie d. Art. Brücke. Rathsam ist es, jeden Träger vor der Verlegung mittels einer Belastung gleich ½/3 des Gewichtes, welches nach der Berechnung den Bruch herbeiführen würde, oder mindestens gleich dem Doppelten der wirklich später von ihm zu tragenden Last zu prüfen.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 216Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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