FeedEisenbau
BaukunstBau-Lexikon 1881

Eisenbau, m., frz. Construction f. en fer, engl. ironbuilding. Sowohl infolge der immer höher steigenden Holzpreise, als auch der immer mehr sich geltend machenden Zweckmüßigkeit, hat die Verwendung des Eisens zu Bauüheilen in der neuesten Zeit eine solche Ausdehnung gewonnen, daß man es unbedingt als Hauptbaustoff ansehen muß. Anstatt des Holzes verwendet, hat es vor diesem den Vorzug größerer Dauer, Tragfähigkeitu., wie zu erwarten steht, in nächster Zeit auch größerer Billigkeit. In früheren Zeiten wurde nur Schmiedeeisen, und zwar vorzüglich in Ankern, Schienen, Bolzen, Nägeln zu Verbindung mehrerer Bautheile oder höchstens zu feuerfesten Thüren oder Gittern verwendet, wogegen man jetzt Thürme (Leuchtthürme), Gebäude, Brücken, Kirchen, Wohn⸗ und Wirthschaftsgebäude u dergl. aus Eisen herstellt, dessen Vorzüge sich immer mehr zeigen. Der Hauptwerth des Eisens, anderen Baumaterialien gegenüber, besteht hauptsächlich darin, daß es eine bei weitem größere Festigkeit hat; die Formeln zu Berechnung dieser Festigkeit u. infolge dessen der zweckmäßigsten Querschnitte für Säulen, Balken, Bogenträger u. Sparren von Eisen s.in d. Art. Elastizität, Festigkeit, Biegung etc. Aus den in denselben Art. zu findenden Koeffizienten geht hervor, daß man schmiedeeisernen Hängesäulen blos ⅛½ des Querschnitts zu geben braucht wie eichenen, gußeisernen die Hälfte wie eichenen, gußeiserne Balken brauchen blos etwas mehr als ein Viertel so stark zu sein wie eichene, schmiedeeiserne noch um die Hälfte schwächer. Vgl. auch d. Art. Eisenbalken. a) Säulen. Wie aus dem Artikel Festigkeit zu ersehen ist, ist die Festigkeit des Gußeisens gegen Zerdrückung dreimal so groß, wie die des Schmiedeeisens. Man wird also stets besser thun, Gußeisen zu Säulen zu verwenden, als Schmiedéeisen. Stücke von kleinerer Dimension haben bei ganz ähnlichen Formen und Maßverhältnissen größere Festigkeit. Solange die Höhe der Säulen nur fünfmal so hoch ist als das kleinste Mäß des Quer-HEIDOELBERG O Universitatsbi schnitts, ist die Widerstandsfähigkeit fast konstant; bei größerer Höhe nimmt sie ab, bis endlich ein Ausbiegen und dann Zerknickung eintritt. Kreisförmige Querschnitte zeigen bei demselben Flächeninhalt größere Widerstandsfähigkeit als rechteckige, polygone Querschnitte stehen zwischen beiden. Das Verhältnis der Länge Lzum Durchmesser (resp. der Dicke) D, d. i. L: D, darf nach Weißbach nicht überschreiten bei Holz 11,5, bei Gußeisen 10, bei Schmiedeeisen 24, wenn die Tragkraft der Säulen einfach nach der rückwirkenden Festigkeit berechnet wird, d. h. wenn keine Biegung eintreten soll. Hiernach ist diese Tragkraft bestimmt durch die Gleichung: P 0,25 D KI, worin K. den Koefsfizienten für rückwirkende Festigkeit (s. d. Art. Festigkeit) bezeichnet. Wird das obige Grenzverhältnis von Länge zum Durchmesser überschritten, so gilt für Säulen, die am unteren Ende festgehalten werden, die Gleichung: P,211 33. worin E der Elastizitätsmodul ist, für frei aufstehende und auch oben nicht durch Ringe od. Zapfen festgehaltene Säulen aber die Gleichung: hohle Säulen, worin D den äußeren u. d den inneren Durchmesser bezeichnet. Hodgkinson hat durch Versuche gefunden, daß für hölzerne Säulen diese Formel unbedingt richtig ist, wenn man nur statt 0,444 Eeinen besonderen Erfahrungswerth einsetzt (s. unten). Für Guß⸗ und Schmiedeeisen ist aber statt Deine etwas kleinere Potenz, nämlich für Säulen mit abgerundeten Enden D“6 u. für Säulen mit flachen Enden D8s einzuführen. Ferner ist bei Gußeisen Lianstatt Lꝰ zu setzen. Folgendes sind die Hauptergebnisse der Hodgkinsonschen Versuche mit Bezug auf lange Säulen für Metermäß u. Kilogramm. Für gußeiserne hohle Säulen mit kreisrundem Querschnitt: 10,05 Für schmiedeeiserne Säulen mit kreisrundem Querschnitt: ö 46,140 Für quadratische Säulen aus trockenem Eiö chenholz: 24 Für quadratische Säulen aus trockenem Fichtenholz: 1,70 L Die Koeffizienten dieser Forineln beziehen sich auf den Fall, daß die Säulen flache, rechtwinklig zur Achse gerichtete Randflächen haben. Sind die Endflächen abgerundet, so ist nur ,½ dieser Werthe in Rechnung zu nehmen. Ist ferner die Säule an beiden Enden auf Scheiben befestigt, resp. mit ausladendem Kapitäl und breitem Fuß versehen, so ist die Tragkraft so groß, als wenn im letztern Fall die Säule nur halb so lang wäre. Für gußeiserne Säulen würde dann gelten: 11½54 338 Noch hat Hodgkinson gefunden, daß gußeiserne Säulen eher zerknickt als zerdrückt werden, bei abgerundeten Enden, wenn L 15 D, und bei flachen Enden, wenn L d 300 ist; daß ferner Säulen, welche in der Mitte 72 bis ⁊mal so dick sind als an den Enden, bei gleichem Gewicht u. gleicher Länge unter gleichen Umständen ungefähr / mehr tragen als cylindrische Säulen, u. daß hohle cylindrische Säulen unter übrigens gleichen Verhältnissen stets mehr tragen als gleichschwere massive Säulen mit polygonalem oder sternförmigem Querschnitt. Der innere Durchmesser soll dabei nicht über ½¾ des äußeren betragen. Ist endlich das eine Ende der Säule flach, das andere abgerundet, so ist die Tragkraft das arithmetische Mittel zwischen der Tragkraft bei abgerundeten und der bei flachen Enden. Bei Anwendung dieser Formeln ist es rathsam, bei Gußeisen sechsfache, bei Schmiedeeisen vierfache und bei Holz zwölffache Sicherheit anzunehmen, also die obigen Koeffizienten, resp. mit 6, 4 oder 12 zu multipliziren. Scνινο. die zweckmäßigste Gestaltung der Kapitäle s. d. betr.“ Ober⸗- u. Unterende muß unverschiebbar befestigt werd wenn blos einmalSäulen stehen, geschieht diese Befestig' am besten durch angegossene Fuß-⸗ u. Kapitälplatten, denen erstere in Steinwürfel, letztere in die Balken schraubt werden. Die Säulenenden horizontal ab schneiden u. mit Ringen zu umfassen, oder gar Zapfen dieselben anzugießen, ist zu widerrathen, weil dadr (CFoben) ihre Widerständsfähigkeitvermindert wird. W. mehrere Säulen über einander in Stockwerken angebré werden müssen, ist die unverschiebbare Befestigung se schwieriger. Häufig geschieht sie nach Fig. 1543. Das Ei der runden Säule a wird sich aber beim Erkalten and zusammenziehen als das des viereckigen Zapfens b, daher werden kleine Risse entstehen; ferner wird die Tr gegossene Platte zu Auflage der Unterzüge d, e aber ein Zapfen ist, der am besten kreuzförmig im Grundriß gestaltet wird. b) Balkeu. Ueber eiserne Unterzgüge, Träger u. Balken s. d. Art.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 219Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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