FeedEisenbau
BaukunstBrockhaus 1882

Eisenbau ist die Anwendung des Eisens zu Bauwerken in dem Maßstabe, daß dasselbe die Rolle des Hauptmaterials spielt, während es bei gewöhnlichen Hochbaukonstruktionen neben Stein und Holz nur in untergeordneter Weise zur Verwendung gelangt. Der Hauptvorzug des Eisens, bei zunehmender Billigkeit gegenüber den andern Materialien, besonders Holz, 1 darin, daß es bei geringern Querschnittsverhältnissen eine viel bedeutendere Zug⸗ und Druckfestigkeit besitzt, und Dunsi Vorzug macht es bei der gesteigerten Produ kionsfähigteit zu einem der geschätztesten Baumaterialien der Neuzeit, besonders zu weitspannenden Brücken⸗ und Dachkonstruktionen. Während die Zugfestigkeit des Schmiedeeisens etwa der 10fachen des Holzes und die Druckfestigkeit des Gußeisens der 100fachen des Steins gleichkommt, übersteigen die Gewichtsverhältnisse des Eisens die des Holzes nur um das Sfache, die des Steins etwa um das 4fache. Dazu kommt die geringe Ciiens gegen und die ungleich längere Dauer des isens gegenüber den Holzkonstruktionen. Die Verwendung des Eisens im Hochbau ist eine außerordentlich vielseitige und erstreckt sich besonders auf Säulen, Balken, Träger, Widerlager, auf Dachkonstruktionen und Deckungen, auf Gitter, Geländer, Thüren und Thore, Fensterrahmen, Ornamente, Ofen und Treppen, Geräte und Möbel u. s. w. Im Brückenbau ist die Anwendung des Eisens geradezu epochemachend geworden. Bei den Konstruktionen in Eisen verwendet man zu Stützen,‚ Säulen und driiri solchen Teilen, welche auf Druck oder rückwirkende Woschließt in Anspruch genommen werden, fast ausschließlich das Gußeisen wegen seiner bedeutenden Druckfestigkeit; nur bei starken Erschütterungen sind schmiedeeiserne Stützen empfehlenswerter; wogegen zu allen freitragenden und weitspannenden Konstruktionen, zu denen man anfänglich n Water verwendete, das Schmiedeeisen in Form von Walzeisen, wegen gleichgroßen Widerstandes gegen Zug und Druck, größerer Clasticität und sehniger Struktur, als das geeignetste Material erkannt wurde. Eine sehr tragfähige Form erhält das Eisenblech in Form von Wellblech, die es nicht nur zu Dachdeckungen ohne Unterlage, sondern auch zur Unterstützung von Fußböden aus Beton und Holz, zu Rollläden u. dgl. geeignet macht. Kleinere Eisenkonstruktionen, namentlich für Hochbauten, werden in größern Schlosserwerkstätten oder Maschinenschlossereien ausgeführt und deren Berechnung und Detaillierung in der Regel von der Architekten besorgt, wogegen größere Eisenkonstruk tionen, wie Brücken, Dücher, Glockenstühle u. s. w. in besondern, von Ingenieuren geleiteten Eisenbau anstalten ausgeführt werden, die mit Gießereien Walzwerken und mechan. Werkstätten für die feinere Bearbeitung des Eisens versehen sind. Die Lieferungsweise derselben erfolgt gewöhnlich unter Garantie für eine bestimmte Maximalbelastung und nach vertragsmäßig festgestellten Preisen für die Gewichtseinheit (Tonnen oder Centner). Von den bedeutendern Eisenbauanstalten sind zu nennen: Kaspar Harkort in Harkorten bei Duisburg; Waltjen u. Comp. in Bremen; Gebrüder Benkiser in Pforzheim; Kölnische Maschinenfabrik; Süddeutsche Brückenbau-Aktiengesellschaft in Nürnberg; Königin Marienhütte in Cainsdorf bei Zwickau; W. Fairbairn in England; Gouin u. Comp. in Frankreich; John Cockerill in Seraing in Belgien u. a. m.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 894Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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