FeedFett
NaturlehreBau-Lexikon 1881

Fett, v., frz. graisse, f., engl. kat, grease. Die F. e finden sich in den Pflanzen als fette Oele, Pflanzenbutter etc.; im Thierreich flüssig als Thran, als Schmalz od. Schmeér, fest als Talg od. Inselt (Unschlitt). Diese Verschieden⸗ Fig. 1718. heit der Konsistenz gründet sich auf das verschiedene Verhältnis der Bestandtheile der F.e u. rechtfertigt folg. Eintheilung; 1. Ceste thierische Fette. Talg (Unschlitt) wird erst bei 40 flüssig. Schweinefett wird bei flüssig. Dachsfett, Gänsefett, Hundefett sind bei gewöhnlicher Temperatur fest u. werden zwisch. 25—30flüssig. 2. Flüssige thierische Kette. Dazu gehören: Klauenfett, Fischthran, Eieröl, Leberthran. 3. Feste pflanzliche Felte. Das Palmöl, bei 27e schmelzend; das Lorbéröl, bei 20 schmelzend; der Kokostalg u. Muskattalg. 4. Klüssige vegetabilische Fette od. fette Oele. Die Zahl der flüssigen pflanzlichen F.e ist groß. Man theilt sie in Bezug auf ihr Verhalten an der Luft weiter ein in: a) Trocknende Oele. Diese verwandeln sich an der Luft durch Sauerstoffaufnahme und andere chemische Veränderung in eine zähe, dicke Masse. Zu ihnen rechnet man: Leinöl, Hanföl, Ricinusöl, Walnußöl, Mohnöl u. a. b) Nichttrocknende Oele, welche an der Luft keine solche Veränderung erleiden, sind: das Baumöl, das Rüböl, das Mandelöl, das Buchenöl u. a. Die Eigenschaft der F.e, sich nicht mit dem Wasser zu verbinden u. im Wasser zu lösen, wird auf die manchfachste Weise in der Technik benutzt, dahingegen manche ihrer Eigenschaften sie schädlich wirken lassen. F. auf Papier, auf Gewebe u. auf Flächen gebracht, die entweder noch gar nicht od. mit einer Wasserfarbe gestrichen sind, macht die Oberfläche dieser Körper durchsichtigu. verursacht daher einen transparenten, also, wo das Lichtvon vorn auffällt, dunkler erscheinenden Fleck, der sich, wenn das F. in der Wärme dünnflüssiger wird, sowie vermöge der Kapillarität vergrößert. Steigert man nun die Wärme so sehr, daß das F. sich bedeutend vertheilt, so verschwindet der Fleck für das Auge, behält aber die Fähigkeit, den Staub fest anhaften zu machen, wodurch er mit der Zeit als Schmuzfleck wieder zum Vorschein kommt. Fettflecke auf Körpern, die mit Wasserfarbe gestrichen werden sollen, verhindern das Haften der Farbe; Oelfarbenanstrich erzeugen sie matte Stellen. Von den zahlreichen, mehr oder minder zuverlässigen Mitteln zu hbertilgung von Fettllecken seien hier nur folgende angeführt: 1. Auf Papier. Magnesia, Talkerde oder Speckstein, gepulvert u. mit etwas Wasser zu Brei gemacht, wird mit dem Pinsel aufgetragen. Nach einigen Stunden entfernt man die getrocknete Masse behutsam mit einer zarten Bürste; ist es nöthig, so wird das Verfahren wiederholt. Wirksamer noch ist folgendes Verfahren: Man befeuchte doppelt zusammengelegtes dickes, weiches Löschpapier mit Benzin und lege eine solche Schicht sowohl unter als auf das mit dem Fettfleck behaftete Papier, worauf man das Ganze 5—10 Minuten lang stark preßt. Natürlich muß man vor dieser Manipulation das Stearin, Fett etc. soweit wie ohne Schaben, Kratzen etc. möglich, von dem Papier abheben. Bei stärkerem Papier kann man auch Wärme anwenden, indem man recht weiches, lockeres Löschpapier, dünnen Flanell od. dgl. auflegt u. darauf ein heißes, aber nicht ganz glühendes Bügeleisen langsam hin und her bewegt; stehen darf das Eisen nicht, ohne Gefahr des Sengens zu bringen. Kleinere Fettflecke vergehen oft schon, wenn man ein brennendes Hölzchen od. Papier od. dgl. über die Stelle hält, was aber mit sehr großer Vorsicht geschehen muß. Der immer noch bleibende geringe Rest des Fleckes wird dann mit etwas feingepulverter Kreide eingerieben. — 2. Auf Geweben. Etwas Stärkemehl, mit Wasser angefeuchtet, auf die fettige Stelle gebracht und so behandelt wie 1. Auch hier kann Benzin oder Wärme in derselben Weise wie bei Papier angewendet werden, oder — wo dies nicht angeht — wird der Fettfleck mit einem in Benzin befeuchteten Tuch gerieben. Bei Ueberbügeln kann das Eisen rothglühend sein, wenn diellnterlage starkgenug ist.Sc⁰. — 3. Auf unangestrichenem Holz vertilgt man die Fettflecke, wenn sie ganz frisch sind, durch die bei 1u. 2angeführten Mittel, ältere Flecke hingegen nur durch Säuren, bes. Salzsäure, od. ätherische Oele. — 4. Auf Holz, welches mit Leimfarbe gestrichen werden soll, wendet manzunächst eines der vorigen Mittel an; dann überstreicht man die Stelle mit einer Schellacklösung oder mit Quark und Kalk; oft reicht schon eine Spirituswaschung und Kreideeinreibung aus. — 5. Auf einer schon mit Leimfarbe gestrichenen Fläche, sei sie nun von Holz, Stein od. Putz, vertilgt man sbibliothek Heidelberg DFC Fettflecke am besten durch Anhalten eines sehr heißen, aber nicht ganz glühenden Körpers mit Unterlagen von Löschpapier oder wollenem Zeug; dann überstreicht man die Stelle mit magerer Oelfarbe oder mit Quarz und Kalk u. bringt dann frische Leimfarbe auf.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 321Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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