Galvanismus oder Voltaismus (Berührungs⸗ oder Kontaktelektricität). Man bezeichnet mit diesen gleichgeltenden Worten den Inbegriff aller Erscheinungen, Gesetze und Erklärungen, welche in das Gebiet derjenigen Elektricität gehören, die durch gegenseitige Berührung ungleichartiger Leiter entsteht. Die Geschichte des G. ist reich an Wandlungen in der Anschauung über die letzte Ursache seiner Grunderscheinungen. Im I. 1756 veröffentlichte Caldani in Bologna, daß Frösche kurz nach ihrer Tötung durch Elektricität in Zuckungen geraten. Diese Thatsache blieb unbeachtet, bis sie von der Frau des Professors Luigi (Aloisioz Galvani (s. d.Wabermals entdeckt wurde (1789). Letzterer faßte diese Erscheinung nicht als Rückschlag auf, was sie in der That war, sondern er meinte darin einen Beweis dafür zu sehen, daß der Tierkörper eine ihm eigentümliche Elektricität besitze. Bei seinem weitern Studium dieser Erscheinung bemerkte er zufällig, daß enthäutete frische schschenkel, welche mittels kupfernen Haken an einem eisernen Gitter hingen, in Zuckungen gerieten, oft jene Froschpräparate mit dem Eisen in Berübrung kamen. Er erklärte sich diese Erscheinung dadurch, daß er annahm, die Nerven und Muskeln eines jeden Tierkörpers seien, wie bei einem Kondensator, entgegengesetzt elektrisch, und dieselben werden bei Froschschenkeln durch die Metallverbindung entladen, wobei sie in Zuckungen Draung⸗ Diese zufällige, aber folgenreiche Enteckung Galvanis führte ihn zu einem Versuche, der noch jetzt nach ihm benannt wird (Galvanischer Froschschenkelversuch) und in Schulen gewöhnlich, wie folgt, wiederholt wird. Man verbindet an einem enthäuteten hintern Theile eines frisch getöteten Frosches (s. Tafel: Galvanismus, Fig. 14) die Schenkelnerven (in der Zeichnung oben als zwei Fäden sichtbar) mit den Wadenmuskeln mittels zweier verschiedener, sich berührender Metallstreifen (z. B. mittels Zink 2 und Kupfer 6), wodurch die Froschschenkel in Zuckun versetzt werden, wie dies in der Figur durch Da nach oe des linken Schenkels angedeutet ist. a nach der Ansicht Galvanis das Metall nur den Entlader des elektrischen Froschschenkels bildet, so müßte dieser Versuch auch mittels eines Verbindungsbogens aus einerlei Metall gelingen. In der That erprobte auch Alexander Volta das Galvanische Experiment in dieser Weise, jedoch mit verneinendem Resultat, indem die Zuckungen gar nicht oder nur kaum merklich auftraten. Dagegen zuckte das Froschpräparat stets lebhaft, sobald es mit zweierlei sich berührenden Metallen, wie in Fig. 14, verbunden wurde. Daraus schloß Volta, daß die Berührung der verschiedenen Metalle die Quelle von entgegengesetzten Clektricitäten sei, welche sich in jenem Froschkörper ausgleichen und ihn in Zuckungen versetzen. Die Ansichten Voltas und Galvanis waren also direkt entgegengesetzt, indem nach letzterm die Froschschenkel die Quelle der entgegengesetzten Elektricitäten wären, die sich im Metallbogen neutralisieren. Obwohl, wie sich später zeigte, jeder Tierkörper in der That eine Quelle der Elektricität ist, so entschieden weitere Versuche in dieser Richtung doch zu Gunsten Voltas. Zunächst prüfte der letztere seine Ansicht mittels des von ihm (1782) erfundenen Kondensators und fand sie bestätigt. Dieser Fundamentalversuch Voltas (1793) ist in der mannichfachsten Weise abgeändert worden. Berührt man an einem Voltaschen Kondensations-Elektroskop (Fig. 15) die äußere Seite der untern kupfernen Platte mit einem Zinkstäbchen, während man die obere Kondensatorscheibe etwa mittels des Fingers ableitend mit der Erde verbindet, so ladet sich der Kondensator mit derjenigen Elektricität, welche an dem Kupfer durch dessen Berührung (Kontakt) mit dem Zink auftritt. Wenn man hierauf die obere Platte abhebt, so divergieren die Goldplättchen mit negativer Clektricität, woraus man mit Volta schließt, daß Kupfer im Kontakt mit Zink negativ elektrisch wird. Bei Umkehrung des Versuchs, d. i. bei einer zinkenen Zuleitplatte am Kondensator und bei einem kupfernen Berührungsstäbchen zeigt der Kondensator, daß die Zinkplatte positiv elektrisch geworden ist. Man kann also mit Volta sagen: Kupfer und Zink werden während ihrer Berührung entgegengesetzt elektrisch, und zwar ersteres negativ, letzteres positiv. Man könnte vielleicht annehmen, daß die Elektricität im Augenblicke, als man die Metalle in Berührung brachte, durch Reibung, Druck u. s. w. erregt worden sei. Allein diese Meinung wäre unrichtig. Denn auch eine Doppelplatte, bestehend aus Kupfer und Zink (die man aneinander gelötet hat), zeigt jederzeit mit Hilfe eines Kondensators die Kupferplatte negativ, die Zinkplatte aber positiv elektrisch. Von den vielen Variationen des Voltaschen Fundamentalversuchs ist der folgende sehr einfach und verläßlich: Auf die ebengeschliffene kupferne Kollektorplatte eines sehr empfindlichen Säulenelektroskops (s. Elektroskope) setze man eine ebengeschliffene, mit einem isolierenden Handgriffe versehene Zinkplatte. Hebt man nun die obere Platte in einer zur untern parallelen Lage, d. i. derart ab, daß die Trennung beider Platten an allen Punkten gleichzeitig geschieht, so zeigt das Elektroskop, mithin auch die Kupferplatte negative Elektricität. Die Zinkplatte besitzt positive Elektricität, was man an einem zweiten Säulenelektroskop nachweisen kann. Auf ähnliche Weise, wie hier beim Zink und Kupfer, entwickelt sich auch bei andern verschiedenartigen Metallen und überhaupt leitenden Körpern, indem sie sich berühren, Elektricität, welche man Berührungs- oder Kontaktelektricität nennt. Weil die erste Veranlassung zu ihrem Studium von Galvani, der Fundamentalversuch aber von Volta ausging, heißt sie auch