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BaukunstBau-Lexikon 1881

Garten, m, frz. jardin, m., engl. garden, ital. giardino, lat. hortus. maurischen Gärten zeigen zwar auch diese regelmäße Eintheilung, waren aber doch manchfach belebt durch Laubgänge, Hecken, Lauben, Springbrunnen, Kaskaden, Freitreppen, Terrassen, Hallen etc. Die französische Gartenkunst vom 16. bis zu Schluß des 18. Jahrh. gefiel sich ebenfalls in ausschließlicher Anwendung geometrischer Grundformen in der Beet⸗ und Gangeintheilung, sowie in der Einzwängung der Gewächse in architektonische Formen; die Bäume wurden zu Säulen, Vasen, Pyramiden etc. verschnitten. Die Hecken erschienen als grüne Mauern mit Postamenten, Vasen, Zinnen etc., die Laubgänge als Arkaden mit Tonnengewölben, die Lauben als Kuppeln, die sogenannten Parterres als eine Art Mosaik, in dem die Zwischenräume zwischen den ornamentalen Windungen aus Buchsbaum oder Dijonröschen mit buntem Sand, Marmorbrocken, Glasbrocken etc. ausgelegt wurden. Allerdings ist auch in diesem Stil bei weiser Beschränkung der Spielerei, bei großartiger Disponirung und großen Dimensionen sehr Schönes geleistet worden, namentlich wenn sich mit den Gartenanlagen große Wasserkünste vereinigen ließen, wie z. B. in St. Cloud, s. Fig. 1820 Aehnliche Verirrungen finden sich übrigens auch in den Gärten Behuf ist aufmerksames Studium des Lokals vor Anlage Anleines G.s nicht genug zu empfehlen. Sparsamkeit in den in F zu verwendenden Mitteln wird vor Künsteleien u. Ueber-Geb. ladungen schützen. Wenn der G. unmittelbar bei einer hier größeren Gebäudeanlage beginnt, so muß er sich hier ganz wie dem Stil des Gebäudes onschmiegen; ist dieses in breiten sam! Fagaden und streng symmetrisch angelegt, so schließe sich da o unmittelbar an dasselbe ein großer, regelmäßiger Platz, errei bei abhängigem Terrain Terrassen und Freitreppen an; lichkeinige Blumenbeete u. Rabatten, in geometrischen Formen stehe angelegt, Postamente mit Figuren und Vasen, Spring⸗ das brunnen mit steinernem oder bronzenem Bassin sind hier dure lage eines solchen G.s von mittlerer Größe geben wir Fig. 1822; bei ganz kleinen Gärten, besonders zwischen häuden, wird man es einerseits kaum vermeiden können, e und da zu tändeln; anderseits ist solche Tändelei, 3. B. Anbringung von Miniaturfelsen, sehr nahe Zuimendrängung der Effekte etc., hier nicht so sehr zutadeln, )hnehin eine landschaftliche Wirkung einmal nicht zu ichen ist. Bei größeren Gärten tritt hingegen die Mögkeit größerer Manchfaltigkeit ein, sowie auch hier nachende Regeln in ihr volles Recht treten. Alléen, die auf Gebäude zuführen, Durchsichten durch Gebüsche oder ch Laubenbogengänge nach dem Gebäude zu, Verandas, Lauben, Tempeln, Cabanen, Statuen etc., Durchsichten, Aussichten in die Ferne, Blicke auf das Wasser oder nach irgend einem im Hintergrund einer Durchsicht stehenden k Gegenstand, Statue, Thürmchen, Ruine etc., sogenannte Points de vue. Diese Ziele läßt man nicht gern zu lange ununterbrochen vvraussehen, sondern man entzieht sie dem Blick des auf sie zu Wandelnden durch Krümmung des Weges, so daß sie, obgleich vielleicht schon einmal von weitem erblickt, dennoch Ueberraschungen bilden. Die Umgebungen der Wege aber sind in der Hauptsache Rasenplätze, Gebüsch, Bäume oder Blumen; bei alledem konemmt Farbe, Form und Größe in Betracht. Einzelne Bäume auf Rasenflächen können, wenn sie selbst schön sind, die Einförmigkeit einer größeren Fläche sehr angenehm unterbrechen, auch als Vordergrund einer Scenerie oder als Point de vue können sie benutzt werden; eine Bank unter einem großen, alten Baum oder in einem Gebüsch, unter den Aesten einer Traueresche etc., ein Steinsitz, eine Moosbank, ein Stibadium kann als Ruheplatz benutzt werden; Gruppen von Bäumen und Sträuchern von zwei bis ca. dreißig gewähren die manchfachste Gelegenheit zu gefälligen Dekorationen; man muß dabei Gestalt, Farbe ve. der einzelnen Pflanzen, ihres Laubes, ihrer Blüte re. genau im Auge behalten. An einem Ort wird man Gruppen von einander ähnlichen, an anderen wieder von kontrastirenden Gliedern zusammensetzen müssen; bald müssen sie etwas regelmäßiger, bald etwas wilder erscheinen. Werden die Gruppen größer und rücken zu beiden Seiten nahe an den Weg, so machen sie den Eindruckeines Hains. In der Nähe eines dichten Hains kann man noch einzelne verstreute Bäume anbringen, Sonnendurchblicke etc. können gute Wirkung thun. Unter dem Schatten des Hnins kann eine Felsenbank, eine Einsiedelei etc. angelegt werden; Wald. Berge etc. werden nur in sehr großen Parkanlagen möglich. Wiesen und Rasenplätze müssen sich frei undungezwungen darstellen; nur ganz kleine lege man nach geometrischen Linien an, bei größeren vermeide man alle geradlinigen, eckigen und spitz zulaufenden Formen; sanfte Bodenanschwellungen, Niederungen etc. thun gute Dienste. Blumengruppen können angewendet werden auf einzelnen selbstständigen Beeten oder als Gruppen auf dem Rasen, als Vordergrund einer Durchsicht etc. Man nehme dabei auf die Größe und Gestalt der Blumen tragenden Pflanzen, auf Farbe und Geruch der Blumen Rücksicht, z. B. zu Gruppen auf dem Rasen, entfernt vom Wege, müssen große Blumen von lebhaften Farben benutzt werden etc. Blumenrabatten, die Gehölzgruppen begrenzen, wird man als gleichförmiges Band herumziehen etc.; andere, rings von Wegen umgebene Blumenbeete kann man in Gestalt von Sternen, in Stufen terrassenförmig aufsteigend, in Fächerfelder sich ausbreitend etc. anwenden, namentlich in der Nähe der Gebäude. In der Anwendung solcher Teppichbeete ist man in den leten Jahren vielfach zu weit gegangen; erstens hat man die farbigen Blattpflanzen statt der Blumen in zu ausgedehnter Weiseperwandt, infolge dessen das Ansehen eines solchen Beetes sich im ganzen Jahr nicht andert, bas schließlich langweilig wird; zweitens aber, u. darin liegcein großer Fehler, hat man diese, nur in der Nähe wirkenden und stets elwas Kleinliches behaltenden Teppichbeete in große Parks, städtische und sonstige öffentliche Gärten übertragen, wohin sie entschieden nicht gehören oder wo sie wenigstens nur mit großer Vorsicht, in engbegrenzten Theilen des G.s, oder als unmittelbare Umgebung von Gebäuden, Basen, kleinen Monumenten etc. angewendet werden sollten. Aber wie mit der Anwendung solcher kleiner und streng geometrischer Theile, darf man auch mit Anbringung von Seen, Bächen, Felsenpartien etc. ja nicht zu freigebig sein, noch vorsichtiger aber sei man in Anwendung baulicher Dekorationsgegenstände, wie Einsiedeleien, Tempel, Cabanen u. dgl.; darin thue man lieber zu wenig als zu viel, obgleich man auch hier bei geschickter ERSUATS- igi i-hei Anwendung, durch Vereinigung der baulichen Formen mit der Natur, sehr günstige Wirkungen hervorbringen kann. Beispiel Fig. 1823 aus einem der königlichen Gärten bei Potsdam. Namentlich hüte man sich, viele kleine Baulichkeiten von gleicher Gültigkeit oder Bauten in ganz verschiedenen Stilen nahe an einander anzubringen, da sie sich immer gegenseitig schaden müssen. Mankann dies recht gut vermeiden, ohne deshalb in Einförmigkeitzu verfallen. Hängende Gärten kann man mit Hülfe des Holzeements sehr leicht herstellen und damit überraschende Wirkungen erzielen. Nach ihrer Benutzung könnte man die Gärten eintheilen in Baumgärten, Küchen⸗ oder Grütz⸗, Krautgärten, Lustgärten und botanische Gärten, frz. jardins de plantes, in welchen letzteren wissenschaftliche Eintheilung und für das Gedeihen jeder einzelnen Art zweckmäßige Einrichtung die Hauptsachen sind, daher man botanische Gärten nie ohne Zuziehung eines wissenschaftlich gebildeten Gärtners anlegen kann. Die Gärtnerwohnung ist so anzulegen, daß von ihr der größte Theil des G.s bequem übersehen werden kann, namentlich der Eingang in denselben, der Zugang zu den Gewächshäusern etc. Von den einzelnen Baulichkeiten in Gärten, Gewächshäusern etc. wird in besonderen Artikeln die Rede sein.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 398Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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