Garten bezeichnet ursprünglich einen eingeschlossenen, verwahrten Platz (3. B. eine befestigte Stadt, Stargard, Stuttgart), jetzt nur noch ein einefriedigtes Stück Land, auf dem allerlei Gewächse, owohl zum Nutzen als zum Vergnügen erzogen werden. Das Heedem Merkmal des G. 15 somit der ihm zu verleihende Schutz gegen Eindringlinge aller Art durch Mauern, Bretter- oder Lehmwände, Stakete, Eisengitter, Heckenzäune u. s. w. Je nach den besondern Zwecken, denen sie zu dienen destimmt sind, und der Art der in ihnen zu kultivierenden Gewächse unterscheidet man folgende Gärten: Botanische Gärten (s. d.), Schulgärten, Baumschulen, Obstgärten, Gemüsegärten, Blumengärten, Englische Gärten oder Parke, Handelsgärten. Schulgärten stehen im Dienste der niedern Unterrichtsanstalten, und enthalten licen nur eine beschränkte Sammlung der wichtigsten Gift- und Nährpflanzen und solcher Gewächse, welche für den Unterricht in der Pflanzenkunde als Anschauungsmaterial von besonderm Interesse sind. Gärten solcher Art sind aber zur Zeit noch selten und werden es so lange bleiben, als nicht die Regierungen diesem Teile des Volksschulunterrichts mehr Beachtung schenken als bisher und die Gemeinden zur Einrichtung solcher Gärten zwingen. Baumschulen dienen der Anzucht von Obstbäumen und Beerensträuchern und sind in eine dem Bedürfnis entsprechende Anzahl von Quartieren geteilt. Die meisten Handelsbaumschulen Incen deren vier, eins für die Anzucht von Wildingen aus Samen (Samen⸗ und Piquierschule) und von Beerensträuchern aus Stecklingen (Stecklingsschule), eins für Apfel, ein drittes fur Birnen und ein viertes für Pflaumen und Kirschen. Für jede dieser Abteilungen nimmt man einen regelmäßigen Betrieb von 8—10 Jahren an, in dem jeder Baum 6—7 Jahre gebraucht, um pflanzbar zu werden oder die für den Handel erforderliche Stärke zu gewinnen. Jedes dieser Quartiere wird sonach in 8—10 Schläge geteilt, von denen in jedem Jahre einer mit Wildlingen bepflanzt wird, die später veredelt (Edelschule) werden, und in jedem Jahre einer pflanzbare und für den Handel geeignete Stämme liefert. Haben die Edelstämme einen Schlag verlassen, so wird das Land rigolt, gedüngt und für 1—3 Jahre zum Gemüsebau benutzt, worauf der Turnus von neuem beginnt. In der Regel ist mit jeder Baumschule eine Pflanzung von Mutterstämmen (Sortimentsbäumen) verbunden, denen das zur Veredlung nötige Edelholz entnommen wird. Ahnlich verhält es sich mit Gehölzschulen, welche sich mit der Anzucht von Zierbäumen und Ziersträuchern beschäftigen. Gärten, in denen Gehölze bloß aus Samen erzogen werden, die unveredelt bleiben, werden Wildbaumschulen genannt. Gemeinde-Baumschulen, deren nnn . . sehr häufig unkundigen Personen anvertraut ist, liefern meistens verkrüppelte und in Ansehung des künftigen Ertrags aussichtslose Bäume. überdies ist in ihnen die Nomenklatur gänzlich vernachlässigt. Wenn irgend eine auf Nutzung berechnete Gartenanlage, so ist es die Baumschule, der ein bis ins kleinste durchdachter Bewirtschaftungsplan zu Grunde gelegt werden muß. (Vgl. auch Obstbaumzucht und Waldbau.) Obstgärten sinden sich gewöhnlich mißbräuchlicherweise mit den Gemüsegärten vereinigt. Eine derartige Kombination aber ist durchaus unwirtschaftlich und widersinnig, falls es sich nicht etwa um die Benutzung der Umfassungsmauern zur Unterhaltung von Spalieren handelt, in welchem Falle vor diesen Mauern eine Rabatte angebracht wird. Während die hochstämmigen Obstbäume in den berasten Baumgarten, auf das freie Feld oder an die Hochstraße gehören, sollte der eigentliche Obstgarten mehr dem Obstbaum in seinen Kunstformen gewidmet sein, der Pyramide, der Palmette, dem Kandelaber, der Vase, dem Buschbaume, dem Spalier, dem Contrespalier, dem Vertikal⸗ und Horizontalkordon etc. (gl. Obstbaum zucht.) Gemüsegärten stellen, wie sie gegenwärtig sind, meistens ein unerquickliches Durcheinander von Gemüse und Blumen, Beerensträuchern und Obstbäumen dar. Aber es kann nicht eindringlich genug gesagt werden, daß in einem G. solcher Art weder die eine noch die andere Kultur Vergnügen und erheblichen Nutzen gewährt, da ihre Ansprüche an Pflege sehr verschiedener Art sind. Gemüse, Blumen, Obstbäume fur sich! Ist der Gemüsegarten mit Bäumen bepflanzt, so schadet ihr Schatten dem Gemüse, welches unter dem Einflusse desselben sich ungenügend entwickelt und auch qualitativ minderwertig bleibt, während andererseits die den Gemüsepflanzen unentbehrliche häufige und reichliche Bewässerung die Obstbäume auf Kosten ihrer Tragbarteit zu allzu üppigem Wachstum anregt und leicht Wurzelfäulnis erzeugt. Ein wohleingerichteter und einträglicher Gemüsegarten sollte stets in vier Schläge geteilt sein, von denen der erste nach einer sehr starken Düngung die wegen ihrer vorwiegenden Blattentwickelung stark zehrenden Kohlgewächse, den Porrée u. s. w., aufnimmt; der zweite die Wurzelgewächse, wie Carotten, Zwiebeln, Herbstrüben, Scorzonere, Haferwurzel u. s. w., welche war einen humusreichen Boden erfordern, frischen Dünger dagegen nicht vertragen; der dritte unter Zuführung von Asche die Hülsengewächse, welche am besten in ganz düngerfreiem Erdreich gedeihen; der vierte aber zur Anlage von Warm⸗ und Kaltbeeten, zur Samenzucht, zur Anzucht von Blumen und für Saat⸗ und Piquierbeete bestimmt ist. Im zweiten Jahre nimmt der erste Schlag die Wurzelgewächse, im dritten die Hülsengewächse, im vierten die Warmbeete für die Gemüsetreiberei, die Kaltbeete zur Anzucht frühen Satzgutes u. s. w. auf. Diese Wechselwirtschaft ist die Basis immer gleicher Fruchtbarkeit. Obstbäume dürfen, wie bereits bemerkt, nur in Spalierform auf eine die Umfassungsmauern begleitende Rabatte gepflanzt werden. Diese vier Schläge sind durch zwei sich kreuzende Hauptwege getrennt, welche breit genug sind, Dünger herbeizuschaffen, die gewonnenen Produkte auf Handkarren wegzufahren u. s. w. Bei der Anlage eines Gemüsegartens muß auf möglichst tiefe Bodenlockerung (Rigolen) Bedacht genommen werden. Die unentbehrlichsten Requisiten aber zur Unterhaltung eines solchen sind reichliches Wasser und ebenso reichlicher Dünger, vorzugsweise Stalldünger, welcher vermöge seiner strohigen Bestandteile gleichzeitig den Boden der Luft durchdringbar erhält. Zum Begießen der Gemüsepflanzen eignet sich wegen seiner Reinheit und wegen der ihm mechanisch beigemengten Luft am besten Regenwasser. Auf die Aufsammlung möglichst großer Mengen desselben sollte daher jeder Gemüsegärtner Bedacht nehmen. Wird der G. von einem sanft dahinfließenden Bache durchzogen oder hat er eine Quelle, so ist dies ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Quellwasser ist in der Regel kalt und sollte deshalb in bequem gelegene, etwas flache Bassins geleitet werden, damit es sich vor seiner Anwendung genügend erwärme. runnenwasser kann zwar ebenfalls zum Begießen genommen werden, doch muß es durch eine kräftig wirkende Handpumpe leicht und in ausreichender Menge gehoben werden können; wie das auen, u muß es in geeigneten Behältern Zeit haben, sich zu erwärmen. Bei anhaltender Wärme und Trockenheit ist es besser, ein Quartier durchdringend zu begießen und die andern ein oder zwei Tage dursten zu lassen, als auf einmal alle Quartiere in unzureichender Weise zu begießen. Das beste Mittel, dem Boden für längere Zeit Feuchtigkeit zu sichern, ist wiederholtes Behacken. Außer dem Stallmist, welcher mit Recht fast ausschließlich für den Gemüsegarten in Anwendung kommt, ist die Stalljauche ein sehr kräftig wirkendes Mittel zur Förderung des Wachstums der Gemüse. Blumengärten werden gewöhnlich in der Umgebung der Wohnhäuser angelegt. In ihnen ist, wie im Gemüsegarten, von aller und jeder Nutzung abzusehen, denn in ihnen soll allein das Schöne der Pflanzenwelt zur Darstellung, feiner Geschmack und Eleganz zum Ausdruck gelangen, und vor allem sollen sie zum behaglichen Lebensgenusse beitragen. Diesen Gesichtspunkten muß die Gestaltung des G. im ganzen wie in den Details untergeordnet sein. Bequeme, stets sauber erhaltene und trockene Wege, lebendes Wasser, wenn es sein kann, ein verhältnismäßig großer, von geeigneten Pflanzen eingefaßter Wasserspiegel oder wenigstens eine Fontäne oder ein eleganter Laufbrunnen, ein sorgfältig gepflegter Gartenrasen mit einigen hübschen Blumen- oder imposanten Blattpflanzengruppen, an den schönsten Punkten eine e oder sonst ein schattiger Ruhesitz vor Duftbeeten, im übrigen die Blumen, in ihrem Hauptbestande perennierende, zur Herstellung ganzer großer Farbenflächen auch annuelle, wie Astern, Flammenblumen (Phlox) und andere, auf besondern Beeten oder in sonstiger beliebiger, aber geschmackvoller Anordnung, Rosen in Busch⸗ oder Stammform als Begleiterinnen der Wege oder in angemessener Gruppierung, andere Blütensträucher, wie Flieder, Geißblatt, Deutzien, Weigelien, Rotdorn, Päonien, Schneeball, Spierstrauch u. a. an geeigneten Stellen, der Abwechselung wegen auch wohl ein schöner oder interessanter Baum, z. B. eine Conifere, wie Abies Nordmanniana, Wellingtonia gigantea, Thuyas u. a. Hier ist dem Geschmacke und der Freude an Farben, Formen und Duft ein weiter Spielraum gegeben. In manchen Blumengärten befindet sich in der Nähe des Wohnhauses auch wohl ein sog. Frühlingsgärtchen, in welchem frühblühende Zwiebelgewächse, wie Crocus, Hyazinthen, Tulpen, das Auge der Bewohner ergötzen. überhaupt ist es vorteilhaft, sich bei der Bepflanzung eines solchen G. so einzurichten, daß man Blumen zu jeder Jahreszeit hat, zu Ausgang des Winters (z. B. Helleborus niger, die Weihnachtsrose), im zeitigen und im Spätfrühling, im Sommer und im Herbst, zu welcher letztgedachten Jahreszeit unter andern die perennierenden Astern sehr willkommen sind. Sparsam zugemessene Mittel und ein beschränktes Areal werden den Besitzer veranlassen, sich bescheiden einzurichten und sich auf wenige Beete mit Lieblingsblumen, wie Levkojen, Astern, Rosen, Reseda u. s. w. zu beschränken. Vgl. Vilmorins „Illustrierte Blumengärtnerein (2. Aufl., neu bearbeitet von Th. Rümpler, mit 1416 in den Text gedruckten Holzschnitten, Berl. 1883). Englische Gärten oder Parks haben die Aufgabe, in landschaftlich unbedeutender Gegend das Naturschöne darzustellen, müssen sich deshalb der Natur anschließen, aber auch mit den baulichen Umgebungen in harmonischer übereinstimmung stehen. Wer einen Park anlegen will, muß ästhetisch vollkommen durchgebildet sein und eingehende Naturstudien in Beziehung auf die Bewegung des Bodens, die Wirkung des Wassers in seinen verschiedenen Formen, auf die Harmonie und den Kontrast der Farben und Formen, auf Fernwirkung und Perspektive u. s. w. gemacht, aber auch gelernt haben, seine schöpferischen Gedanken einfach, klar und reich, doch maßvoll darzustellen. Der Park ist nach dem Fürsten Pückler-Muskau idealisierte Natur, der G. dagegen die ins Freie ausgedehnte Wohnung. Während der letztere also seinem Besitzer ein Daheim im Freien bieten soll und wegen seines beschränkten Raums nur mit dem ausgestattet sein kann, was an sich gefällt und zur Erhöhung der Mannigfaltigkeit dient, wie Lauben, Ruhesitze, Kletterpflanzen, Teppichbeete, Vasen, Kunstbrunnen u. s. w., soll der Park seinem Besitzer und andern für eine von der Natur vernachlässigte Landschaft Ersatz bieten. Nur mit reichen Mitteln können große Parkgärten geschaffen werden. (Vgl. auch Park.) Handelsgärten haben wesentlich den Zweck, Ziergewächse für den Handel massenhaft zu vermehren, und zwar, soweit sie das Klima vertragen, im freien Lande, sonst aber in eigens hierfür eingerichteten Häusern (Vermehrungshäusern). Der Handelsgärtner darf sich hierbei nicht dem Risiko aussetzen, mit großen Kosten allen, in Masse zu erziehen, welche ihm selbst gefallen, sondern muß vielmehr die besondere Liebhaberei des großen Publikums kennen zu lernen suchen, um des Absatzes reicher Pflanzenvorräte sicher zu sein. Populär gewordene Pflanzen, welche von Hoch und Niedrig, von Reich und Arm geschätzt werden, können, ansehnliche Vorräte vorausgesetzt, selbst bei niedrigem Preise bedeutenden Gewinn abwerfen, wie z. B. in Paris den ganzen Winter hindurch enorme Summen für die bescheidenen Veilchenbouquets ausgegeben werden. Zu einer sehr lukrativen Branche der Handelsgärtnerei hat sich, namentlich in großen Städten, die Bouquetbinderei und die Anzucht der hierzu nötigen Blumen, Gräser, Grünpflanzen u. s. w. emporgeschwungen. (S. Blumenhandel und Bouquet.) Viel Ehre, wenn auch meist wenig Gewinn, bringt oft derjenige Zweig der Handelsgärtnerei, welcher sich mit der Einfsührung neuer oder seltener Gewächse aus der tropischen oder subtropischen Ferne und mit der Vermehrung derselben beschäftigt; aber es gehören ein weitverbreiteter guter Ruf, weitreichende Verbindungen und ein gewisses Talent in der Darstellung der guten Eigenschaften empfohlener Pflanzen dazu, um des Absatzes von Novitäten sicher zu sein. Und dennoch und trotz aller Anstrengungen muß der Besitzer einer solchen Handelsgärtnerei oft von einer neu eingeführten Pflanze sagen: Sie geht nicht! Die bedeutendsten Handelsgärtnereien solcher Art sind gegenwärtig die von Veitch in Exeter, von William Bull in Chelsea (London) und von Linden in Brüssel. Zur Handelsgärtnerei gehört auch die Anzucht und der Vertrieb von Samen aller Art für den Gemüse⸗ und den Blumengarten. Unter den vielen Tausenden von Artikeln, welche alljährlich in besondern, oft ziemlich umfangreichen Verzeichnissen angeboten werden, gibt es nicht wenige, welche in weiter Ferne gewonnen wurden und oft durch viele Hände gehen, ehe sie in den Verzeichnissen eine Stelle finden. (Vgl. auch Samenhandel.)