FeedGasbeleuchtung
TechnikBau-Lexikon 1881

Gasbeleuchtung, k., frz. Eclairage m. au gaz, engl. gas-lighting. Schon 1680 schied Becher in England mit leuchtender Flamme brennendes Gas aus Steinkohlen ab. Erst 1786 versuchte Dundonald sein Landhaus mit solchem Gas zu beleuchten. Der Oesterreicher Wingler brachte in London 1810 die erste Gasbeleuchtungs-Aktiengesellschaft zusammen. Durchschnittlich geben 100Kg. Steinkohle neben 60 Kg. Kohts, 5 kg. Theer, 15 kg. Ammoniakwasser mit 1 Eg. Ammoniak nur 20 kg. Gas. — Aus dem Gasometer, s. d. Art. Gasbereitung, strömt das Gas durch Hauptröhren u. Zweigröhren seiner Bestimmung zu. Für diese Röhren verwendet man am liebsten gewalztes, sehr häusig Gußeisen, für die Privatröhren Eisen, Blei, Gummischläuche etc. Näher auf das, täglich neuen Erfindungenu. Verbesserungen unterworfene Gebiet der Gasbeleuchtung eingehen, hieße die Grenzen dieses Buches überschreiten. Nur folgende Winke seien gegeben: 1. die Leitröhren sind vor Frost möglichst zu schützen. — 2. Der Gasmesser liege an einem vor Zug geschützten Ort. — 3. Belastung halten die Röhren SIIoTHEK nicht aus; 4. die Gusbrenner, frz. becn gaz,engl.gasburner, betr., s. zunächstd Art. Bronner. Zur Ergänzung diene noch Folgendes: der Regenerativbrenner von Fr. Siemens u. Co. in Dresden strebt nach höchstmöglicher Ausnutzung derHitze der Verbrennungsprodukte u. vollständiger Abführung der im Regenerator ausgekühlten, verbranntenGase; Fig. 1824 zeigt den Durchschnitt, Fig. 1825 die Aufsicht, Fig. 1826 den Grundriß bei 1 1 u. Fig. 1827 den Grundriß bei 22 in Fig. 1824. Die Luft strömt durch die Schlitze à a ein, nimmt den mit » bezeichneten Weg durch die äußeren Regeneratorkammern d, um außerhalb des Porzellancylinders mit dem aus den Röhren rtretenden Gas zu verbrennen. Die Verbrennungsprodukte entweichen zum Theil durch den Porzellancylinder 2 und den inneren Regenerator s abwärts durch den Stutzen d in das Abführungsrohr, welches, wie die Ansicht des Brenners Fig. 1828 zeigt, außen um denselben herum zum Essenrohr führt, das oberhalb des Porzellancylinders 2 aufgestellt ist; ein anderer Theil der Verbrennungsprodukte entweicht direkt aufwärts in das Essenrohr, letzteres direkt erwärmend, während der durch den Regenerator s abwärts ziehende Theil zur Vorwärmung der Luft u. des Gases dient. Da das Essenrohr beliebig in das Freie oder in eine Hausesse od. Ventilationsschacht geleitet werden kann, so entweichen alle Verbrennungsprodukte der Flamme und stets neue Luft wird aus den Räumen entnommen. Für Brenner mit besonders großen Effekten von 500 Lichtstärken und darüber tritt insofern eine Veränderung in der Konstruktion ein, als das seitliche Abzugsrohr g zur Esse ganz fortfällt, und anstatt dessen central durch den Essenhals s ein besonderes Rohr aus Eisen oder Porzellan zur Esse geführt wird. Der in Fig. 1824 u. 1828 gezeichnete Glaseylinder gkann in geschlossenen Räumen, Laternen etc. weggelassen werden. Der Gasverbrauch stellt sich wie folgt: IV 200—250 35—45 In neuester Zeit konstruirt Siemens auch Flachbrenner, wobei er die Röhrchener neben einander reiht und je nach ihrer Zahl auch die Breiten der Regenerativquerschnitte einrichtet. Der kleinste Flachbrenner dieser Art zählt' 8 Gasröhrchen und giebt folgende Resultate: Konsum: 120 J. Lichtstärke: 20 Normalkerzen. Verbrauch pro Stunde und Kerze: 6 7. Größere Brenner dieser Gattung konsumiren entsprechend mehr Gas, gewähren dann aber, wie bei den anderen Gattungen, einen verhältnismäßig günstigeren Lichteffekt. Die Flachbrenner eignen sich vorzugsweise zu Wandlichtern u. namentlich in allen Fällen, wo Licht vorzugsweise nach einer Richtung geworfen werden soll, also zur Schaufenster- und Rampenbeleuchtung. Für Regenerativbrenner genügt das gewöhnliche Leuchtgas unter allen Umständen, es ist also nicht nöthig, zur besseren Verwendung des Gases Zusätze zu machen von Carbongas, Naphthalin, Albocarbon od. wie immer diese in neuerer Zeit so viel beliebten Lichterhöhungsstoffe alle heißen, welche, wenn auch nicht alle gefährlich, immerhin umständliche Behandlung erfordern. Man kann jedoch durch entsprechende Zusätze ähnlicher geeigneter Stoffe den Gasverbrauch entsprechend reduziren oder den Lichteffekt erhöhen, indem die Regenerativbrenner besonders geeignet erscheinen, sogar schwer verdampfende Oele, wie Solaröl, Petroleum, Paraffin, auf einfache Weise zur Carsiothek Heidelberg COFC bonisirung des Gases zu verwenden. Auch Oelgas ist in den meisten Fällen sehr wohl zu verwenden, nur muß der Gasregulator, mit welchem jeder Brenner versehen ist, dem Konsum entsprechend umgewechselt werden. Für sehr schweres Gas bedarf der Brenner einer geringfügigen Veränderung der Gasausströmungsöffnungen und der Luftvertheilungskämme, um dieselben günstigen Resultate zu gewähren. Bezüglich der Konzentrirung des Lichtes empfehlen sich namentlich die von Siemens u. Co. und von Berger (letztere mit Beinglasreflektor) konstruirten Sonnenbrenner, welche die Eigenschaft haben, ein großes Lokal von einer Lichtquelle aus gleichmäßig u. schattenlos zu beleuchten; ebenso die von Siemens u. Co. konstruirten schattenlosen Laternen. Obgleich der Lichteffekt bei freier Ausstrahlung nach allen Richtungen bekanntlich mit den Quadraten der Entfernung von der Lichtquelle abnimmt und daher möglichst große Vertheilung der Lichtquellen empfehlenswerth erscheint, so kann man dennoch das Licht auf beliebige Entfernung fortleiten, sobald man geeignete Reflektoren dazu verwendet. Der Sonnenbrenner wird möglichst hoch, also oben unter der Decke in der Mitte des Säles oder Raumes, angebracht, mit einem geeigneten Reflektor versehen, so daß er entweder das ganze Licht auf den Boden des Raumes vertheiltod. auch nach Erfordernis einen Theil des Lichtes zur Beleuchtung der Decke u. der Seiten des Raumes mit verwendet. Da nun die nach der alten Methode zum Sonnenbrenner erforderlichen 20 bis 100 u. mehr Gasschnitt⸗ od. Argandbrenner durch einen Regenerativgasbrenner ersetzt werden, der höchstens / so viel Gas verbraucht, so erzielt man Ersparnis an Gaskonsum wie Einrichtungskosten und Bedienung, woneben auch die Verbrennungsprodukte so vieler heißer Flammen, deren Abführung bisher nur in wenigen Lokalen zu ermöglichen war, verhältnismäßig kühl abströmen und bereits im Apparat gesammelt durch ein einfaches Blechrohr ins Freie oder in eine Hausesse geleitet werden, ohne bauliche Veränderungen nöthig zu machen, so daß die Sonnenbrenner sich für effektvolle Beleuchtungen von größeren Lokalen zu Unterhaltungszwecken, von Arbeits⸗ u.größeren Geschäftsräumen aller Art, ferner ganz bes.für Fabriken u. zu Eisenbahnzwecken empfehlen. Für Straßenbeleuchtung liefert Siemens schattenlose Laternen Nr. 1, 2u. 3, für Eingänge feiner Häuser, Hotels od. Geschäftslokale elegante Wandlaternen, für größere Plätze Laternen mit Brenner 0, 00, 000. Gasbrenner sollten immer seitlich ner. Zu Art. Gasbeleuchtung. wenigstens 40 cm., nach oben mindestens 80 œm. von allem Holzwerk und anderen leicht brennenden Stoffen entfernt sein; 5. etwaige Laternen dürfen nie ganz geschlossen sein; 6. alle zu Wanddekorationen etc. verwendeten Farben werden, mit Gas beleuchtet, grauer, fahl, weißlicher erscheinen als bei Tageslicht; man muß sie daher alle bedeutend wärmer halten, wenn sie bei Gaslicht gut wirken sollen; 7. Versilberung leidet sehr durch schlecht gereinigtes Gas. Man wende daher lieber Aluminium statt des Silbers an.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 401Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Technik 6