Gasflamme mit 5 engl. Kubikfuß oder 142 1 stündlichem Gaskonsum 12—15 Kerzenflammen entspricht, deren jede 45 — 50 mm Flammenhöhe hat, bezeichnet für Deutschland so ziemlich die übliche Leuchtkraft. Bezüglich der Reinheit muß verlangt werden, daß das Gas von Schwefelwasserstoff frei ist, also mit essigsaurem Bleioryd keine Reaktion gibt. Ein kleiner Gehalt an Kohlensäure, sowie eine Spur Ammoniak im Gase ist für die Konsumenten unschädlich. Als Druck ist ein solcher von 20 — 25 mm ümähige. B. in den Zuleitungsröhren für eine zweckmäßige Beleuchtung überall ausreichend. Als Vermittler zwischen dem Lieferanten und den Konsumenten, als Buchhalter, der dem Käufer die gewünschte Quantität Gas zumißt und berechnet, steht am Anfange einer jeden Privatgasleitung ein Gasmesser (auch Gasuhr genannt, s. Fig. 6 u. 7), ein sehr sinnreicher Apparat, der meist aus einer reichlich halb in Wasser liegenden, sich um eine horizontale Achse drehenden, mit Kammern versehenen Blechtrommel besteht, welche durch das durchströmende Gas so umgedreht wird, daß jede Umdrehung einem bestimmten Volumen entspricht, und welche dann die Umdrehungen durch ein Zählwerk derart registriert, daß man die durchgegangenen Gasmengen auf einem Zifferblatt ablesen kann. Es gibt auch sog. trockene Gasmesser, eine Anwendung von Blasebälgen, die sich abwechselnd füllen und leeren und bei denen das Gas mittels sinnreicher Schieberventile, ähnlich wie der Dampf bei der Dampfmaschine, ab⸗ und zugeführt wird; diese Gasmesser sind indes nicht so allgemein in Gebrauch wie die obenerwähnten sog. nassen. Vom Gasmesser aus führt der Privatkonsument sein Gas durch Röhrenleitungen in die einzelnen zu beleuchtenden Lokalitäten seines Hauses; an die Röhrenleitungen schließen sich die Lampen an, und diese endigen wieder in sog. Brennern, aus welchen das Gas unmittelbar verbrannt wird. Haupterfordernisse für eine gute Beleuchtung sind eine zweckmäßige Verteilung und Disposition der Flammen, eine Röhrenleitung von ausreichender Weite und die Wahl zweckmäßiger Brenner. Die gewöhnlichsten sind die sog. offenen Brenner, Schnittbrenner und Lochbrenner, vorteil-Drenm für die Lichtentwickelung sind die Argandrenner (s. unter Argandsche Lampen), die statt der flachen eine ringförmige, röhrenartige Flamme mit äußerer und innerer Luftzuführung Latt und zur Regulierung des hinzutretenden uftstroms mit einem cylindrischen Zugglase umgeben sind. Das Zugglas befördert die Strömung der Luft bei der Flamme, wie der Schornstein beim Ofen, und verhindert zugleich, daß die Flamme durch eine zu große, an sie hinantretende tenge Luft über das unvermeidliche Maß abgekühlt wird. Argandbrenner werden in geschlossenen Räumen überall da angewandt, wo man eine vorteilhafte Lichtentwickelung haben will und wo die Luft ruhig genug ist, daß die Flammen nicht flattern und rußen. Man umgibt sie, wenn es sich um Beleuchtung der Räume selbst handelt, mit Kugeln von mattem Glas, oder wenn man dabei arbeiten will, mit Schirmen. In neuester Zeit, und namentlich veranlaßt durch das Auftreten des elektrischen Lichts, wendet man auch Intensivbrenner an, d. h. Brenner, welche große Flammen von hoher Lichtstärke geben. Ein solcher Regenerativbrenner von Siemens ist in Fig. 8 im Durchschnitt abgebildet. Die offenen Brenner brauchen einen Druck von höchstens 8 mm Wasserhöhe, gute Argandbrenner eweniger. Man reguliert den Druck entweder durch die Lampenhähne oder mittels eigener Regulatoren. Sparbrenner haben meist keinen Wert. Das Holzgas, eine Erfindung Pettenkofers in München, weicht sowohl in Bezug auf Erzeugung als Verwendung wenig vom Steinkohlengase ab. Die Gasentwickelung ist beim Holze eine raschere, eine Ladung ist gewöhnlich in 1½ Stunden abgetrieben; seines großen Kohlensäuregehalts wegen erfordert die Bön Schw des Holzgases viel Kalk, dagegen ist es von Schwefel vollkommen frei. Das gereinigte Holzgas hat seines bedeutenden Kohlenory chalts wegen ein höheres spezifisches Gewicht als das Steinkohlengas und braucht zu seiner zweckmäßigen Verbrennung weitere Brenneröffnungen als dieses. Seine Leuchtkraft ist derjenigen des gewöhnlichen Steinkohlengases etwa gleich; daß es keine wesentliche Verbreitung gefunden hat und an den meisten Orten, wo es eingeführt war, wieder aufgegeben worden ist, hat seinen Grund in den steigenden Preisen des Holzes. Vom Torfgas ist nahezu dasselbe zu sagen wie vom Holzgase, die einzigen zwei Städte in Holstein, die damit beleuchtet waren, sind längst auf Steinkohlengas übergegangen. Olgas ist schon 1815 durch Taylor hergestellt worden, aber seiner hohen Darstellungskosten halber nur selten und für kleine Verhältnisse zur Anwendung gekommen. Man läßt das Öl in einem entsprechenden Strahle in eine Retorte laufen, führt das sich entwickelnde Gas durch einen Kondensator und, da es keiner weitern Reinigung bedarf, sofort in den Gasbehälter. Die Leuchtkraft des Olgases ist drei⸗ bis viermal so hoch als die des gewöhnlichen Steinkohlengases. Statt des vegetabilischen und tierischen Oles hat man seit Jahren vielfach Petroleumrückstände und paraffinhaltigen Braunkohlenteer zur Gasbereitung eingeführt, Materialien, die zu verhältnismäßig billigen Preisen zu haben sind. Unter den dafür gebräuchlichen Apparaten ist derjenige von Hirzel der verbreitetste. Wo man statt der flüssigen Gle Fette in fester Form verwendet, braucht man diese nur auf passende Art flüssig zu machen und kann im ubrigen ganz so verfahren wie bei der Olgasbereitung. Hierher gehört die Verwendung der Fette, die im Seifenwasser der Tuchfabriken noch enthalten sind, und die Verwendung des Suinter, des Fettes aus den Abwassern der Spinnereien. Gerade so wie mit den Fetten, verfährt man mit dem amerik. Harz (Kolophonium u. s. w.), welches eine Zeit lang konkurrenzfähig erschien und in mehrern deutschen Fabriken wenigstens als Zusatzmaterial diente, bis es durch Boghead und Cannelkohle verdrängt wurde. Ein eigentümliches und interessantes Leuchtgas ist das sog. Wassergas, welches, durch Zersetzung von Wasser über glühenden Coks u. s. w. erhalten, im wesentlichen aus Wasserstoffgas und Kohlenoxydgas besteht und in der Weise verwendet wird, daß man in der Flamme desselben Platindraht zum Weißglühen bringt latingas), oder daß man es mit leuchtenden Kohlenwasserstoffdämpfen (Benzin, Photogen, Petroleum, Teeröldampf oder Steinkohlengas, Harz as u. s. w.) imprägniert, resp. vermischt. Das Wassergas wurde zuerst 1837 von Selligue in Paris dargestellt und erregte lange Zeit große Aufmerksamkeit, allein es bot keine ökonomischen Vorteile und ist deshalb auch bis jetzt nicht eigentlich in Aufnahme gekommen. Neuerdings haben die Amerikaner Lowe und Strong das Verfahren in etwas veränderter Form wieder aufgenommen. Während man früher den Wasserdampf in geschlossenen, von außen geheizter Retorten Hahuen geschieht dies beim Strong-Loweschen Verfahren in Schachtöfen. Die Zersetzung erfolgt nach wie vor — Kosten des Kohlenstoffs des Füllmaterials (Anthracit oder Coks), indem sich dieser mit dem Sauerstoff des Wassers verbindet und den Wasserstoff frei setzt. In Amerika existieren bereits eine größere Anzahl Wassergasanstalten, die entweder das Wassergas als solches nur für Heizungszwecke darstellen, oder es mit Petroleumdämpfen gemischt zur Beleuchtung liefern. In Europa sind Dwight (ein Miteigentümer des Strongschen Patents) und Quaglio bemüht, den Apparat zu vervollkommnen und einzuführen. Unter Carburiertem Gas versteht man ein ursprünglich wenig leuchtendes Gas, das in eigenen Apparaten über sehr leicht verdunstende flüssige Kohlenwasserstoffe (Benzin, Petroleumäther u. s. w.) geleitet und dadurch mehr oder weniger hellleuchtend gemacht ist. Man carburiert sogar die atmosphärische Luft auf diese Weise und stellt sog. Luftgas her. Tessieé du Motay versuchte, die sog. Sauerstoffbeleuchtung einzuführen, indem er Leuchtgas, statt in der akmosphärischen Luft, in einem Strome von unreinem Sauerstoff verbrannte. Die Beleuchtung war höchst glänzend, aber zu kompliziert und kostspielig, um praktischen Wert zu haben. Philipps in Köln änderte das Verfahren dahin ab, daß er statt des Gases ein sehr kohlenstoffreiches Ol (Cofung von Naphthalin in Petroleum) in einer Lampe (Carboxygenlampe) mit einem Strome von Sauerstoff verbrennt. Litteratur. Außer den Hand⸗ und Lehrbüchern der chem. Technologie von Bolley, Knapp und R. Wagner sind zu nennen: Schilling, (Handbuch für Steinkohlen-Gasbeleuchtunge (3. Aufl., Münch. 1877); Reissig, «Handbuch der Holz-und Torf-Gasbeleuchtungo (Münch. 1863); Ja 90. Die G. und die Darstellung des Leuchtgaseso (Lpz. 1862); Tieftrunk, „Die G.y (Stuttg. 1874); «Journal für G. und Wasserversor ung v 51 von Schilling und Bunte, Münch. 1858 fg.).