FeedGasfeuerung
TechnikBrockhaus 1882

Gasfeuerung (frz. 1ourneau à gaz, engl. gas surnace), s. unter Feuerungsanlagen, Bd. VI, S. 758 fg. Gasheizungsvorrichtungen dienen dazu, um die beim Verbrennen des Leuchtgases frei werdende Wärme zum Zwecke der Erhitzung beliebiger Gegenstände nutzbar zu machen. In chem. Laboratorien haben die G. alle andern Erhitzungsvorrichtungen: Spirituslampen, Berzeliuslampen, Kohlenöfen, längst vollständig verdrängt, wodurch nicht allein ein angenehmeres, sondern —7 reinlicheres Arbeiten ermöglicht ist, indem die Belästigun durch Kohlendunst, durch den Schmutz des Kohlenstaubes und die Asche nicht mehr hindernd wirkt. Aber auch im gewöhnlichen Leben, im Haushalt lassen sich G. mit größtem Vorteil verwenden, in der Küche, im Speisezimmer zum Warmhalten der Speisen, zum Erhitzen des Wassers u. s. w. Für älle diese Zwecke eignet sich am besten ein am einen Ende verschlossenes Rohr, welches, der Gestalt des zu erhitzenden Gefäßes entsprechend, in mehrern horizontalen Windungen gebogen und mit zahlreichen nach oben gerichteten Löchern im Abstande von 1 em durchbohrt ist und in einem Mantel von passender Form in einem Abstande von 10 em von dem Boden des zu erhitzenden Gefäßes befestigt ist, wobei der Mantel, der entweder aus einem einfachen Stück Schwarzblech bestehen oder auf künstlerische Weise verziert werden kann, zugleich als Träger der Schüssel, des Kessels, der Schale u. s. w. dient. Das aus dem Mantel hervorragende Ende des Rohrs ist durch einen Gummischlauch mit der Gasleitung in Verbindung zu setzen. Beim Entzünden brennt das Gas an allen Offnungen des Rohrs mit Flämmchen, deren Größe durch passende Stellung des Hahns vom fast unsichtbaren bis zu mehrern Centimeter Höhe beliebig zu regulieren ist, während der das Ganze umhüllende Mantel sie wirksamst vor dem Erlöschen durch Luftzug schützt. Der zwischen dem Gefäß und den Flammen verbleibende größere Abstand macht, wenn nur einige Sorgfalt auf die richtige Einstellung des Gashahns verwandt wird, jede Rußbildung unmöglich. Je nach der Größe der Flammen dient die Vorrichtung als Gaskocher oder zum Warmhalten von Speisen. Dieser einfache Apparat verdient nach langjähriger Erfahrung den Vorzug vor allen andern da, wo es sich um mäßige Erhitzungen handelt. Wo sehr hohe Temperaturen erzielt werden müs⸗ [sen, wie beim Glühen oder Schmelzen von Metallen oder sonstigen Gegenständen, ist der einfache Brenner oder eine Gruppe mehrerer solcher Brenner zu verwenden. Bei diesen wird die höchste Temperatur erzielt, indem das Gas vor der Verbrennung in passendem Verhältnis mit Luft gemischt wird und indem eventuell die Luft durch Gebläsevorrichtungen unter höherm Druck zugeiführt wird. Wendet man dabei statt der Luft reines Sauerstoffgas an, so hat die Flamme eine so hohe Temperatur, daß alle gewöhnlichen Materia⸗ „lien ihr nicht zu widerstehen vermögen, die schwerst schmelzbaren Thone, Porzellane werden darin verflüssigt; man bedient sich in der Technik der

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 572Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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