Gehrung, Gährung, Gierung, k., frz. biais, biaisement, onglet, m., engl. bevel quoin, mitre-quoin, span. sesgo, corte. Wenn ein Sims oder eine Gliederung um eine Ecke herumläuft (gehrt, eigentlich wohl sich um die Ecke kehrt, vergl. d. Art. Wiederkehr), so werden die Gliederungen der so entstehenden zwei Simsarme sich in einer Ebene treffen, welche, wenn der Sims horizontal läuft, sich senkrecht auf der Gehrlinie, frz. ligne de mitre, engl. mitre-line, d. h. der Halbirungslinie des in eine Horizontalebene projektirten Winkels der Grundflächen, an denen der Sims hinläuft, erhebt. Diese Ebene heißt die Gehre, die Giern, die Zusammenfügung beider Theile nach dieser Fläche die Gehrung; so sagt man, die Bekleidungen der Thür werden auf G. mit einander verbunden. Stoßen die beiden Richtungen, wie dies am häufigsten ist, unter 90 zusammen, so läuft die (dann rechtwinklige G. genannte) G. unter 45e. Bilden sie einen ausspringenden Winkel, so entsteht eine Gratgehrung, bei einspringendem Winkel eine Winkelgehrung; daher die Gestaltung der Gehrlade und des Gehrmäßes. Der Gehrungswinkel ist also bei rechtwinkliger Figur 456, bei Achtecken 67½„überhaupt gleich dem halben Winkel des betreffenden Körpergrundrisses.