Glasgalle aus. Nr. 5. Altes venetianisches Spiegelglas, hat auf dem Schnitt schwachrauhigen Schein, ohne grüne siothek Heidelberg DFC schwerer als die andern; Flintglas dient meist zu optischen Instrumenten, Krystallglas zuLuxusgegenständen. Straß, der sehr leicht schmelzbar u. völlig klar ist, dient, gefärbt, zu Nachahmung der Edelsteine. e) Nach dernachmaligen 1. Böhm. Bouteillenglas 59% — 2. Deutsches Kronenglas, 3. Franz. weiches Fensterlas gla 68,5 — 12/0 5. Altes venet. Spiegelglas 68,6 6/ 8,1 6. i 700 Franz. Spiegelglas 285 9,5 12j½ 10. Flintglas, franz. 42/½ 14½7 11. Straß, frannz. 38,1 205 II. Bereitung des Glases. Die mit einander gemischten Bestandtheile des G.es (der Einsatz, die Glasfritte, rz. kritte, engl. frit, batch) werden zuerst in dem Materie⸗, Fritt- oder Glühofen, frz. calquaise, arche f. à matières, engl. calcar, welcher einem gewöhnlichen Backofen ähnelt, mit Holz, Steinkohlen oder Torf gefeuert wird u. unmittelbar am Schmelzofen steht, unter öfterem Umrühren erhitzt, aber so, daß sie nicht in Fluß kommen. Nachher kommt die Fritte in den Glasofen, Schmelz-oder Werkofen, frz. kour de verrerie, engl. glass-oven. In diesem befinden sich glühende Glashäfen, frz. ereusét, m., pot, m., engl. glass-⸗ pot, pot (eine Art Tiegel aus feuerfestem Thon), welche jeder 10—12 Pfund Glasmasse aufnehmen können. Die Häfen werden mit der geläuterten Fritte (jetzt Metall, frz. verre affiné, engl. glass-metal, refined glass, genannt) gefüllt, in 12—24 Stunden ins Schmelzen gebracht u. der Glasschaum, die Glasgalle, frz. cendre de verre, fiel de verre, engl. glass-gall, sandiver) mit dem eisernen Schaumlöffel abgenommen, weil er sonst Blasen u. trübe Stellen im G. hervorbringt. Ist das Metall gehörig geläutert, so wird mit einem eisernen Rohr (Glaspfeife, frz. canne, felle, f., engl. blowing-iron), welches oben ein hölzernes Mundstück, unten einen hohlen Kopf hat, durch die vor den Häfen sich befindenden Arbeitslöcher etwas Glasmasse aus denselben genommen und ihr durch Aufblasen, Glasblasen, frz. souktler le verre, engl. blow glass, Schwenken od. auch durch Rollen auf einer kleinen Mauer od. Marmorplatte, frz. cachère (die auch zum Abschlagen der Flasche von der Pfeife etc. dient), eine beliebige hohle Form gegeben, welche durch Zangen, Scheren und Haken noch deutlicher ausgearbeitet wird. Zu massiven Sachen wird das G. in Formen, Glasformen, Glasgießformen, frz. presse à mouler, engl. glass-mould, gedrückt. Damit das fertige G. nicht zu spröde werde, kommt es nun noch in den dunkelroth glühenden Kühlofen, frz. Carquaise, fourneau de recuisson, engl. annealing-furnace, lier, coaling-arch, mit dem es zugleich erkaltet. Das zu Tafelglas bestimmte G.wird zu hohlen Walzen aufgeblasen, diese werden dann mittels eines Diamants der Länge nach geöffnet, dann in den geheizten Streckofen, frz. kourneau d'étendage, engl. spreading-oven, flattening furnace, gebracht u. auf dessen Boden gestreckt, d. i. zu Tafeln ausgebreitet. Der Herd ist völlig glatt und eben mit Metallplatten belegt. Durch diese, früher allgemein übliche Zubereitung des Tafelglases wurde die Oberfläche desselben immer mehr oder weniger beschädigt; dies wird vermieden, wenn die Cylinder in vertikaler Lage einfach durch die Wirkung des Feuers gestreckt werden, ohne daß sie auf Behandlung resp. der äußeren Erscheinung kann man noch unterscheiden: Rohglas (s. d.), ist meist auf Sand gegossenes; ungeschliffenes G.; Kathedralglas; geschliffenes G., frz. verre poli, engl. grint glass; mattirtes G.; siehe auch unter IV. Kalk. oxyd. Reiie⸗ erde. oxyd. oxyd. 16/½2 — — 274 — — 12,5 — — 7„4 — — — 53 irgend einer Substanz aufliegen, welche ihre Oberfläche affiziren könnte. Dadurch behalten sie ihre natürliche glänzende Politur. Der Cylinder wird zu diesem Behuf in einen Ofen geschoben, worin er allmählich erwärmt wird, dann mit Hülfe geeigneter Zangen gefaßt und quer über den Ofen nach einem auf einem Schienenweg laufenden Wagen geschafft, auf dem er sich vermöge der Ofenhitze zum Theil von selbst entfaltet. Darauf wird er in einen Flammenofen geschoben und durch die Hitze desselben vollkommen gestreckt, mit Hülfe des Streckers, eines Eisenstabes mit einem am Ende befestigten Stück Holz, womit die Tafel ausgeglättet wird. Ist dieses geschehen, so macht man das G. von den Zangen los und läßt es in einem Kühlofen auf gewöhnliche Weise abkühlen. Um dem weißen G. verschiedene Farben mitzutheilen, giebt man ihm beim Zus ammenschmelzen verschiedene Zusätze von Metalloxyden od. auch von anderen Materialien, und zwar nach folgenden Verhältnissen: Man nimmt zu Bereitung von a) Milchglas 100 Gewichtstheile weißen Sand, 44 Th. weiße Potasche, 35 Th. gebrannte Knochen, 4 Th. gelöschten Kalk, 50 Th. pulverisirtes weißes Glas, 6 Th. Kochsalz, 100 Th. Bleioxyd, 14 Th. arsenige Säure oder 100 Th. weißen Sand, 50 Th. gebrannte Potasche, 18 Th. Kalk u. 60 Th. Zinnoxyd. b) Schillerndes G. (Opalglas). 100 Th. weißen Sand, 50 Th. Potasche, 16 Th. Kalk, 3—6 Th. Silberoxyd und 6 Th. phosphorsauren Kalk od. gebrannte Knochen. c) Schwarz. 100 Th. weißen Sand, 66 Th. Potasche, 8 Th. Kalk, 70 Th. weißes Glaspulver, 6 Th. arsenige Säure, 10 Th. Kobaltoxyd, 10 Th. Manganüberoxyd und 10 Th. essigsaures Eisen. d) Violett. 100 Th. weißen Sand, 48 Th. Potasche, 7½ Th. Kalk, 4—10 Th. Manganoxyd. e) Grün. Auf verschiedene Arten, z. B. 100 Th. Sand, 50 Th. Potasche, 8 Th. Kalk und 2 Th. grünes Chromoxyd oder statt des letzteren 4 Th. gelbes Antimonoxyd u. 2 Th. Kobaltoxyd oder auch Kupferoxyd. k) Blau. 100 Th. weißen Sand, 50 Th. Kali, 6 Th. Kalk, 1 Th. Kobaltoxydul. g) Gelb. 10 Th. Sand, 4 Th. Kali, 1 Th. Kalk u. 1 Th. Antimonoxyd od. auch Chlorsilber. h) Roth. 100 Th. Sand,‚ 60 Th. Mennige, 30 Th. Aetzkali, 5 Th. salpetersaures Kali, 12 Th. Goldpurpur, 6 Th Manganüberoxyd, 6 Th. Schwefelantimon; ein anderes Roth erhält man durch Zusatz von Kupferoxydru. Im weiteren müssen wir auf die betr. Spezialliteratur verweisen. Weißes G., mit einer schwachen farbigen Schichtüberzogen, nenntman Ueberfangglas; s. oben sub I. b. Man kann sehr hübsche Nuancen und Muster herstellen, wenn man die Ueberfangschicht theils halb, theils ganz durchschleift. III. Glas im Handel, Das gewöhnliche G. wurde vor Einführung des Metermäßes meist bundweise verkauft, doch so, daß die Größe der Tafeln die Anzahl, welche auf das Bund (auch Schoß, Schock genannt) gehen, bestimmte, und so galt eine einzige Glastafel von 41 Zoll Länge und 26 Zoll Breite ein Bund. Nach der Zahl der Scheiben, welche auf ein Bund gingen, hießen die Scheiben Einer, Sechser, Vierzehner etc.; der Preis der Bunde war gleich. In Oesterreich u. später auch am Rhein u. in Belgien benannte man die Sorten nach den addirten Zollen, d. h. nach der Summe von zwei Seitenlängen; demnach würde eine Tafel von 10 und 12 Zoll zu derselben Nr. gehört, wie eine von 13 und 9 Zoll, und auch denselben Preis gehabt haben, obgleich die eine 10412⸗ 120, die andere 1349117 ◻Zoll maß; von Nr. 14—17 gingen 24 Blatt auf 1 Kiste, von Nr. 18—20 180 Tafeln, von Nr. 21—30 aber 120 Tafeln, von Nr. 31 -36 blos 90 Taseln, von allen höheren Nummern bis zu 85 nur 60 Tafeln. Die 3. Sorte wurde nach Kisten, die 1. und 2. Sorte nach Bund à 6 Tafeln berechnet. In Preußen wurde z. B. in der letzten Zeit weißes u. halbweißes G. meist in Bunden zu 1 Tafel von 36—40 Zoll Höhe, 27—28 Zoll Breite, bis 24 Tafeln von 13 Zoll Höhe und 12 Zoll Breite verkauft. Das grüne G., welches durch die Wirkung des Lichtes nach und nach ausblüht, besonders unter dem Einfluß der Sonne, wurde kistenweise verkauft, weshalb es auch Kistenglas genannt ward. Eine Kiste enthielt 120 Tafeln, jede zu 22 Zoll Höhe u. 20 Zoll Breite, welche in 20 Gebindeschoffen, jedes zu 6 Tafeln, gerechnet wurden; anderwärts faßte die Kiste 20 Bund 2 20 Scheiben. Seit Einführung des Metermäßes ist die Berechnung noch nicht durchgängig, aber doch an einzelnen Stellen etwas rationeller geworden. Das Spiegelglas wird nach dem qm. berechnet und nach Stärke, 6, 13, 19, 25 mm. stark, sortirt. Das rheinische weiße Tafelglas wird zwar auch noch nach addirter Länge und Breite, in Centimeter gemessen, sortirt, aber nach qm. berechnet; die Sorten sind: 140 em., von 141-170, von 171—200, von 201 -220 und von 221 -240. Das halbweiße und das gemusterte wird einfach nach qm. bezahlt. An vielen Orten Deutschlands wird aber immer noch in der alten Weise gerechnet. IV. Regeln bei Verarbeitung und Behandlung des Glases. Wir geben hier eine Reihe von Vorschriften, die sich in der Praxis bewährt haben, ohne systematische Ordnung. — 1. Um Glasscheiben vor dem Erblinden zu schützen oder erblindete wieder blankzu machen, erhitzt man 12 g. Flußspat, 15 g. Schwefelsäure von 600, 12 g. Wasser in einer bleiernen Retorte, die dadurch nur zum dritten Theil gefüllt wird, mit Vorsicht, nach u. nach den Hals unter das Wasser eines vorgelegten Gefäßes leitend (1J. Wasser auf 12 g. Flußspat); auf die Oberfläche des Wassers wird ein wenig Terpentin gegossen. Nach ungefähr zwei Stunden wäscht man die betreffende Scheibe mit diesem Wasser, dann noch mit reinem Wasser nach und läßt sie trocknen. Dieses Verfahren ist selbst bei gefaßten Spiegeln anwendbar, ohne daß der Rahmen leidet. — 2. Um auf Glas mit Oelfarben malen zu können, schmilzt man in einem eisernen Gefäß weißes helles Harz, läßt es ein wenig verkühlen und setzt so viel Terpentinöl zu, bis es im flüssigen Zustand verbleibt. Die Mischung verwendet man mit Farben, die in Oel angerieben sind. — 3. Um Glas zu ätzen, wählt man am besten gemeines Kronglas. Dasselbe erwärmt man über einer Spirituslampe und reibt es mit gewöhnlichem Bienenwachs gleichmäßig ein. Hierauf verfährt man, wie in dem Art. Flußsäure angegeben. Es giebt neuerdings noch andere Methoden, die aber bis jetzt noch geheim gehalten werden. — 4. Das Schleifen des Glases geschieht auf einer kleinen Mühle oder auf dem Schleifstein mittels gepulverten und mit Wasser angefeuchteten Schmirgels; damit sich das Matte und Rauhe verliere, werden die geschliffenen Stellen auch noch polirt. — 5. Zum Mattschleifen ganzer Glasscheiben bedient man sich im einzelnen gewöhnlich ganz feinen Sandes oder Glaspulvers: das ältere Verfahren besteht einfach darin, daß dieses Pulver auf die zu mattirende Scheibe aufgestreut und mittels eines Reibers darauf herumgerieben wurde. Hier hing die Gleichmäßigkeit der Mattirung natürlich sehr von der Geschicklichkeit und Aufmerksamkeit des Arbeiters ab; auch gab es viel Bruch. Neuerdings mattirt man daher nur noch selten auf diese Weise, sondern meist entweder durch Aetzung (s. unter 3), oder dadurch, daß man Sand mittels eines Gebläses gegen die Glasfläche anschleudert. — 6. Um mattgeschliffenes Glas durch Anstrich nachzuahmen, reibe man Bleiweiß in einer Mischung von 5/½ Firniß und ¾J Terpentinöl, und setze der Mischung als Trockenmittel gebrannten weißen Vitriol und Bleizucker zu. Die Farbe muß äußerst dünn angemacht und auf die Glastafeln mit einem breiten Anstreichpinsel so gleichmäßig als möglich aufgetragen werden. Das Auftupfen der Farbe ist zwar leichter u. bequemer, liefert jedoch wohl eine ebenso gleichmäßige, aber nicht so zarte Fläche. Wenn die Fenster eines frischen Anstrichs bedürfen, beseitige man den alten Anstrich erst durch Anwendung einer starken Lauge, oder man tupfe ein Gemisch aus 2 g. Salzsäure, 2 g. Vitriol, 1 g. schwefelsaurem Kupfer und 1 g. Gummi arabicum mit einem Pinsel auf. — 7. Um Glas zu versilbern vermischt man 15½ Gewichtstheile salpetersaures Silber mit 9⅛½ Gewichtstheilen Salmiakgeist, setzt dann 77 Gewichtstheile Wasser zu, vermischt die Lösung mit einer Lösung von 1¾ Gewichtstheilen Weinsteinsäure in 6¾ Gewichtstheilen Wasser, gießt von dem sich dabei bildenden Bodensatz die Flüssigkeit ab und vermischt sie mit 8 Gewichtstheilen Wasser. Man übergießt die wohlgereinigten Glasplatten mit dieser Flüssigkeit und erwärmt sie bis zu 60 CO., wobei sich auf den Tafeln eine fest anhängende, vollkommen gleichmäßige Silberschicht niederschlägt. — 8. Um Glas zu vergolden. Man schlägt das in Königswasser aufgelöste Gold durch Eisenvitriol nieder, wäscht den Niederschlag mit Wasser aus, trägt ihn, mit Firniß abgerieben, mit dem Pinsel auf, brennt dann das Gold nach dem Trocknen im Kühlofen ein und polirt es, oder man bemalt das G. mit einer gesättigten Auflösung des Goldes in Königswasser u. brennt solches dann ein, wobei die Säure entweicht u. das Gold metallisch zurückbleibt.