FeedGrundwasser
NaturlehreBau-Lexikon 1881

Grundwasser, n., 1. frz. eau f. souterraine, engl. underground-water, Wasseransammlungen unter der Erdoberfläche, resp. unter derjenigen Erdschicht, welche als Vegetationskrume zu Ernährung der Kulturpflanzen dient. Das G. kann entweder aus Flüssen u. Seen durch unterirdische Wasseradern in den Untergrund zugeführt sein, od. es ist Folge starker atmosphärischer Niederfchläge. In allen Fällen sammelt es sich auf undurchlassenden Schichten an, wie Thon, Letten, Fels etc. Das Zurücktreten des G.s ist gewöhnlich (doch nicht immer) eine Folge der Wasserarmuth von Flüssen od. fortgesetzter Trockenheit. Wenn der Wasserspiegel eines Flusses od. Stromes durch Regulirung desselben gesenkt wird, so wird auch das G. eines Tha les eine tiefere Lage annehmen und in einzelnen Fällen der Obergrund oder die Vegetationskrume kulturfähiger. Sobald das G. bis nahe an letzterer steht, wird der Kulturboden ertragsloser; bei Feldern wendet man sodann die Drainage (s. d.) an, bei Wiesen ebenfalls, oder Entwässerungsgräben etc. v. W.] — Dieses G., welches bei den meisten Bodenarten der Erdkruste ein Biertheil bis ein Drittheil des Raumes unter unseren Füßen einnimmt, kann begreiflich trübes, verdorbenes, gesundheitsschädliches, oder klares, gutes, reines Trinkwassser sein, je nachdem die benachbarten Bodenschichten durch Fäulnisstoffe, Dejektionen, Kirchhöfe etc. verunreinigt sind oder nicht. G. kommt als Quell⸗ oder Brunnenwasser zu Tage, od. flutet bliotnek Heidelberg DFC als ungeheures unterirdisches Meer; die Flutrichtung wird durch Hebung u. Senkung der erwähnten undurchlässigen Schichten bestimmt und ist meistens eine andere als die Richtung der Flüsse, oder als die in Berg und Thal uns sichtbare Terrainbewegung der äußeren Erdoberfläche erwarten läßt. Das Steigen u. Fallen des G.s wird durch größeren oder geringeren Zu⸗ und Abfluß, meistens unabhängig von der Regenmenge, bewirkt. Bei verunreinigtem Boden dringt mit dem Fallen des Ges eine von Bodengasen reichlicher durchsetzte Bodenluft in die Höhe und bewirkt bei den Bewohnern der Oberfläche Krankheiten, namentlich Ruhr und Typhus; je enger die Menschen zusammen wohnen, um so mächtiger erweist sich dieser Einfluß. Beim Steigen des G.s dagegen wird der unterirdische Sumpf der Erdkruste unter Wasser gesetzt, dadurch unschädlich gemacht, so daß dann die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle sich verringert. Senkgruben, Ausfüllung des Baugrundes mit Kehricht od. Schutt sind die häufigsten Ursachen der Verunreinigung des Bodens in Städten u. damit auch die Ursachen der Erkrankung am Typhus beim Fallen des G.s. Um die schädliche Bodenluft nach Möglichkeit abzuhalten, müßte in jedem Haus die Kellersohle für Luft undurchlässig sein (Betonschicht, und darüber eine Decke von Steinpflaster in Asphalt), sowie auch das Straßenpflaster (s.d.) vollkommen undurchlässig für Wasser und Luft ausgeführt werden. Klm.] — 2. (Bergb. ) frz. nappe d'eau, engl. underground water-Ievel, das einer Grube unterhalb des Stollns zudringende Wasser, welches daher nicht von selbst abläuft, sondern herausgehoben werden muß. 1. — 3. (Deichb.) Drängewasser, Wasser, welches durch den Grund der Deiche durchsickert; s. Deichbau.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 542Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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