FeedForgäch (spr. Forgätsch)
GeschichteBrockhaus 1882

Forgäch (spr. Forgätsch), ungar. Grafenfamilie, die in der Geschichte Ungarns eine namhafte Rolle spielt. Sie leitet ihren Ursprung von den deutschen Rittern Hunt-Päznän ab, die unter König Stephan dem Heiligen eingewandert sind. Den Namen führt die Familie nach dem Schlosse Forgäch (auch: Forgaes) in Siebenbürgen. Seit Anfang des 16. Jahrh. teilt sich die Familie in die ältere Linie Ghymes (Zweige: Ghymes und Gomba) und zu Gäcs (Zweige: Gacs und Szécseny). Den Freiherrentitel erhielt die Familie 6. März 1651, den Grafentitel 11. März 1675, und zwar erwarb beide Graf Adam F. (geb. 1601, gest. zu Ragendorf im wieselburger Komitat im J. 1681), ein ausgezeichneter Kriegsmann; berühmt ist seine Verteidigung von Neuhäusel gegen die Türken. Graf Anton F., ungar. Staatsmann, geb. 6. März 1819, trat nach Beendigung seiner Studien bereits 1838 in den Staatsdienst und sammelte sich auf dem richterlichen, polit. und finanziellen Gebiete vielseitige administrative Kenntnisse. Mit der ungar. Bewegung 1848 nicht einverstanden, schied er aus dem öffentlichen Dienst. Bevor jedoch die Waffen den Ausgang des Kampfes entschieden hatten, trat er wieder in den Staatsdienst ein und wurde unter den schwierigsten Umständen zunächst (1849) Distriktskommissar in Preßburg. Seit 1851 war er Distriktsobergespan für das gesamte Statthaltereigebiet von Kaschau, seit 1853 Vizepräsident der Statthalterei in Prag, von wo er 1860 als Sektionschef in das Ministerium berufen ward. Noch in demselben Jahre erfolgte seine Beförderung zum Statthalter von Mähren und Schlesien und kurze Zeit darauf zum Statthalter von Böhmen. Im J. 1861 übernahm er den schwierigen Posten des ungar. Hofkanzlers, welchen er beinahe drei Jahre hindurch bekleidete. Seine Thätigkeit war hauptsächlich dahin gerichtet, den wieder auftauchenden Bestrebungen gegen die Autonomie Ungarns entgegenzuwirken. Im April 1864 trat F. in das Privatleben zurück. Doch ward er im Herbst 1865 vom Kaiser zum Obergespan des Neograder Komitats ernannt, in welchem er ausgedehnte Güter besitzt. Seiner polit. Richtung nach gehört er der konservativen Partei an. Außerdem sind zu erwähnen: Bla sius F., welcher die ungar. Königin Marie aus der Haft des Königs Karl von Durazzo, Neapel und Ungarn befreite (1386), indem er letztern mit einer Streitaxt zu Boden streckte. Von daher datiert der Brauch, daß bei der Audienz eines F. vor dem Könige von Ungarn ein blankes Schwert auf den Tisch gelegt wurde, worauf jeder F. zuerst die Worte zum Könige prach: Eas in Celsitudine vestra. Blasius wurde 1387 von der Partei des getöteten Königs ermordet. — Franz F. (1506—60), Bischof von Großwardein, hinterließ ein wertvolles Geschichtswerk über seine Zeit. — Graf Ignaz F., Feldzeugmeister, geb. zu Ragendorf im Wies elburger Komitat 21. Juli 1702, gest. am 2. April 1772. Er errichtete beim Ausbruche des österr. Erbfolgekriegs (1741 ein Infanterieregiment, dessen oberster Inhaber er wurde, und zeichnete sich im Verlaufe der folgenden Kriegsjahre durch große Umsicht und Tapferkeit aus; 1745 wurde er Generalmajor, 1757 Feldmarschalllieutenant und nach dem Hubertusburger Frieden (1763) Feldzeugmeister.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 4Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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