FeedFestetits (spr. Festetitsch) de Tolna
GeschichteBrockhaus 1882

Festetits (spr. Festetitsch) de Tolna, ungar. Grafengeschlecht. Dasselbe ist kroat. Ursprungs; ihr Adelsbrief wurde vom Kaiser und König Matthias II. (1608 —19) ausgestellt. Durch Heirat kamen sie in den Besitz des Marktfleckens Tolna mit drei andern Herrschaften. Seitdem führen sie das Prädikat «de Tolna v. In den Türkenkriegen des 17. Jahrh. erwarb sich die Familie Ansehen und Vermögen. Die Grafenwürde erhielt sie im J. 1749. Die Familie zerfällt heute in drei Linien, von denen die dritte lih in vier Stämme gliedert. Hervorragende Mitglieder waren: Graf Georg I. F., Humanist, geb. 1754, Sohn des Kammerpräsidenten Paul F., dem die Kaff erin Maria Theresia (1749) wegen seiner vielen Verdienste um Hebung der landwirtschaftlichen Kultur in Ungarn die Grafenwürde verlieh. Graf Georg F. diente bis 1790 in der Armee und widmete sich dann der Verwaltung seiner weitläufigen Besitzungen. Er stiftete in Keßthely am Plattensee eine landwirtschaftliche Lehranstalt Georgikono, mit der er 1802 eine Veterinäranstalt verband, erweiterte das Gymnasium daselbst, gründete ferner eine Elementar⸗ und Bürgerschule, ein Lehrerseminar, ein Hospital und eine Badeanstalt. Sein Schloß enthielt eine vortreff-Bibliothek, eine reiche Münzensammlung u. d Dem ungar. Reichstage bot er im J. 1802 40000 zur Errichtung einer Militärakademie in Ungarn, auch eine Impfungsanstalt rief er zu Keßthely ins Leben. Er starb 2. April 1819 zu Keßthely. Graf Georg II. F., Enkel des vorigen, übernahm durch freiwilligen Verzicht seines ältern Bruders Tassilo das Majorat der Familie, zog sich nach Oedenburg zurück und tilgte durch ein sparsames Leben nicht bloß die aufgehäuften Schulden seines verschwenderischen Vaters Ladislaus, sondern wurde durch seine Umsicht einer der reichsten Magnaten des Landes, der sich später auch am polit. Leben beteiligte. Im J. 1867 erhielt er das Ministerportefeuille um die Person des Königs; außerdem bekleidete er die Würde eines königl. ungar. Obersthofmeisters. Er starb zu Wien am 13. Febr. 1883. Freiherr Joseph F., General der Kavallerie, geb. 1694 zu Paltavär im Eisenburger Komitat, war schon mit 16 Jahren Soldat, zeichnete sich im türk. Feldzuge 1716—17 besonders aus, wurde 1737 Husarenoberst, that sich in dem Türkenfeldzuge 1737— 39 von neuem hervor, namentlich bei der Verteidigung von Semendria, sodaß er (1739) zum Generalmajor vorrückte. Im Psterreichischen Erbfolgekriege avancierte er zum Feldmarschalllieutenant, wurde Inhaber des Husarenregiments Nr. 3 und leitete 1742 die Blokade von Prag, 1743 jene von Eger. Im J. 1754 erhielt er den Rang eines Generals der Kavallerie. Er starb 4. Mai 1757. Graf Tassilo F., Sohn des Ladislaus F. und Bruder des Grafen Georg II. F., geb. 2. Juni 1813, trat schon früh in Militärdienste und überließ nach dem Tode seines Vaters das verschuldete Majoratsgut seinem Bruder Georg, für sich behielt er nur die Herrschaft Keßthely. F. blieb zeitlebens Soldat und nahm an den Kämpfen Ssterreichs bis zum J. 1859 aktiven Anteil. Obgleich er im J. 1866 nicht mehr in Aktivität stand, bot er doch freiwillig seine Dienste wieder an, die auch angenommen wurden. In diesem Feldzuge wurde F. schwer verwundet. Er war k. k. Kämmerer, hatte im J. 1877 den Rang eines Generals der Kavallerie und die Würde eines Ritters des Goldenen Vlieses erlangt. Außerdem war er Inhaber des 2. k. k. Dragonerregiments. Er starb zu Wien 6. Febr. 1883.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 715Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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