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GeschichteBrockhaus 1882

Appönyi, ungar. Grafengeschlecht, schon 1315 Namen Peech. Magister Thomas von Peech, genannt der «Rote, erhielt 1335 vom Könige die Besitzung Kis-Ewr (spr. Kisch-Ohr) und nannte sich von da ab auch Ewri (d. h. «von Ewry); er vertauschte 1392 Schloß und Herrschaft Cseklez nebst Zubehör gegen Schloß und welchen Nagy-Appony im Neutraer Komitat, von welchem seitdem die Familie ihren Namen entlehnte, doch wird sie 1411 auch noch 4Peech o genannt. Die Familie wurde 1718 mit Lazar von A. in den Freiherren⸗, in der ältern Linie 1739, in der jüngern 1808 in den Grafenstand erhoben. — Der Enkel des genannten Lazar, Graf Anton Georg A., geb. 4. Dez. 1751, gest. 17. März 1817, wurde 1774 galiz. Gubernialrat, 1778 Beisitzer im Gubernium zu Fiume, 1779 ungar. Statthaltereirat, dann Geheimrat, Obergespan des Tolnaer Komitats, Hofkommissar und Präses der k. ungar. privilegierten Schiffahrtsgesellschaft. Derselbe begründete die Apponyische Bibliothek mit einem Aufwande von beinahe 1 Mill. Gulden. Sie zählt an 50000 Bände, unter denen sich eine kostbare Sammlung der Aldinen befindet, und wurde 1827 von Wien nach Preßburg gebracht. — Sein Sohn, Graf Anton A., geb. 7. Sept. 1782, ein vorzuglicher Kenner und Förderer vaterländischer Litteratur, Kunst und Industrie, widmete sich der Diplomatie, ward Gesandter zu London und Rom, zuletzt 1826 österr. Botschafter zu Paris, in welcher Stellung er bis 1849 verblieb und sich namentlich während der Julirevolution Verdienste erwarb. Er starb 17. Okt. 1852. — Aus seiner 1808 mit Therese, geb. Gräfin von Nogarola, geschlossenen Ehe entsprang Graf Rudolf II. A., geb. 1. Aug. 1812, der sich ebenfalls der Diplomatie widmete. Er war zuerst Sekretär der österr. Gesandtschaft zu Paris, ging 1849 als außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister osterreichs an den Hof zu Turin, 1856 in gleicher Stellung nach London, wo 1860 seine Erhebung zum Botschafter erfolgte, wurde Nov. 1871 durch den Grafen Beust ersetzt und kam als Botschafter nach Paris. Aus Gesundheitsrücksichten nahm er Anfang 1876 seinen Abschied und starb 31. Mai desselben erd in Venedig. — Ein Bruder Antons und ältester Sohn Anton Georgs war Graf Georg A. von Nagy-A., geb. 3. Juli 1780, gest. 3. Aug. 1849 als k. k. Kämmerer und Besitzer der Majoratsherrschaft Apäty und der Herrschaften Körtweles u. s. w. Aus seiner 18⁰ mit Anna, geb. Gräfin Zichy, ch-25. e 1 Ehe entsprangen: Graf Karl A., geb. 26. Dez. 1805, k. k. Kämmerer, Generalmajor, gegenwärtig das SHaupt der ältern Linie, und Graf Georg A., geb. 29. Dez. 1808. Der letztere, ein Mann von gro⸗ ö ßem Talent, ritterlicher Persönlichkeit und festem Charakter, war zuerst Konzipist, dann Hofsekretär an der ungar. Hofkanzlei zu Wien, wurde 1844 zum zweiten und nach Mailäths Abgange, 31. Okt. 1847, oft kaiserl. Handschreiben zum obersten ungar. Hofkanzler ernannt. Seit seinem Eintreten in den Staatsdienst schloß er sich immer mehr der konservativen Reichs an, deren einflußreichster Führer er auf dem Reichstage 1843—44 ward. Vor allem suchte er in den Komitaten eine ordentliche Verwaltung herzustellen. Aber seine Absichten scheiterten einerseits an der Passivität oder der Abneiung des 4* und Metternichs und an dem Widersteben der streng aristokratischen Partei, andererseits aber an dem stürmischen Vorwärtsdrängen der Radikalen unter Kossuths Auflosmn Nach den Märztagen, welche auch die Auflösung der Hel, kanzlei herbeiführten, lebte A. in auches Riitgli eit, wurde aber 1859 als lebenslängliches Mitglied in den verstärkten Reichsrat zu Wien berufen, trat hier als Verteidiger der Selbständigkeit Ungarns auf und wurde einer der einflußreichsten Führer der sog. nationalen Partei. Als mit der Neugestaltung Gsterreichs durch das Diplom vom 20. kt. 1860 die königl. Kurie als höchster Gerichts30 in Ungarn wiederhergestellt wurde, kam A. als Judex Curiae nach Pest, wo er den Juder-Kurial-Konferenzen zur Reorganisierung der ungar. Rechtspflege präsidierte. Auch führte er 1861 das Präsidium im Oberhause, legte aber bald nach Auflösung des Landtags 1862 das Amt des Judex Curiae nieder. Auf dem am 10. Dez. 1865 eröffneten Landtage trat er als Abgeordneter ins Unterhaus und bildete eine vermittelnde Partei, die der i Konservativen », welche auch nach dem unglücklichen Feldzuge 1866 die Ausgleichsverhandlungen mit Wien abermals in Gang brachten und so die Bahn für das Gelingen des Deakschen Ausgleichswerks von 1867 ebneten. A. schloß sich dann der Deäk-Partei an; seit 1869 lebt er zurückgezogen in Preßburg. — Sein Sohn, Albert Georg A., geb. 29. Mai 1846, gehört als Abgeordneter dem ungar. Reichstage an und zählt zu dessen bedeutendsten Mitgliedern. — Das gegenwärtige Haupt der jüngern Linie ist Graf rlathtes A., geb. 12. Dez. 1804, Erbherr auf Korlathkeö.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 783Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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