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Sagen & MythenBrockhaus 1882

Forst und Wald sind zwei verschiedene Begriffe. Wald nennt man jede mit Holz bestandene größere Fläche. Unter Forst versteht man jetzt einen nach gewissen Regeln bewirtschafteten Wald. Es gibt Urwälder, aber keine Urforsten. Die Etymologie des Wortes Forst ist dunkel, vielleicht ist es kelt. Ursprungs, auf keinen Fall ein germanisiertes lat. Wort. Die Ausdrücke foresta, forestum, forestis u. s. w., welche sich in alten Urkunden finden, sind latinisierte Formen. Forst bedeutet in Urkunden zunächst den Bann, welcher auf Wald und Gewässer gelegt wurde, dann das gehegte befriedete, gebannte Objekt selbst -(Bannwald ober Bannwasser) im Gegensatz gegen die agemeine Markv (Silva communis). Gegen die Ableitung des Wortes Forst Lon dem althochdeutschen foraha (Föhre, Kiefer), welche Grimm versucht, gegen die Zurückführung desselben auf einen gemeinsamen Stamm mit (Fürsto, sowie gegen alle andern versuchten Ableitungen lassen sich mancherlei Bedenken geltend machen. Forst ist ein altgermanisches, speziell fränk. Wort, doch deutet das stammverwandte slaw. Sorschto auf einen noch ältern Ursprung hin. Vgl. Bernhardt, «Geschichte des Waldeigentums u. s. w.» (Berl. 1872, Bd. 1, S. 50 g.). orstabs ätzung (Forsttaxation) hat zur Aufgabe die ntersuchung aller innern Waldverhältnisse, welche auf den Wüanen aen Ertrag des Waldes uberhaupt Einfluß haben, oder auch für die Berechnung des künftigen Ertrags von Wichtigkeit sind. Sie ermittelt daher die Standorts⸗, die Bestandsverhältnisse und die bisherigen Forsterträge und Kosten. Sie ist Grundlage für jede Waldwertberechnung (s. d.), für die Forsteinrichtung (s. d.) und Ertragsregelung. Der Standort bedingt die wesentlichsten Momente der Waldwirtschaft, die Wahl der Holzart, die der Betriebsart und zum Teil auch die Wahl der Umtriebszeit. Die Güte des Standorts hängt ab vom Klima, von der Lage, vom Boden. Die Wichtigkeit der Erforschung der Standortsfaktoren ist selbstverständlich; sie erfolgt durch sorgfältige Untersuchungen und ermöglicht die Standortsbeschreibung und die sog. Standortsbonitierung. Letztere drückt die von den verschiedensten Verhältnissen abhängige Ertragsfähigkeit in einer dem Ertrage selbst entsprechenden Zahl aus. In e größerer Unsicherheit man sich bei den schwierigen Standortsuntersuchungen befindet, desto wichtiger werden genaue Ermittelungen der Bestandsverhältnisse selbst, denn im Bestande spricht sich der Standort so weit richtig aus, als ersterer nicht durch vorausgegangene Wirtschaftsfehler oder Elementarereignisse ein anderer, schlechterer geworden ist, als er sein sollte. Die Untersuchung der Bestände nach Holz⸗ und Betriebsart, Alter, Masse und Zuwachs ist für die Ertragsregelung und Waldwertrechnung von höchster Wichtigkeit, denn sie führt zur Kenntnis der Ertragsfähigkeit des ganzen Waldes, zur Kenntnis der Hiebsreife des einzelnen Bestandes, zur richtigen Wahl des Betriebssystems und jener Umtriebszeit, welche der weitern Rechnung zu Grunde gelegt werden muß, 5 Betriebssystem und Umtrieb überhaupt von en innern Waldzuständen 0 0l. de Je feiner die Wirtschaft sein kann und soll, desto genauer müssen diese Ermittelungen ausgeführt werden, sie ermöglichen die Bestandesbeschreibung und die sog. Bestandesbonitierung. Die einem bestimmten Bestandesalter entsprechende Holzmasse ist der schlecht der durch eine Zahl den relativ guten oder chlechten Zustand der Bestände kurz ausdrücken läßt, denn die Masse ist Produkt aus Alter und Durchschnittszuwachs; diese Zahl nennt man Bestandesbonität. Für Standort und Bestand ist normale und konkrete Bonität zu unterscheiden. Unter normaler Standortsbonität versteht man die einer gewissen Standortsgüte für eine gewählte Holzart, Betriebsart und Umtriebszeit entsprechend höchste. Die konkrete Bonität ist diejenige, wie sie der Standort infolge verschiedener auf ihn einwirkender, mehr oder weniger vorübergehender, äußerer Einflüsse zeigt; sie kann mit der normalen übereinstimmen oder nicht, letzternfalls ist sie eine abnorme. Die normale Bestandesbonität ist diejenige, welche ein Bestand als die seinem Standorte und Alter entsprechend höchste haben müßte, fällt also mit der konkreten Standortsbonität zufammen. Die konkrete Bonität eines Bestandes ist jene, welche der Bestand wirklich besitzt, sie kann niemals über, wird aber häufig unter der normalen stehen. Die Bonitäten sind unendlich verschieden, man bringt sie deshalb in begrenzte Klassen, gewöhnlich fünf, und bezeichnet mit eins die beste, mit fünf die schlechteste Bonität; eine zwar vielfach dem Sprach3n iusal entsprechende, aber unlogische Bezeichnung, da infolge dessen der schlechtesten, niedrigsten Bonität die höchste Ziffer entspricht und umgekehrt. Als Hilfsmittel für die Bonitierung und für mancherlei andere taxatorische Arbeiten bedient man sich der Ertrags- oder Erfahrungstafeln, welche den Gang des Massenwachstums eines Bestandes tabellarisch darstellen. Sie sollen für alle vorkommenden Holz- und Betriebsarten und Bonitätsstufen auf die landesübliche Flächeneinheit reduzierte Angaben von Zeit zu Zeit (gewöhnlich in zehnjähriger Abstufung) über die Bestandesmasse und die sie bedingenden Faktoren, sowie über die verschiedenen Sortimente enthalten. Derartige Tafeln besitzt die forstliche Litteratur in großer Anzahl von König, Burckhardt, Feistmantel, Grabe, Preßler, Hartig u. a. Der Verband der Deutschen forstlichen Versuchsanstalten . Forstliches Versuchswesen) betrachtete es neuerdings trotzdem als eine seiner wichtigsten Aufgaben, auf Grund ausgedehntester, genauester Untersuchungen in ganz Deutschland neue Tafeln aufzustellen; dergleichen liegen nun vor für die fichte von Baur, von Kunze und von Lorey, für diefer von Weise, für Buche von Baur. Während für die Aufstellung solcher Tafeln die genauesten Arbeitsmethoden nötig sind, kann sich die praktische F. L.ie nachdem größere oder geringere Feinheit der Wirtschaft einen größern Grad von Genauigkeit erfordert oder nicht, mit Näherungsverfahren zur Ermittelung der Massen und des Zuwachses begnügen, welche die Forstmathematik kennen lehrt. Das einfachste Verfahren der Massenermittelung ist die Okularschätzung, zu welcher große Übung gehört, wenn das Resultat richtig werden soll. Will man genauer verfahren, so werden entweder alle Althölzer eines Waldes speziell vermessen, nur die jüngern Bestände nach Erfahrungstafeln eingeschäzt, oder man begnügt sich für erstere mit der speziellen Aufnahme größerer oder kleinerer Probeflächen. Zur Messung der Durchmesser der Bäume bedient man sich der Kluppe, des Meßbandes oder auch eines Baumzirkels. Die Höhe wird mit Hilfe ermittelt. Der Bauminhalt ist gleich dem Produkt aus Grundfläche, Höhe und Do Wabe Letztere ist das Verhältnis der regelmäßigen Walze zum Bauminhalt bei gleicher Höhe und gleichem Durchmesser, sie kann nicht direkt gemessen, sondern muß durch Rechnung gefunden werden, indem man mehrere Probestämme fällt und genau kubiert. Da übrigens selbst Bäume 8 schr Holzart, gleichen Alters, gleichen Standortes sehr verschiedene Formzahlen haben (bei der Fichte schwankt die bt sh tei deser 3. B. zwischen 0,42 und 0,60), so läßt sich bei dieser Rechnung nicht vom Einzelbaum auf den Einzelbaum schließen, sondern nur vom großen Durchschnitt wieder auf den großen Durchschnitt. Zur Berechnung des Inhalts stehender Einzelbäume, also auch des Inhalts stehender Probebäume bei der Bestandsmassenaufnahme, empfiehlt sich des⸗ * mehr die von Preßler in Tharand erfundene Richtpunktsmethode, nelche aus der gemessenen Grundstärke und Richtpunktshöhe des Baums den Inhalt des Schafts ohne Anwendung weiterer Funktionen mit Hilfe einer Formel direkt findet; unter Richtpunkt ist dabei jener Punkt des Baumschafts zu verstehen, an welchem dieser genau halb so stark ist wie unten am Meßpunkte. Auch der Zuwachs ist wesentliches Objekt der F. Man unterscheidet Quantitäts⸗ oder Massenzuwachs und Qualitätszuwachs. Unter ersterm versteht man die Vermehrung der vorhandenen Vorratsmasse durch das jährliche Wachstum des Baums oder Bestandes; er wird gemessen durch die Masseneinheit. Wenn man den Massenzuwachs graphisch darstellt, erhält man für die verschiedenen Arten desselben, für den laufenden wie für den durchschnittlichen Zuwachs verschiedene Kurven, beide erreichen erst in gewissen Lebensaltern der Bestände ihr Maximum. Der Durchschnittszuwachs ist in dem Jahre am größten, wo er gleich dem laufenden wird. Die Zuwachslehre ist ein schwieriges Kapitel der Forstmathematik, welche auch zeigt, wie man aus der Messung der letzten Jahresringe eines Baums einen Schluß auf die künftige Zuwachs-⸗ größe ziehen kann. Der 83. ber Maßenen bedeutet die 9, daß 616 des Werts der Masseneinheit dadurch, daß bis zu einer gewissen Grenze die stärkern Sortimente in der Regel einen höhern Preis erlangen als die schwächern; er wird gemessen durch den um die Erntekosten verminderten Preis der verschiedenen Sortimente zu derselben Zeit. Unter Umständen kann noch ein sog. Teuerungszuwachs hinzutreten, d. h. eine Veränderung der Holzpreise uberhaupt; er wird gemessen durch den Preis derselben Sortimente zu verschiedenen Zeiten und erscheint als positive oder negative Größe. (Litteratur s. unter Forsteinrichtung und Forstmathematik.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 12Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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