FeedFouque
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Fouque (Friedr. Heinr. Karl, Freiherr de la Motte), Dichter, ein Enkel des vorigen, geb. zu Brandenburg 12. Febr. 1777, nahm erst als Lieutenant, dann als Rittmeister an den bedeutendsten Schlachten des Freiheitskriegs von 1813 teil, bis er infolge körperlicher Anstrengung sich genötigt sah, den Abschied zu nehmen, den er mit dem Majorscharakter erhielt. Später lebte er abwechselnd zu Paris und auf seinem Gute Nennhausen bei Rathenow, hielt seit 1831 in Halle Vorlesungen über die neueste Geschichte und über Poesie, wurde 1842 vom König Friedrich Wilhelm IV. nach Berlin 2— 3 und starb daselbst 23. Jan. 1843. Als Schriftsteller und Dichter trat F. zuerst unter dem Pseudonym Pellegrin auf. Er übersetzte Cervantes' Numanciav und dichtete einiges im Geiste der span. Poesie. In dieselbe Zeit fallen: der Roman «Alwino (2 Bde., Berl. 1808), die „Historie vom edeln Ritter Galmy und einer schönen Herzogin von Bretagner (2 Bde., Berl. 1806) und einige Schauspiele. Indessen sprach ihn doch der Geist der nordischen Sage und altdeutschen Dichtung am meisten an. Diesen Geist atmet vor allen das dramatische Gedicht «Sigurd, der Schlangentöterv (Berl. 1808), dem er zuerst seinen wahren Namen vorsetzte. Ferner gehören hierher die vaterländischen Schauspiele «Eginhard und Emmay (1811) und Alboin, der Longobardenkönige (1813). Mit enthusiastischem Beifall wurden F.s Ritterroman «Der Zauberringo (3 Bde., Nürnb. 1813; neue Aufl., Braunschw. 1855) und in noch höherm Grade das zarte und sinnvolle, fast in alle europ. Sprachen übersetzte Märchen Undiney (Berl. 1811; 24. Aufl. 1881) aufgenommen. Unter seinen übrigen Werken sind noch besonders zu erwähnen: das romantische Heldengedicht Coronap (Tüb. 1814), «Die Fahrten Thiodolfso (2 Bde., Hamb. 1815; 2. Aufl. 1848), «Sängerlieber (Tüb. 1816), Altsächs. Bildersaals (4 Bde., Nürnb. 1818—20), das geschichtliche Epos Bertrand du Guesclino (3 Bde., Lpz. 1821), Der Verfolgtey (3 Bde., Berl. 1821), «Der Sängerkrieg auf der Wartburgo (Berl. 1828), seine seltsame, von ihm selbst aufgezeichnete Lebensgeschichter (Halle 1840), der Roman «Abfall und Buße, oder die Seelenspiegelds (Berl. 1844). Diesen schließen sich an Kleine Romanep (6 Bde., Berl. 1814—19) und die Sammlung seiner Gedichtes (5 Bde., Stuttg. 1816—27), wozu nach seinem Tode noch Geistliche Gedichter (2. Aufl., Berl. 1858) und «Christl. Liederschatz (Berl. 1862), beides herausgegeben von Albertine de la Motte F., kamen. F. schließt sich im allgemeinen der romantischen Schule an. Religiosität, Ritterlichkeit und Galanterie sind die Grundelemente seiner Dichtungen, und obgleich er in seinen poetischen Formen nicht selten hart und gezwungen erscheint, so offenbart sich doch überall eine Fülle von Phantasie und ein eigentümlich kräftiges poetisches Leben. Später erschien er manierierter, pietistisch und feudal-aristokratisch, sodaß er zuletzt mit den Anschauungen seines Jahrhunderts, z. B. in seinen Gedichten „Die Weltreiche» (6 Hefte, Halle 1835 — 40), in schroffem Gegensatze stand. Seiner Richtung treu, gab er mit L. von Alvensleben die 4Zeitung für den deutschen Adel v (1840 — 41) heraus. Er selbst besorgte eine Ausgabe seiner Ausgewählten Werkev (12 Bde., Halle 1841). Seine zweite Gattin, Karoline, geborene von Briest, geb. 1773 zu Nennhausen, die sich 1790 in erster Ehe mit einem Herrn von Rochow, dann nach ihrer Scheidung von demselben 1803 mit F. vermählte, hat sich als Schriftstellerin hekannt gemacht. Mehrere ihrer Romane, ihre „Briefe über Zweck und Richtung weiblicher Bildungv (Berl. 1811), sowie „Briefe über die griech. Mythologies (Berl. 1812) haben viel Aufmerksamkeit erfahren. Sie starb 0 Nennhausen 20. Juli 1831. Ihre Briefe und kleinen Aufsätze wurden nach ihrem Tode unter dem Titel «Der Schreibtisch, oder alte und neue Zeity (Köln 1833) gesammelt. — Auch F.s dritte Gattin, Albertine, geborene Tode, mit der er sich während seines Aufenthalts in Halle vermählte, ist als Schriftstellerin mit dem Roman «Reinholdo (2 Bde., Berl. 1865) aufgetreten. s. Desfontaines-Lavallse.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 44Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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