Lingg (Herm. Ludw. Otto), deutscher Dichter, geb. 22. Jan. 1820 zu Lindau am Bodensee, besuchte das Gymnasium zu Kempten, studierte seit 1837 in München, Berlin, Prag und Freiburg Medizin, war dann zwei Jahre Armenarzt in München, wurde 1846 Militärarzt und lebt, seit 1850 pensioniert, in München. L. zählt zu den begabtesten deutschen Dichtern der Gegenwart. Seine Gedichtey (J. Aufl., Stuttg. 1871) wurden zuerst 1854 von Geibel herausgegeben. Denselben schlossen sich später an zwei weitere Sammlungen „Gedichter (Bd. 2, 3. Aufl., Stuttg. 1874; Bd. 3, Stuttg. 1870), ferner das dramatische Gedicht Die Walkyren» (Münch. 1864; 2. Aufl. 1865), das Trauerspiel Catilinay (Münch. 1865) und andere Dramen, sowie eine umfangreiche epische Dichtung: „Die Völkerwanderung » (in drei Büchern, Stuttg. 1866—68). Außerdem sind hervorzuheben: „Vaterländische Balladen und Ge-Baen (Münch. 1869), ein Band Erzählungen in steiner (Gedichte, Berl. 1878), (Byzant. Novelleno Berl. 1881), Von Wald und Seey (Movellen, Berl. 1883), „Clytia. Eine Scene aus Pompejiv (Münch. 1883), 4Högnis letzte Heerfahrt. Nordische Scenev (Münch. 1884). L. bekundet ein Talent von eigentümlichem Gepräge, düsterm Kolorit und weltgeschichtlichen Perspektiven. Der Ton der Ode und Hymne klingt aus allen Poesien L.s hervor.