FeedEichendorff (Jos., Freiherr von)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Eichendorff (Jos., Freiherr von), hervorragender Dichter der romantischen Schule, geb. 10. März 1788 auf dem seinem Vater gehörigen Landgute Lubowitz bei Ratibor in Oberschlesien, bezog 1801 das kath. Gymnasium zu Breslau, studierte von 1805 an die Rechte in Halle und in Heidelberg, begab sich 1808 nach Paris und lebte von 1810 bis 1813 in Wien. Bei Ausbruch des Kriegs trat er im Febr. 1813 als freiwilliger Jäger in die preuß. Armee, in der er, nachdem er im Herbst 1813 Offizier geworden an den Feldzügen bis 1815 teilnahm. Im J. 1816 kehrte er nach Deutschland zurück, wurde Referendar bei der königl. Regierung in Breslau, 1821 Regierungsrat in Danzig, 1824 in gleicher Eigenschaft nach Königsberg in Preußen und 1831 nach Berlin versetzt, und hier 1841 zum Geh. Regierungsrat im Ministerium der geistlichen Angelegenheiten ernannt. Im J. 1844 schied er auf sein Ansuchen aus dem Staatsdienst und siedelte 1855 nach Neisse über, wo er 26. Nov. 1857 starb. E. war nicht nur der letzte deutsche Romantiker, sondern auch der talentvollste und eigentümlichste Jünger dieser Schule. Die Reihe seiner selbständigen Werke beginnt mit dem Roman «Ahnung und Gegenwarty (herausg. von Fouqué, Nürnb. 1815); diesem folgten: Krieg den Philistern, dramatisches Märchen in fünf Abenteuerno (Berl. 1824), Aus dem Leben eines Taugenichts und das Marmorbild, zwei Novellen, nebst einem Anhange von Liedern und Romanzeno (Berl. 1826), „Meierbeths Glück und Endev, Tragödie (Berl. 1828),4Ezzelin von Romano, Trauerspiel (Königsb. 1828), Der letzte Held von Marienburgo, Trauerspiel (Königsb. 1830), «Die Freier v, Lustspiel (Stuttg. 1833), 4Viel Lärmen um nichtso (Berl. 1833), Dichter und ihre Gesellen», Novelle (Berl. 1834). Hieran schlossen sich eine Sammlung seiner „Gedichtey (Berl. 1837; 10. Aufl., Lpz. 1877), das von ihm bearbeitete treffliche span. Volksbuch Der Graf Lucanor des Don Juan Manuelv (Berl. 1840; 2. Aufl. 1843), eine Sammlung seiner „Werkey (4 Bde., Berl. 1842; 3. Aufl., 4 Bde., Lpz. 1883), und seiner Vermischten Schrifteno (5 Bde., Paderb. 1867). Nach seinem Tode erschien noch: Aus dem litterarischen Nachlaß CE.sv (Paderb. 1866). Das lyrische Element ist bei E. durchweg vorwaltend, weshalb es seinen dramatischen Dichtungen und seinen größern Romanen an Plastik und Rundung fehlt. Dagegen sind seine kleinern Novellen, hierunter vor allen Aus dem Leben eines Taugenichtsv, in ihrer Art wahrhafte Meisterstücke. Calderons Geistliche Schauspieley übersetzte er mit innigem Verständnis (2 Bde., Stuttg. 1846.—53). Alle Romantiker überragt E. als Lyriker; seine Lieder sind tief empfunden, sie atmen eine träumerisch-weiche Stimmung und sind von einem außerordentlichen Wohllaut der Sprache. Während seiner letzten Lebensjahre veröffentlichte E. auch mehrere litterarhistor. Arbeiten, in denen er die Litteratur vom kath. Standpunkte aus beurteilte. Dahin gehören: Kliber die ethische und religidse Bedeutung der neuern romantischen Poesie in Deutschlando (Lpz. 1847), „Der deutsche Roman des 18. Jahrh. in seinem Verhältnis zum Christentumy (Lpz. 1851; 2. Aufl. 1867), „Zur Geschichte des Dramas» (Opz. 1854; 2. Aufl. 1867) und „Geschichte der poetischen Litteratur Deutschlands v (2 Tle., Paderb. 1857; 3. Aufl. 1866). Auch C.s letzte Dichtungen, wie Juliany (Lpz. 1853), «Robert und Guiscardo (Lpz. 1855) und „Lucius „ (Lpz. 1857) bekunden dieselben kath.⸗christl. Tendenzen. Zu einem für ihn in Neisse projektierten Denkmal hat Kuno von Üchtritz das Modell entworfen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 802Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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