Fournieren (frz. plaquer, engl. veneering) heißt in der Möbelfabrikation gewöhnliche inländische Hölzer mit dünnen Blättern von feinen, teuern Holzarten belegen, um dadurch den betreffenden Gegenständen das Aussehen zu geben, als ob sie aus den bessern Holzarten gefertigt seien. Abgesehen von der größern Wohlfeilheit und Leichtigkeit, erreicht man so den Vorteil, daß man diesen Arbeiten durch entsprechende Anordnung der Fourniere ein gefälligeres Aussehen als den massiv hergestellten geben kann, weil größere Holzstücke selten eine gleichförmige Zeichnung haben. Die Bohlen der edlen, gemaserten Hölzer werden entweder aus freier Hand mit der Säge (s. Four niersäge) oder auf Maschinen (s. Fournierschneidmaschine) in dünne Blätter, Fourniere, zerschnitten, welch letztere auf die von weicherm Holz gefertigten Gegenstände aufgeleimt werden. Das F. gewährt nebenbei den Vorteil, daß die Gegenstände sich weniger leicht werfen, weshalb fournierte Möbel stets dauerhafter als massive von derselben Holzart sind. Als Hauptgrundsatz beim F. gilt, die einzelnen Blätter derart nebeneinander anzuordnen, daß die Adern und Flammen derselben eine geschmackvolle, symmetrische und womöglich sich wiederholende Zeichnung bilden. Die beiden letztern Eigenschaften erfordern das Vorhandensein mehrerer möglichst gleich gezeichneter Blätter, wie sie je zu zweien durch den Schnitt der Fournierschneidemaschine erhalten werden. Die erforderliche Symmetrie kann auf mehrfache Art erreichtwerden. Entweder man bringt zwei gleiche Blätter so nebeneinander an, daß ihre Figuren symmetrisch in Beziehung zu der durch die Fuge bezeichneten Mittellinie stehen, oder man bildet die Belegung derart aus vier Blättern, daß sich die Fugen im Mittelpunkt der Fläche kreuzen, wobei dieselben in diagonaler Richtung laufen oder auch den Seiten parallel sein können. Endlich werden ovale, runde oder polygonale Flächen sternförmig, auf Spitze (en cœur, en rosace) fourniert, indem man die Blätter keilförmig zuschneidet und sämtliche Fugen im Mittelpunkt der Fläche zusammenur Anfertigung des Grundkörpers (Blindholz) ist solches Holz am besten geeignet, welches sich nach erfolgter Trocknung möglichst wenig verzieht, also Linden⸗, Pappel⸗, Tannenholz u. w.; das vorzüglichste ist jedoch astfreies, schlichtes Eichenholz, welches neben seiner Festigkeit die schätzbare Eigenschaft besitzt, den Leim sehr gut anzunehmen. Die Teile des Grundkörpers müssen solid und unverrückbar verbunden sein. Nirgends dürfen hölzerne Nägel oder unbedeckte Zinken mit ihrer Hirnseite in der Oberfläche des Blindholzes liegen, weil bei der Schwindung der umliegenden Partien das weniger schwindende Hirnholz stets die Veranlassung zur Bildung von Buckeln gibt. Auch muß das Blindholz, um den Leim besser anzunehmen, eine etwas rauhe Oberfläche haben; das letztere erreicht man durch überfahren mittels eines Zahnhobels in verschiedenen Richtungen oder, wo Schweifungen u. s. w. die Anwendung des Hobels nicht gestatten, mittels einer Raspel. Die Fournierblätter müssen möglichst gleiche Dicke haben und von Rissen oder Löchern frei sein; ihre Innenfläche (diejenige Fläche, die an das Blindholz zu liegen kommt) wird wie das Blindholz mittels des Zahnhobels gerauht. Das F. erfolgt zuweilen mit im voraus zusammengefügten Blättern (Fournierblättern), die auf verschiedene Weise erzeugt werden. Aus verschiedenfarbigen Fournierblättern werden Stücke von mannigfaltiger Gestalt ausgeschnitten, was mit dem Schnitzr, mit einer scharsen eißahle, mit dem Stemmeisen, mit einer kleinen Säge, mit dem Schneidmodel oder, bei kreisförmigen Stücken, mit einem Stangenzirkel, der eine zugeschärfte Spitze Pa geschieht, und auf einem mit Leim bestrichenen apierbogen zu einem Muster tale Sournfer- oder man vereinigt mehrere schmale Fournierstreifen mit ihrer breitern Fläche zu einem Stab, den man mittels quer zu den Caoßsugen geführter Längenschnitte in mehrere der Länge nach gestreifte Fournierbänder zerteilt. Werden Fournierplättchen zu einer Säule zusammengefügt und wird diese sodann durch Längenschnitte zerteilt, so erhält man quer gestreifte Fournierbänder. Die unter dem Namen Holzmosaik vorkommenden größern gemusterten Fournierungen werden in einer der soeben beschriebenen Manier ähnlichen Weise hergestellt. Es werden nämlich ig lange Stäbe aus verschiedenfarbigen Hölzern derart durch Hobeln hergestellt, daß die Faserrichtung quer zur Länge der Stäbe liegt. Die Stäbe werden entsprechend dem Muster zu einem Klotz aneinander geleimt und dieser wird nach erfolgter Austrocknung durch quer zur Länge, also in der Richtung der Fasern, geführte Schnitte in Blätter von 2—3 mm Diäcke zersägt. Dieses Verfahren at bei Massenerzeugung den Vorzug der Wohlfeileit, bietet aber wenig Freiheit in der Zusammentellung der Zeichnung. Trockene, ungeschälte Birkenreiser, auf dieselbe Weise zu einem Klotz aneinander geleimt, wobei man die Zwischenräume durch den mit feinen Sägespänen vermengten Leim ausfüllt, liefern glei hand baben Mosaikfourniere, die indes den Übelstand haben, daß sie bei nachdie Jaser Glatthobelung leicht ausbröckeln, weil die Fasern quer zu ihrer Längenrichtung zerschnitten wurden. Künstlicher und schwieriger ist das nachstehend beschriebene Augettebt Auß ein Fournier wird ein Papier aufgeklebt und auf diesem das Muster, aus in sich selbst zurückkehrenden Linien und Contouren bestehend, vorgezeichnet. Unter dieses Fournier wird ein zweites von anders gefärbtem Holz gelegt, worauf man beide Blätter zugleich mit der Laubfäge aus freier Hand oder mittels einer Decoupiersäge nach den Umrissen der eichnung ausschneidet. Die aus dem untern ournier fallenden Stückchen werden in die Durchrechungen des obern eingelegt und umgekehrt, sodaß man zwei brauchbare, vollständige Exemplare und, außer den Sägespänen, keinen Abfall erhält. Die nur four selten angewendeten Stein⸗ oder Massenfourniere werden mit einem Teig aus Kreide, gebranntem Kalk und Leimwasser erzeugt, welchen man mit Mineralfarben färbt; die Steinfourniere müssen vor der Anwendung mit Wasser erweicht werden. Das Fournieren ebener Flächen erfolgt durch Auflegen der Blätter auf das mit heißem Leim bestrichene Blindholz und nachheriges Pressen. Man legt zu diesem Zweck über das Fournierblatt ein angewärmtes tannenes Brett (die Zulage) und preßt es mittels Schraubzwingen fest. Sind zwei leiche Stücke zu fournieren, so erspart man die Buage, indem man beide Stücke rasch nacheinander belegt, sie dann mit den Fournieren aufeinander legt und mittels Zwingen aneinander preßt. Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VII. Erhält ein Stück auf beiden Seiten Fourniere, so legt man die letztern gleichfalls 4• nacheinander auf, sodann auf jede Seite eine Zulage und preßt ein, wodurch man bedeutend an Zeit und Kraft gewinnt. Bei bessern Arbeiten enr Ri uweilen eine doppelte Belegung, wodurch dem Rissigwerden besonders wirksam vorgebeugt wird; man hierbei zuerst mit einem Eichenholzfournier und, pollern dasselbe angetrocknet ist, mit dem wertvollern Außenfournier. An schmale Flächen pflegt man die Fourniere nicht durch Einpressen zu befestigen, sondern man reibt den Fournierstreifen mittels des angewärmten Fournierhammers auf das mit Leim bestrichene Blindholz, d. h. man überfährt den erstern unter entsprechendem Druck so lange mit der langen, abgerundeten Finne des Hammers, bis er fest haftet. Das Fournieren der Kanten muß derart geschehen, daß keine Fuge bemerkbar ist. Hierbei wird das Fournierblatt groß genug ausgeschnitten, um für beide aneinander Hoßende Flächen auszureichen. Dann beklebt man es auf der Außenseite mit einem starken Papierbogen und befestigt es durch Leimen und Anpressen zuerst auf der einen Fläche. Nach dem Trocknen schneidet man in die gegen das Blindholz gekehrte Seite des Fourniers an der Stelle, wo dasselbe die zu belegende Kante überragt, mit der sog. Kippsäge oder dem Kippeisen eine fast bis an das Papier dringende Furche in das Fournier, bestreicht die Fläche des Blindholzes mit Leim und befestigt das Fournier, nachdem man es um die Kante gekippt bat, auch auf der zweiten Fläche. Beim Belegen geschweifter und krummer Flächen muß man die Fourniere, um sie biegsamer zu machen, zuvor durch Hobeln verdünnen. Die größte Aufmerksamkeit erfordert das Fournieren runder Stücke, Säulen, Walzen u. s. w. Die Blätter müssen hierzu gleichfalls verdünnt werden. Man schneidet sie dann etwas größer als der zu belegende Umfang erfordert, und hält sie mit der Kehrseite über ein Feuer von Hobelspänen, wodurch sie schon eine schwache Krümmung eirhene Das Anpressen an das mit Leim bestrichene Blindholz kann entweder mittels assend ausgehöhlter Zulagen geschehen, oder durch spialförmiges Umwinden mit einem straff ange4 Leinenband; für letztern Fall benutzt man ie Fourniermaschine, in welcher das zu belegende Blindholz zwischen einer verstellbaren Dornspitze (Rörner) und einem gleichfalls verstellbaren Spitzenfutter eingespannt wird und, nachdem das in der Wärme vorgebogene dolge der auf das Blindholz gebracht ist, ein infolge der Drehung einer 2 sich von derselben abwickelnder Leinengurt über das Fournier gewunden wird.