FeedFreikorps
GeschichteBrockhaus 1882

Freikorps nennt man Truppen, welche nur für die Dauer des Kriegs oder eines Feldzugs errichtet oder von einzelnen Führern unter Ermächtigung des Kriegsherrn aufgebracht werden, dann meist aus Zenbarannie bestehend. Sie sind nicht in die Ordre e bataille eingereiht, sondern für selbständige Unternehmungen des Kleinen Kriegs bestimmt, welche mit denen der Parteigänger zusammenfallen. Schnelle, überraschende Bewegungen, Verwegenheit im Angriff, Einverständnis mit der Bevölkerung und genaue Kenntnis der örtlichen Verhältnisse sind unumgänglich, wenn ein F. seiner Aufgabe genügen soll. Dergleichen Kriegshaufen gab es schon im Mittelalter. Der Name kommt aber erst im 18. Jahrh. vor und bezieht sich auf die freie Werbung, vielleicht auch auf die größere disciplinarische Freiheit, welche man ihnen gab. Zu ihnen gehörten die Compagnies franches der Franzosen, die aus den südslaw. Stämmen gebildeten F. der Ssterreicher (Panduren, Kroaten) und die F., welche Friedrich d. Gr. errichten ließ. Friedrich d. Gr. bediente sich in den Schlesischen Kriegen, besonders im Siebenjährigen Kriege, der 5. welche die Bezeichnung Freiregimenter oder reibataillone führten, aus leichter Infanterie oder Kavallerie bestanden und dazu bestimmt waren, gemeinsam mit den Husaren den kleinen Krieg gegen die zahlreichen leichten Truppen des österr. Heeres zu führen. Diese Freibataillone besaßen keinen Kanton und rekrutierten sich vorzugsweise aus Ausländern, Kriegsgefangenen und Fahnenflüchtigen; auch das Offizierkorps bestand größtenteils aus Ausländern und enthielt viele Abenteurer. Der König übertrug die Aufstellung dieser Truppen nur besonders tüchtigen, als energisch bewährten Offizieren, stellte an die Freibataillone in Bezug auf die Exerzierausbildung etwas geringere Anforderungen und gestattete denselben, entsprechend der eigenartigen taktischen Verwendung, auch das sonst streng untersagte Besetzen von Wohnplätzen und sonstigen, für die lokale Verteidigung besonders vorteilhaften Ortlichkeiten. Einige dieser Freibataillone leisteten ausgezeichnete Dienste. Nach den Friedensschlüssen wurden dieselben wieder aufgelöst. Die Organisation und Geschichte dieser F. ist von Schnakenburg im 6. Beihefte des «Militärwochenblattes v (Berl. 1883) zum ersten male ausführlich dargestellt worden. Auch in den Kriegen gegen Napoleon I. wurden mehrere F. errichtet, welche glückliche Waffenthaten verrichtet haben; der Herzog von Braunschweig-Ols, Lützow, Colomb u. a. sind als deren Führer bekannt (s.unter Freiwillige). Imersten deutschdän. Kriege haben sich die F. von der Tanns, Zastrows u. a. ausgezeichnet, in Mexiko 1864 die französischen sog. Contreguerrillas unter Milson, einem ehemaligen preuß. Husarenoffizier; in Italien die F. Garibaldis und unter ihnen besonders die Tausend von Marsalav, welche 1860 auf Sicilien landeten; die letztgenannten bildeten sich ohne staatliche Autorisation, erhielten aber später staatliche Genehmigung. Neuerdings gibt man den aus regulären Truppen zusammengesetzten Streifkorps den Vorzug vor den F. wegen des festern Zusammenhalts der einzelnen Teile, der bessern Ausbildung für das Gefecht und der größern Zuverlässigkeit. Die französischen F., welche sich 1870 bildeten, nannten sich Francs-Tireurs (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 274Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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