FeedFraues-Archers
GeschichteBrockhaus 1882

Fraues-Archers hieß die erste stehende franz. Infanterie, welche König Karl VII. durch Ordonnanz vom 28. April 1448 errichtete, nachdem schon im Juni 1445 stehende Truppen schwerer und leichter Reiter aufgestellt worden waren. Jede franz. Gemeinde wurde zur Stellung eines Archer, gekleidet und gerüstet, verpflichtet, der jederzeit bereit sein mußte, ins Feld zu rücken. Die F. waren eine Erneuerung der unter König Ludwig dem Dicken vorhanden gewesenen Gemeindetruppen, erhielten gewisse Rechte, namentlich Steuerfreiheit, und hießen deswegen F. Die Mannschaft erhielt, wenn sie zum Dienst berufen war, monatlich 4 Frs. Sold, trug Panzerjacken oder mit Leinwand dick untersteppte rindslederne Wämser, als Kopfbedeckung die Salade l(eine Art Pickelhaube), und führte Rlart und Bogen, Dolch und Degen. Gemeinsame Waffenübungen der F. fanden nicht statt, weshalb sich die Truppe in den Kämpfen gegen Burgund und die Aristokratie nicht sonderlich bewährte. König Ludwig XI. reorganisierte 1469 die F., deren Gesamtzahl sich auf 16000 Mann belief. Je 4000 wurden einem Capitaine général unterstellt, unter dem 8 Capitaines Bataillone von 500 Mann Der Aunhr Ein Teil der Mannschaft wurde mit der Irmbrust, ein anderer mit Spießen bewaffnet, r dritter führte wie bisher den Bogen. Für die Aushebung wurde Frankreich in vier Bezirke geteilt, welche bis in das 18. Jahrh. die Grundlage der militärischen Landeseinteilung geblieben sind. In jedem Bezirke waren vier Sammelplätze bestimmt, an denen zu bestimmten Terminen je 1000 F. gemustert wurden. Die ganze Einrichtung wurde jedoch in Frankreich niemals vollstümlich und war bei den Bauern wie beim Adel verhaßt: man verspottete die F. allenthalben, und dieselben haben sich auch oft als freche Räuber erwiesen. Die Truppe der F. wurde 1479 nach der Schlacht bei Guinegate, wo sie den deutschen und vläm. Spießen nach kurzem Widerstande erlagen, aufgelöst.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 68Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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