FeedFränkische Schweiz
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Fränkische Schweiz, s. unter Frankenjura, Jura und Muggendorf. rankistan, orient. Bezeichnung für Europa, s. Ferengi. rankl (Ludw. Aug., Ritter von), Dichter, geb. 3. Febr. 1810 zu Chrast in Böhmen, von israel. Abkunft, besuchte seit 1823 das Piaristengymnasium der prager Neustadt, seit 1826 das philos. Piaristenkollegium zu Leitomischl. Bei seinem lebhaften Sinn für Romantik und vaterländische Vorzeit zog ihn vor allem das Studium der Geschichte an, die ihm die erwünschten Stoffe erst zu Balladen, dann auch zu einigen Dramen bot. Im Herbst 1828 ging er nach Wien, um sich der Medizin zu widmen, trieb jedoch dabei seine Beschäftigung mit der Poesie fort. Außer mehrern einzelnen Gedichten veröffentlichte er das KHabsburgslied » (Wien 1832), eine Reihe chronologisch geordneter Balladen, die ihn rasch bekannt machten. Den «Epischen und lyrischen Dichtungen» (Wien 1833) ließ F., der durch Hammer-Purgstall mit der orient. Poesie näher bekannt geworden, die „Sagen aus dem Morgenlande (Lpz. 1834), dann Üübertragungen von Moores Das Paradies und die Periv (Wien 1835) und Byrons «Parisinav (Wien 1834) folgen. Die epische Dichtung Cristoforo Colombo » (Stuttg. 1836), eins seiner Hauptwerke, verschaffte ihm auch in Italien vielseitige Anerkennung. F., der der ärztlichen Laufbahn entsagt hatte, nahm 1838 zu Wien die Stellung eines Sekretärs und Archivars der Israelitengemeinde an und erhielt 1851 die Professur der Asthetik am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde des österr. Kaiserstaats und später auch die eines Schulrats der Stadt Wien. Im J. 1842 begann er die Herausgabe eines ersten Kunstblattes in Osterreich, die «Sonntagsblätter, das 1848 unterdrückt wurde. Bei Verkündigung der Preßfreiheit (14. März 1848) erschien von F. das erste censurfreie Gedicht «Die Universitäto, das in einer halben Million Abdrücken allgemeinste Verbreitung fand. Im J. 1856 reiste F. in den Orient, um eine von einer prager Dame mit 50000 Fl. nach Jerusalem gestiftete Lehranstalt zu begründen, was ihm auch nach Besiegung vieler Schwierigkeiten gelang. über seine Erlebnisse berichtete er in den beiden Werken Nach Jerusalem » (2 Bde., Lpz. 1858) und «Aus Agypten (Wien 1860). Neben „Cristoforo Colombos sind von seinen poetischen Leistungen hauptsächlich«Don Juan d'Austriav (Lpz. 1846), «Der Primatoro (Prag 1862; 3. Aufl., Lpz. 1864), die Epen «Tragische Könige » (Wien 1876) hervorzuheben. Einer frühern Zeit gehören an die Sammlung der «Gedichte » (3. Aufl., Lpz. 1840) und die biblisch-romantische Dichtung «Rahelo (Wien 1842 u. öfter). In den drei satirischen Dichtungen: «Hippokrates und die moderne Medizinv, „Die Charlatanev und «Die Cholerav (Wien 1853 —54), die rasch hintereinander fünf Auflagen erlebten, geißelte er mit kaustischem Witz den mediz. Charlatanismus. Die anonym erschienene Dichtung «Ein Magyarenkönigo (Lpz. 1850 u. öfter), in der er das freie Volkstum feierte, wurde in Pest von dem damaligen Kriegsgerichte öffentlich vernichtet. In dem «Helden- und Liederbuch »(Prag 1861; 2. Aufl., Hamb. 1863) sammelte F. seine kleinern Gedichte aus späterer Zeit, während die „Ahnenbildero (2. Aufl., Lpz. 1864) und «Libanon » (3. Aufl., Wien 1867) die poetischen Früchte seiner Reise in den Orient enthalten. Zur Säkularfeier der wiener Universität veröffentlichte er die Satire «Nach fünfhundert Jahren in Wien» (Opz. 1865). Von F.s übrigen Schriften sind noch Lenaus Biographiev (Wien 1854), seine Übertragungen serb. Volkslieder (EGusle, 2. Aufl., Wien 1852), «Zur Geschichte der Juden in Wien v (2.Aufl., Wien 1853) zu erwähnen. In der neuesten Zeit gab er die «Gesammelten Werkev seines Freundes Anast. Grün (Berl. 1877), 4Biographie der blinden Therese von Paradis (Wien 1878), „(Gesammelte . Mien Werkey (Wien 1880), 4«Gedichter (5. Aufl., Wien 1881) und „Zur Biographie Franz Grillparzerso (Wien 1883) heraus. Zugleich war seine Thätigkeit eine allgemein künstlerische und humanitäre. Hierher gehört die Errichtung eines Kinder-Blindeninstituts auf der Hohen Warte bei Wien. Im J. 1873 wurde von F. der erste Europäische Kongreß der Leiter und Lehrer von Blindeninstituten ins Leben gerufen, als dessen Präsident er fungierte. Bei Gelegenheit der Enthüllung des von ihm angeregten und ins Leben gerufenen Schiller⸗-Denkmals in Wien (10. Nov. 1876) erhob ihn der Kaiser von Ssterreich in den erblichen Ritterstand mit dem Prädikate von Hochwarto und verlieh ihm Wien das Ehrenbürgerrecht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 79Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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