FeedFranz (Rob.)
MusikBrockhaus 1882

Franz (Rob.), geschätzter Liederkomponist, geb. 28. Juni 1815 zu Halle, war bereits 14 J. alt, als er ohne Unterstützung von seiten seiner Angehörigen ganz auf eigene Hand sich die Elemente der Musik anzueignen suchte. Später erhielt er Unterricht von verschiedenen Lehrern. Als Schüler des Gymnasiums des Waisenhauses gewannen seine musikalischen Neigungen unter Leitung des dortigen Kantors in dem Maße die Oberhand, daß er sich entschloß, fortan die Musik zum Lebensberuf zu erwählen. Er ging 1835 nach Dessau zu Friedr. Schneider und studierte daselbst die Theorie der Tonsetzkunst, kehrte 1837 in das elterliche Haus zurück und begann nun ein ernstes Studium der Werke Bachs, während er sich zugleich mit den neuern Meistern bekannt machte. Neigung und natürliche Anlage führten ihn vorzugsweise der musikalischen Lyrik zu. Neben dem Einflusse Bachs war es vorzugsweise das deutsche Volks⸗ und Kirchenlied, welches bestimmend auf die Entwickelung von F.' musikalischer Begabung eingewirkt hat. Die zahlreichen Liederkompositionen, die er seitdem veröffentlicht und die eine weite Verbreitung erlangt haben, zeichnen sich vornehmlich durch Wealität der Textauffassung und durch schöne Stimmungsgemäßheit aus, welche letztere indes ihren Kern mehr in der reich ausgestatteten Pianofortebegleitung als in der gesungenen Weise (Melodie) hat. Hand in Hand mit dem Produzieren ging bei F. eine stets wachsende Teilnahme an Bachscher Kunst. Es eröffnete ihm dies insofern einen neuen Kreis der Thätigkeit, als er viele der Kirchenwerke des alten Tonmeisters ergänzend bearbeitete und herausgab, was später auch mit einigen Werken von Händel geschah. Diese oft gemachten Versuche, die alten Meister durch moderne Instrumentation zu erneuern, können insofern nie befriedigend ausfallen, als sie von einer irrigen Ansicht hinsichtlich des Wesens und der Aufführbarkeit der originalen Instrumentation jener Werke ausgehen. F. lebt zu Halle, wo er anfänglich als Organist an einer der Stadtkirchen thätig war, später aber die Leitung der Singakademie und der größern Konzertvereine übernahm, auch zum Universitätsmusikdirektor erwählt wurde. Ein Gehörleiden, welches auf F. einen wesentlichen Einfluß „ausübte, zwang ihn jedoch, die mit jenen Amtern verbundene öffentliche musikalische Thätigkeit ganz einzustellen. Vgl. Liszt, «Robert F.» (Lpz. 1872); Saran, «Robert F. und das deutsche Volks⸗ und Kirchenliedo (Lpz. 1875); La Mara, Musikalische Studienköpfer (Bd. 3, Lpz. 1875). „Franzbäume nennt man die auf schwach wachsende Grundstämme veredelten und hierdurch, wie durch den Schnitt, auf geringe Dimensionen betschränkten Obst⸗, vorzugsweise Apfel⸗ und Birnbäume. Bäume solcher Art wurden zuerst in Frankreich erzogen, fast zu gleicher Zeit in Holland; später verpflanzte sich die Liebhaberei an solchen [3Zwergbäumen auch nach Deutschland. Als F. bezeichnet man vorzugsweise die Pyramide, die Spindel, den Kessel⸗ und den Buschbaum. Die Früchte solcher Bäume, das sog. Franzo bst, sind infolge des durch den Schnitt herbeigeführten und unterhaltenen Gleichgewichts im Wachstum meistens besser entwickelt, schöner und größer, als die des Hochstammes, an dem ein jährlich wiederholter „Schnitt nicht wohl ausführbar ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 163Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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