FeedFranzensbad
GeschichteBrockhaus 1882

Franzensbad, früher auch Egerbrunnen oder Kaiser-Franzensbrunn genannt, einer der namhaftesten böhm. Badeorte in der Bezirkshauptmannschaft Eger, Knotenpunkt der Sächsischen Staatsbahnen, der Bayrischen Staatsbahn, der Kaiser-Franz-Josephsbahn und der Buschtiehrader Bahn, liegt 3½ km nördlich von Eger auf einer sanft gegen Süden geneigten Hochebene wischen den Ausläufern des Böhmerwaldes, des Fichtel⸗ und Erzgebirges), 449 müber dem Spiegel der Ostsee; das Klima ist ein gemäßigtes Gebirgsklima; gegen den scharfen Nordwind schützt das sächs. Erzgebirge; vorwiegend herrschen Südwest⸗ und Nordwestwinde. Obwohl schon aus dem 16. Jahrh. schriftliche Nachrichten von Kaspar Brusch, Georg Agricola, Günther von Andernach, Tabernomontanus u. a. über die Heilkräfte des &Schladaer Säuerlings o (der heutigen Franzensquelle) vorliegen, so wurde F. doch erst 1793 zum Badeort erhoben und nach Kaiser Franz benannt, dem daselbst auch ein Erzstandbild errichtet ist. F. bietet in seinen zum großen Teil geschmackvoll erbauten Häusern und in den mit Baumanlagen umgebenen Villen sehr günstige Einrichtungen zur Aufnahme zahlreicher Badegäste dar und besitzt außer einer s chönen Kolonnade wischen der Salz⸗ und Wiesenquelle) ein Kurhaus mit dem großen Kursaal und den der Stadt Eger Hopogen herrlichen Parkanlagen, ferner ein Badehospital für Unbemittelte und vier große Badeetablissements, das ältere Loimannsche, das neuere der egerer Stadtgemeinde und die beiden neuerbauten, das Cartellierische Badehaus und das Kaiserbad, welche sämtlich mit vorzüglichen Badeeinrich— An Heilmitteln besitzt F. neun Mineralquellen, die teils zum Trinken, teils zum Baden benutzt werden, eine Kohlensäuregasquelle und ein reichhaltiges Lager von Eisenmineralmoor. Die franzensbader Wässer sind Pesandterte ralee Eisensäuerlinge, deren Hauptbestandteile kohlensaures und schwefelsaures Natron, Chlornatrium, schwefelsaures Eisenoxydul und freie Kohlensäure sind und die sich im Vergleich zu andern Eisensäuerlingen vorteilhaft dadurch auszeichnen, daß in ihnen das Eisen von den minimalsten Mengen (in der Salzquelle) an in steigender Zunahme bis zum reichsten Gehalt der stärksten Eisensäuerlinge (in der Stahlquelle) vorfindet und daß das Verhältnis des Salzgehaltes und des Kohlensäurereichtums zum Eisen ein für die Verdauung außerordentlich günstiges ist, sodaß die franzensbader Wässer unter allen Eisenquellen Deutschlands am leichtesten verdaulich sind. Die Salzquelle (entdeckt 1819) ist ein milder alkalischer Glaubersalzsäuerling und hat den geringsten Eisengehalt (nur 0,r Gran in 16 Unzen); reicher an kohlensaurem Gas und Natronsalzen sind die Wiesenquelle und der kalte Sprudel: am ältesten und bekanntesten ist die Franzensquelle (früher Schladaer Säuerling, nach dem nahen Dorfe Schlada oder Egerbrunnen genannt), welche 0,23 Gran kohlensaures Eisenorydul und 38,91 Gran Natronsalze auf 16 Unzen Wasser enthält; von ähnlicher Zusammensetzung, aber weniger reich an festen Bestandteilen und freier Kohlensäure ist die Luisenquelle (seit 1806 bekannt); weitere wertvolle Eisensäuerlinge sind die kohlensäurereiche Neuquelle, die Loimannsquelle, die Stahlquelle, der stärkste Eisensäuerling F.s (0,8o Gran kohlensaures Eisenoxydul in 16 Unzen) und der Mineralsäuerling, welcher an Salzgehalt der Salzquelle nahe steht, aber reicher an Eisen und Kohlensäure ist. Neuerdings sind unweit F. zwei weitere als awestlicher und aöstlicher bezeichnete Quellen gefaßt und analysiert worden, welche sich gleichfalls als alkalisch-salinische Eisensäuerlinge charakterisieren. Die Temperatur der einzelnen Quellen schwankt zwischen 8,5 und 107 das stark perlende Wasser besitzt einen falzig prickelnden, erfrischenden Geschmack. Die Quellen zeigen sich wirksam gegen Blutarmut und Bleichsucht, gegen chronischen Luftröhren⸗-, Magen⸗, Darm- und Blasenkatarrh namentlich Blutarmer und geschwächter Personen, gegen Impotenz, Unfruchtbarkeit und Menstruationsstörungen sowie gegen chronische Ausschwitzungen der weiblichen Sexualorgane; auch gegen Nervenkrankheiten, namentlich Hysterie, Hypochondrie und Migräne, sowie gegen Störungen des venösen Blutlaufs im Becken und Unterleib, gegen Milz⸗ und Leberschwellungen finden die franzensbader Wässer mit Vorteil Verwendung. Für Trinkkur dienen vorzugsweise die Salzquelle, die Franzensquelle, die Wiesenquelle, der kalte Sprudel und die Stahlquelle. Der Franzensbader Moor, einzig in seiner Art durch seinen Eisenreichtum und weltbekannt, ist ein salinischer Eisenmineralmoor und übertrifft im Gehalte an schwefelsaurem Eisenoxydul und freier Schwefelsäure jeden andern therapeutisch verwendeten Moor. Er ist das Produkt der chem. Wechselwirkung zwischen einem ausgedehnten Moorlager und unzähligen dieses Moorlager durchziehenden und sättigenden alkalisch-glaubersalzigen Eisensäuerlingen, ein von Mineralsubstanzen innigst durchdrungener und mit ihnen chemisch verbundener Humus von der Modifikation, wie er sich in Torflagern vorfindet. Zu Bädern wird der durch längere Einwirkung der atmosphärischen Luft chemisch veränderte und an löslichen Eisensalzen, sowie freier Schwefelsäure reicher gewordene Moor verwendet, indem man die fein zerkleinerte Moorerde mit frischem Mineralwasser zu einem dünnern oder dickern Brei anrührt. Man verordnet solche Moorbäder vorwiegend gegen Blutarmut und Bleichsucht, chronische Rheumatismen und Gicht, chronische Ersudate und mannigfache Haut- und Nervenkrankheiten. Außerdem werden auch noch die oben genannten Mineralquellen zu Mineralbädern, die man nach der Schwartzschen (Stahlbäder) und Pfriemschen Methode (Mineralbäder) künstlich erwärmt, sowie die Gasquelle, eine starle Ausströmung von Kohlensäure, für sich allein in der Form von Bädern und Douchen verwendet F. zählt (1880) 154 Häuser (mit etwa 4000 Fremdenzimmern) und 2389 E., hat eine katholische, eine evangelische und eine (noch im Bau begriffene) russ. Kirche, eine Synagoge, ein großes Kurhaus und ein Theater; von Denkmälern sind zu erwähnen ein Standbild Franz' II. (von Schwanthaler), das Sachsenstiftungs-Monument und ein Monument für Dr. Adler, der sich fur die Gründung des Badeortes große Verdienste erworben. Die Frequenz von F. ist im steten Zunehmen begriffen und betrug in neuester Zeit durchschnittlich jährlich über 8000 Kurgäste; an Mineralwasser werden jährlich etwa 300 000 Krüge versandt. Litteratur: Cartellieri, «Das Klima und die Heilmittel von F.» (2. Aufl., Wien 1870); Hamburger, 4F. und seine Heilmittel in Beziehung auf die Krankheiten des Weibeso (Prag 1870); Fellner, „F. und seine Heilmittel in Beziehung auf die Krankheiten des Weibes» (Wien 1871); Klein, Die Heilmittel von F. mit besonderer Berücksichtigung ihrer Wirksamkeit in chronischen Frauenkrankheiten v (Wien 1874); Buberl, «Führer für Kurgäste und Besucher von F.» (1875); Sommer, «F. und seine Umgebungo (1876). Brauzenstelte Berg bei Brünn (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 164Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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