Marienbad, Stadt und berühmter Badeort Böhmens, in der Bezirkshauptmannschaft Tepl, von Karlsbad 37, von Eger 31 km entfernt, Station der Linie Pilsen-Eger der Franz-Josephs-Bahn, liegt in 628 m Meereshöhe an der südwestl. Abdachung des böhm. Mittelgebirges. Mit Ausnahme der offenen Südseite ist der Ort von sanft ansteigenden, mit Nadelhölzern bestandenen und von zahlreichen anmutigen Spazierwegen durchzogenen Bergen umgeben, an deren Fuß geschmackvolle Villen liegen. M. wurde 1868 zur Stadt erhoben und zählt gegen 2500 E. und 200 Häuser. Es bestehen im Orte eine kath., eine evang. und eine engl. Kirche, eine Synagoge und ein Lokal für russ. Gottesdienst, das die Post⸗ und Telegraphenämter, das Bürgermeisteramt, sowie Lese- und Unterhaltungssäle enthaltende Stadthaus, ein Theater, zwei Civil⸗ und ein Militärkurhospital zur Aufnahme mittelloser Kurgäste. Schon Kaiser Ferdinand J. hegte 1528 den Plan, in M. (am Auschowitzer Sauerbrunnen, dem jetzigen Ferdinandsbrunnen) eine Salzsiederei anzulegen, Und die Umwohner benutzten schon im 18. Jahrh. mit Erfolg die beim jetzigen Ort entspringenden Quellen. Doch wurde die Heilkraft erst im Anfang des 19. Jahrh. durch den tepler Stiftsarzt Nehr, dessen Bronzedenkmal seit 1857 die Kolonnade des Kreuzbrunnens ziert, gewürdigt und bekannt gemacht. Das größte Verdienst um den raschen Aufschwung M.is erwarben sich aber der dortige landesfürstliche Brunnenarzt Heidler Edler von Heilborn (1818— 57) und das Prämonstratenserstift Tepl, in dessen Besitz sämtliche Quellen und Badeanstalten M.s sich befinden und durch dessen liberale Unterstützung der Ort sich wesentlich vergrößerte und verschönerte. Dem hochverdienten Abt des Stifts, Reitenberger, wurde 1879 ein Standbild auf der Kreuzbrunnenpromenade errichtet. M. besitzt sehr zahlreiche Mineralquellen, von denen sieben (von einer Temperatur zwischen 9 und 11,8 C.) zur Trink⸗ und Badekur, eine achte, die Marienquelle, ausschließlich zur Badekur verwendet wird. Hinsichtlich ihrer Zusammensetzung teilt man die marienbader Quellen ein in: 1) Alkalisch-salinische oder Glaubersalzquellen, bestehend aus dem Kreuz⸗ und Ferdinandsbrunnen. Der Kreuzbrunnen enthält in einem Liter (1000 g) Wasser 4,953 g schwefelsaures Natron, 1,662 doppeltkohlensaures Natron, 1,1 Chlornatrium, 0,018 doppeltkohlensaures Eisenoxydul und 552,61 cem freie Kohlensäure. Der Ferdinandsbrunnen ist noch reicher an den genannten Bestandteilen; er enthält in einem Liter Wasser 5,47ng schwefelsaures Natron, 1,882 doppeltkohlensaures Natron, orydul und 1127 cem Kohlensäure. 2) Alkalischsalinische Säuerlinge: die Wald⸗ und Alexandrinenquelle, hauptsächlich doppeltkohlensaures Natron (0,776) neben geringen Mengen schwefelsauren Natrons (1,213) und andern Salzen enthaltend. 3) Reine Eisensäuerlinge: der Ambrosius- und Karolinenbrunnen, von denen der erstere bei einem Gesamtgehalt von 0,sos fester Bestandteile 0%66 doppeltkohlensaures Eisenoxydul und 1173,43 cem Kohlensäure enthält. 4) Einen er digen Kohlensäuerling, die Rudolfsquelle, früher Wiesenquelle genannt, welche analog dem Wildunger Wasser doppeltkohlensauren Kalk (O0,75), doppeltkohlensaure Magnesia (0,40) und Eisen (0,3) enthält. Die marienbader Trinkquellen, von denen der Kreuzbrunnen am meisten benutzt wird, erweisen sich besonders heilsam bei habitueller Stuhlverstopfung, chronischem Magen⸗ und Darmkatarrh, Leberschwellung, Gallensteinen und Hämorrhoiden, bei Fettherz und übermäßiger Fettsucht, Gicht, Blasenkatarrh, Hautkrankheiten, manchen chronischen Augen⸗ und Ohrenkrankheiten, sowie bei Gebärmutterleiden und gewissen Beschwerden des klimakterischen Alters. Außer den obengenannten Trinkquellen werden auch kohlensaure Gasbäder (seit 1818), Dampfbäder und Mineralmoorbäder (seit 1822) benutzt; der marienbader eisenhaltige Mineralmoor übertrifft an Eisengehalt alle bisher analysierten Moorerden. Die Zahl der jährlichen Kurgäste beträgt durchschnittlich 15000. Auch werden vom Kreuz⸗ und Ferdinandsbrunnen jährlich über eine Million Flaschen nach auswärts versendet. Ebenso werden die durch Abdampfen der Glaubersalzwässer gewonnenen Produkte, das marienbader Brunnensalz und Brunnenpastillen, in größern Mengen versendet. M. besitzt in der nähern Umgebung eine Reihe schöner Spazierwege und Aussichtspunkte, unter welchen der Mescerytempel, die Friedrich-Wilhelms- und Stephaniehöhe, die Jagdlaube, die Carola⸗ und Ottoshöhe, die Alexandrinenruhe, der Kaiserturm, die Hohendorfer Höhe und der Kreuzberg hervorzuheben sind. Zu weitern Ausflügen dienen der 4 kmeöstlich gelegene interessante 860 m hohe Basaltkegel Podhorn, 13 km östlich Stadt und Stift Tepl, 9 Em südlich Stadt und Schloß Plan mit schönem Park, 8 km nordwestlich der aufblühende Badeort Königswart. Litteratur. Kisch, Der Kurort M.» (Wien 1870); derselbe, M., seine Umgebung und seine Heilmittelv (Marienbad 1882); derselbe, «Arztlicher Ratgeber für kranke Frauen in M.» (Marienbad 1884); Lucca, „Zur Orientierung in M. v (11. Aufl., Marienbad 1883). Marienberg, Hauptort des preuß. Kreises Oberwesterwald, s. unter Wester wald.