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ReligionBrockhaus 1882

Französische Akademie (Académie frangaise), gegenwärtig die erste der fünf, das Institut de France (s. d.) bildenden Akademien, hat sich aus einer bescheidenen, ursprünglich sehr wenig zahlreichen Privatgesellschaft entwickelt. Ein Kreis von zehn, heute fast ganz vergessenen Männern, die auch keineswegs zu den hervorragenden ihrer Zeit gehörten, unter andern Godeau, Chapelain, de Gombault, de Malleville, Giry, hatten sich um 1629 in dem Hause eines Protestanten, Valentin Conrart, versammelt, um im traulichen, ungezwunenen Kreise ihre Gedanken über Kunst, Wissenschaft und Litteratur auszutauschen und auch sich über die Tagesneuigkeiten zu besprechen. Durch eine Indiskretion des Geistlichen de Boisrobert, der mit dem Kardinal Richelieu in genauer Beziehung stand, wurden die bisher geheim gehaltenen Munnter at diesem bekannt, und der geniale Minister fragte 1634 bei dem Cirkel an, ob derselbe nicht vorzöge, seine Verhandlungen unter dem Schutze und mit Unterstützung der Regierung fortzusetzen. Nach bejahender Antwort setzte ein königl. Edikt vom 29. Jan. 1635 die Gesellschaft als Akademie ein, die sich nach Verwerfung anderer Namen Académie francaise nannte. Der ursprünglich aus 10 Personen bestehende Kreis wuchs bis 1637 durch mannigfache Aufnahmen und endlich durch die von Balzac, de Vaugelas und de Voiture auf 40 an, und die Gesellschaft beschloß, diese Zahl nicht zu überschreiten. Richelieu blieb bis zu seinem Tode 1642 Protektor, hierauf folgte ihm der Kanzler Séguier bis 1672, und dann erklärte König Ludwig XIV., das Protektorat selbst übernehmen zu wollen, was auch seine beiden Nachfolger thaten. Ein Dekret des Nationalkonvents vom 8. Aug. 1793 hob alle Akademien auf, und mit ihnen verschwand für 23 Jahre die Académie frangaise. Mehrere ihrer berühmtesten Mitglieder, Bailly, Malesherbes, Nicolai, wurden hingerichtet, andere, wie Condorcet, starben eines gewaltsamen Todes; doch waren die Archive durch die Geistesgegenwart Morellets gerettet worden, sodaß, als Ludwig XVIII. am 16. Jan. 1816 das durch Dekret vom 25. Okt. 1795 geschaffene Institut de France als Komplex von vier Akademien organisierte, die wiederhergestellte Académie française die Tradition und die Folge ihrer Sitze nicht verloren hatte. Die Französische Akademie war zum Teil an die Stelle der zweiten Klasse des Instituts getreten; doch hatte man Cambaceres, Lucian Bonaparte, Sieyes, Maret u. a. ausgeschlossen und durch unbedeutende Leute ersetzt. Die Aufgabe der Französischen Akademie ist vor allem die Förderung der franz. Sprache und Litteratur: ihre Mitglieder bestehen daher vorzugsweise aus franz. Dichtern und Schriftstellern. Sie ist eine offizielle Wächterin über die Sprache: in dieser Beziehung ist ihr Hauptwerk das zuerst 1694 erschienene Dictionnaire de 'Académie françaiseo, an dem die Gesellschaft noch heute arbeitet. Ihre alten Traditionen und Reglements hat sie bis heute bewahrt, und so rekrutiert sie sich nicht allein aus Dichtern und Schriftstellern, sondern auch aus hochgestellten Personen, die Stellung mehr als Verdienst bezeichnen. Letzteres, wie ihr Koteriengeist, ist ihr oft vorgeworfen: bedeutende Leute blieben aus ihr entfernt, so einst Descartes, Pascal, Rotrou, Regnard, Moliere, J. B. Rousseau, Larochefoucauld, Beaumarchais, J. J. Rousseau, Lesage, Diderot, so jüngst Alexandre Dumas, Beranger, Balzac, Lamennais, Théophile Gautier. Sie hat weder korrespondierende noch auswärtige Mitglieder. Gewählte Mitglieder haben keinen Eintritt bis zu ihrer feierlichen Aufnahme durch den Akademiker, der zur Zeit des Todes des Vorgängers Direktor, d. i. dreimonatlicher Präsident war. Über die Entwickelung der Petite Académie, der heutigen Académie des inscriptions et belles lettres, s. Institut de Françe. Die Geschichte der Akademie haben geschrieben Pellisson und d'Olivet, Ilistoire de PAcadémie francaiser (2 Bde., 1730; zuletzt herausg. von Ch. L. Livet, 1858); eine andere Paul Mesnard 1857; vgl. auch Tastet, Ilistoire des quarante fauteuilss (1844). über die Ausgeschlossenen vgl. Arsene Houssaye, Mistoire du 41 tauteuil de l'Académie française (Par. 1855). 6101. ˙* Armee, s. unter Frankreich, . 104.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 167Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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