FeedFraunhofer (Jos. von)
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Fraunhofer (Jos. von), ausgezeichneter Optiker, geb. 6. März 1787 zu Straubing, war von seinem Vater, einem Glaser, anfangs für dieses Handwerk bestimmt, verlor aber seine Eltern frühzeitig und kam in seinem 12. Jahre als Lehrling zu dem Hofspiegelmacher und Glasschleifer Weichselberger in München. Dadurch, daß er beim Einsturze des Wohnhauses seines Lehrherrn 1801 verschüttet, aber glücklich gerettet wurde, erregte er die Aufmerksamkeit des Königs Maximilian Joseph von Bayern und erhielt nach seiner Genesung von diesem 18 Dukaten. F. kaufte dafür zunächst eine Glasschleifmaschine und beschäftigte sich nun mit dem Schleifen optischer Gläser und mit Gravierarbeiten in Metall. Daneben studierte er fleißig mathematische und optische Werke und machte sich besonders mit den Gesetzen der Lichtbrechung vertraut. Im J. 1806 wurde F. Optiker in dem mathem. Institut, welches Joseph von Utzschneider (s. d.), Georg von Reichenbach (s. d.) und Jos. Liebherr 1804 zu München begründet hatten. Hierauf errichtete er 1809 mit Reichenbach und Utzschneider zu Benediktbeuern das berühmte optische Institut, welches nach dem Ausscheiden Reichenbachs 1814 zunächst von F. und Utzschneider gemeinschaftlich, seit 1818 aber von ersterm allein fortgeführt und 1819 nach München verlegt ward. Hier wurde F. Mitglied der Akademie der Wissenschaften (1817) und (1823) Konservator des physik. Kabinetts derselben. Ein Jahr darauf ward er in den Adelsstand erhoben, starb aber schon 7. Juni 1826 in München. F. hat sich um die Verbesserung der Fernrohre und anderer optischer Instrumente die größten Verdienste erworben. Zunächst erfand er eine Maschine um Polieren großer, mathematisch genauer Kugellächen, dann begann er 1811 Flintglas zu bereiten, welches in allen Schichten dasselbe Brechungsvermögen besaß und das englische an Güte und Brauchbarkeit für optische Zwecke weit übertraf. In den J. 1814—17 wurden von ihm die fixen dunkeln Linien des Spektrums zuerst genau bestimmt und zur Messung der Refraktion und Dispersion seiner Glasflüsse benutzt; sie heißen noch heute nach ihm die Fraunhoferschen Linien und haben durch die Spektralanalyse (s. d.) eine anderseitige Wichtigkeit erlangt. Er entdeckte ferner die Beugungsspektra, d. h. vollkommen homogene Farbenspektra, welche ohne Prismen und nur durch die gegenseitige Einwirkung und Beugung der Lichtstrahlen entstehen, und leitete die diesbezüglichen Gesetze ab. Außerdem erfand und verbesserte er mehrere Instrumente, wie das Heliometer, das zum Messen im absoluten Maße bestimmte achromatische Mikroskop, das Kreis⸗ und Netzmikrometer, das repetierende Lampenfilarmikrometer, den parallaktischen Refraktor u. s. w. Unter den Instrumenten, die aus seiner Werkstätte hervorgingen, ist der Riesenrefraktor zu Dorpat (1824) eins der besten und schönsten. Seine Beobachtungen legte F. teils in den Denkschriften der Bayrischen Akademie, teils in Gilberts «Annalen der Physiko, sowie in Schumachers «Astronomischen Nachrichtens nieder. Nach F.s Tode ging die Direktion des optischen Instituts auf Georg Merz, geb. 26. Jan. 1793 zu Bichl bei Benediktbeuern, über, der bereits seit 1818 als Werkführer in demselben gearbeitet. Im J. 1830 ward Merz mit Franz Mahler (geb. 12. Aug. 1795 zu Staufen im Allgäu) Teilhaber und 1839 Eigentümer desselben. Nach Mahlers Tode (21. Juni 1845) gelangte das Institut in den alleinigen Besitz von Merz, der es seitdem in Gemeinschaft mit seinen Söhnen Ludwig (geb. 31. März 1817, gest. 16. März 1858 zu München) und Sigmund (geb. 6. Jan. 1820, seit 1858 unter der Firma 4G. und S. Merzo, fortführte. Unter Merz' Leitung lieferte das Institut unter anderm die großen Refraktoren für Berlin, Bogenhausen bei München, für Pulkowa und Cambridge in Nordamerika. Nach dem Tode von Georg Merz (12. Jan. 1867) ging das Institut auf seinen Sohn Sigmund über, welcher in neuerer Zeit sich namentlich mit der Verbesserung der Objektive des Mikroskops und mit der weitern Zerlegung der Fraunhoferschen Linien beschäftigt hat. Vgl. Merz, Das Leben und Wirken F.s »(Landsh. 1865). Ier, Speitrla Linien, s. unter Fraunhofer, Spektralanalyse und Spektrum.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 251Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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