Gärtuer (Friedr. von), ausgezeichneter Architekt, geb. 10. Dez. 1792 zu Koblenz, kam 1804 mit seinem Vater, der gleichfalls Baumeister war, nach München, wo er seine erste künstlerische Ausbildung erhielt. Hieran schlossen sich Reisen, 1812 nach Paris, 1814 nach Italien, wo er vier Jahre verlebte und die Ansichten der am meisten erhaltenen Monumente Siciliense herausgab. Nachdem er auch England besucht, wurde er 1820 auf den Lehrstuhl der Architektur an der münchener Akademie berufen. Bald reihten sich dieser Thätigkeit auch praktische Aufgaben an. Er stellte das Isarthor her, welches einzustürzen drohte, jedoch in vollljlommen modernfreier Umgestaltung. Mit Heinrich Heß betrieb er die Ergänzung und Restauration der Glasfenster des regensburger Doms, wobei er das Technische leitete. Diese letztere Arbeit bewog König Ludwig zur Errichtung einer eigenen Anstalt für Glasmalerei, wobei G., der bereits seit 1822 dem artistischen Zweige der Porzellanmanufaktur vorstand, die Leitung sämtlicher sowohl technischer als administrativer Arbeiten anheimfiel. Nach Vollendung des Isarthors wurde ihm der Bau der Ludwigskirche zu München übertragen, welche er im roman.⸗ital. Stil von weißem Kalkstein ausführte. Außerdem übernahm G. bei Ausführung der Ludwigsstraße in München noch folgende Bauten' die Bibliothek Universität und das gegenüberliegende Georgianum (1835—40), das Damenstift Sta.⸗Anna (1836—39), das Fräulein-Erziehungsinstitut, die Salinen-Administration (1838—42), die Feldherrenhalle (1840 —45). Zwischen diese Arbeiten fiel 1839 eine Reise nach Pisa, Neapel und Palermo, wo G. für die Anlage eines neuen Friedhofs zu München die ital. Kirchhöfe in Augenschein nahm. Diese neue Ruhestätte wurde 1842 begonnen und 1843 der Grundstein zum Siegesthor gelegt. Im J. 1840 ging G. mit einem großen Gefolge von Bauleuten und Malern nach Athen, um daselbst den nach seinem Entwurfe erbauten Wr Palast zu vollenden. Früher hatte er den Kursaal und die Brunnenbedachung in Kissingen ausgeführt (1833 —38). In Zittau baute er das Rathaus, in Bamberg restaurierte er den Dom, 1842 ward die Befreiungshalle bei Kelheim und 1843 das pompejanische Haus in der Nähe des königl. Schlosses zu Aschaffenburg begonnen. In seine letzten Lebensjahre fällt die Erbauung einer Restauration des Doms zu Speier und die Errichtung des wittelsbacher Palastes zu München. G. starb 21. April 1847. Kelheim wurde von Klenze, das Siegesthor von Metzger vollendet. G. vertritt in seinem Stil den ital. Romanismus und die dortige Frühgotik, und zwar in sehr klaren, bisweilen selbst trockenen Konstruktionsweisen und Formen. Seine Gebäude verdanken ihren Typus mehr einem schulmäßigen Nachahmen der Alten als selbständig künstlerischer Phantasie. Nach seiner Rückkehr aus Griechenland war G. schon zum königl. Oberbaurat ernannt worden; bei dem Abgange von Cornelius aus München wurde er Direktor der Akademie der Künste. Nützliche Reformen, zweckmäßige äußerliche Anordnungen zeichneten seine Verwaltung aus.