FeedFreising oder Freysing
ErdkundeBrockhaus 1882

Freising oder Freysing, unmittelbare Stadt im bayr. Regierungsbezirk Oberbayern, links an der Isar und der Linie München-Neufahrn-Regensburg-Eger der Bayrischen Staatsbahn, 31 Km im NNO. von München, in fruchtbarer und anmutiger Gegend am Rande des münchener Plateaus in 446 m Höhe über dem Meere gelegen, ist Sitz eines Amtsgerichts, Bezirksamts, eines Rentamts und eines Forstamts, einer Oberförsterei, hat einen Vorschußverein, ein großartiges, 1883 eröffnetes Waisenhaus, ein Spital, eine Rettungsanstalt, viele milde Stiftungen und zählt (1880) 8850 meist kath. E. Die schöne, im roman. Stil 1160 — 1205 erbaute, 1723 und 1724 modernisierte Domkirche hat zwei Türme, spätroman. Portal, drei Schiffe, Emporen und eine merkwürdige vierschiffige Krypte mit Kreuzgewölben. Sonst sind an Bauwerken noch die mit dem Dom durch den Kreuzgang verbundene Benediktuskirche mit prachtvollem Glasgemälde, die got. Gottesackerkirche (erbaut 1545), die got., 1440—44 erbaute Pfarrkirche mit ihrem 81 m hohen prächtigen Turme und der frühere bischöfl. Palast hervorzuheben. Das erzbischöfl. Klerikalseminar besitzt ein interessantes altes Madonnenbild (Lukasbild); auf dem Domplatze ist dem berühmten Bischof Otto von F. ein Denkmal errichtet. Von Unterrichtsanstalten bestehen zu F. eine Studienanstalt (Gymnasium und Lateinschule), ein erzbischöfl. Klerikal⸗ und Knabenseminar, eine Realschule mit Institut, ein kath. Schullehrerseminar und eine Präparandenschule. F. ist Garnison des Stabes, der 1., 4. und 5. Schwadron des 3. bayr. Chevaulégerregiments Herzog Maximilian. Die gewerbfleißigen Bewohner unterhalten Brauereien, Brennereien, Essigfabriken, eine Glasmalerei, große Ziegeleien, Kalkbrennereien, Kunstmühlen, 47½½%%% Maschinenfabriken und Dampfsägewerke. Die 1826 gegründete Blindenanstalt wurde 1836 nach München verlegt. Auf einem nahen Berge im WSW. von F. liegt die ehemalige, im 8. Jahrh. gegründete Benediktinersabtei Weihenstephan, 1802 säkularisiert, Weiler mit 150 E., jetzt Königliche Landwirtschaftliche Centralschule mit beträchtlichen Sammlungen, Musterwirtschaft, Obstbaumschule und Staatsbierbrauerei mit Brauerschule. Bemerkenswert ist auch das unmittelbar nordöstlich anschließende Dorf Neustift mit einem 1751 abgebrannten, aber wieder herrlich aufgebauten Prämonstratenserkloster, jetzt in eine Kaserne verwandelt, einer Pfarrkuratie, vielen Gewerben und 2379 meist kath. E. Die Stadt (mittellat. Frisinga, Frigisinga im Westergau), im Mittelalter eine wichtige Pflanzstätte für Kunst und Wissenschaft, war sonst der Hauptort des gleichnamigen reichsfreien, unter dem Hochstift Salzburg stehenden Bistums F., das auf 825 qakm gegen 27000 E. zählte. Dasselbe wurde 724 gegründet und erhielt als ersten Bischof den heil. Corbinian. Unter den Nachfolgern deselben sind besonders Otto (s. d.) von F. und der Brinz Ruprecht von der Pfalz (1495 — 98) zu erwähnen. Die Stadt wurde 955 von den Ungarn zerstört, dann befestigt, 976 vom Kaiser Otto II., 1082 vom Herzog Welf von Bayern und 1086 von den Sachsen erobert. Kaiser Ferdinand II. erhob den Bischof (Veit Adam, gest. 1651) von F. zum Fürstbischof; durch den Reichsdeputationshauptschluß von 1802 aber wurden dessen Besitzungen zum Teil an Pfalzbaiern, zum Teil an Ssterreich übertragen. Gegenwärtig residiert der Bischof von F. zu München und führt den Titel Erzbischof von München-F.. Vgl. Meichlbeck, «Geschichte der Stadt F. und ihrer Bischöfer (fortgesetzt von Baumgärtner, Freising 1855); Mayer, «Beschreibung des Erzbistums München-F.v (Münch. 1874); Hundt, „Die Urkunden des Bistums F. aus der Zeit der Karolingero (Münch. 1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 280Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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