Fürth, blühende Handels- und Fabrikstadt im bayr. Regierungsbezirk Mittelfranken, am Zusamwih beth der Pegnitz und der Rednitz, die nun Regnitz heißen, 300 meüber dem Meere, Knotenpunkt der Linien Passau-Regensburg-Nürnberg-Würzburg-Aschaffenburg und München-Ingolstadt-Bamberg-Hof der Bayrischen Staatsbahnen, außerdem mit Nürnberg durch die Ludwigs-Eisenbahn lerste deutsche Lokomotivbahn) seit 7. Dez. 1835 und durch die Pferdebahn seit 1881 verbunden, 6 km nordwestlich von Nürnberg, ist Sitz eines Landgerichts nebst Kammer für Handelssachen, eines Amtsgerichts, sowie eines Bezirksamts, Rentamts und eines Hauptzollamts, einer Reichsbank-Nebenstelle, einer Agentur der Bayrischen Notenbank, eines Spar- und Vorschußvereins, und zählt (1880) 31063 E., davon 23011 Protestanten, 4664 Katholiken und 3330 Juden. Die Stadt, in ihren neuern Teilen sehr regelmäßig angelegt, hat zwei evangelische und eine kath. Pfarrkirche, eine Haupt- und vier Nebensynagogen (erstere 1834 erbaut, 1865 fast völlig umgebaut), eine über 8000 Bände umfassende Stadtbibliothek und eine städtische Gemäldegalerie. In der got. Michaeliskirche (14. Jahrh.) befindet sich ein 8 m hohes spätgot. Sakramentshns zag Das neue, im ital. Stile erbaute Rataus ragt mit seinem 55 m hohen Turme weit über alle übrigen Gebäude. Ein neues großes Schlachthaus, an der Rednitz liegend und mit seinen Nebengebäuden eine Fläche von 5000 qm bedeckend, ist seit 1881 in Betrieb gesetzt. Von höhern Unterrichtsanstalten bestehen zu F. eine Realschule mit Handelsabteilung und eine lat. Schule, dann eine israel. Bürgerschule. F. ist auch Sitz eines franz. Konsularagenten und einer nordamerik. Konsulatsagentur. Die Bewohner treiben fast ausschließlich Gewerbe und Handel. Hauptgegenstände der Industrie, in der F. mit Nürnberg wetteifert, sind vor allem die sog. Nürnberger Waren, namentlich Spiegel (in 80 Fabriken mit über 2000 Arbeitern), geschlagenes Gold und Metall, Bronze, Bronzefarben, Brokat, Stahlbrillen und optische Instrumente, Möbeln, Maschinen, insbesondere Brauereieinrichtungen und Feuerlöschmaschinen, Gürtlerarbeiten, Zinnfiguren, Drechslerwaren aus Metall, Elfenbein u. s. w., Cichorien, künstliche Blumen, chirurg. Instrumente, Buchbinder⸗ und Kartonagewaren, bunte Papiere, Kinderspielzeug, Ultramarin, Bleistifte, Kisten, Leim, Nachtlichter u. s. w. F. besitzt auch bedeutende Bierbrauereien mit großem Export. Nahezu 50 Fabriken arbeiten mit Dampfmaschinen größerer Gattung; daneben werden noch eine große Anzahl Gasmotoren und die bedeutenden Wasserkräfte der Pegnitz und Rednitz für die Fabrikation verwendet. Der sehr schwunghaft betriebene Handel erstreckt sich hauptsächlich auf die Ausfuhr der inländischen Industrieerzeugnisse, während der eigentliche Produktenhandel, mit Ausnahme des in F. sehr bedeutenden Hopfenexports, eine untergeordnete Stelle einnimmt. Die Handelshäuser F.s haben Beziehungen zu allen Weltgegenden und folgen rasch allen neuen Richtungen des allgemeinen großen Verkehrs. Der Speditions⸗ und Wechselhandel ist sehr ausgedehnt (10 Bank⸗ und Wechselgeschäfte); die elftägige Mischaelismesse ist stark besucht. Im SW. der Stadt, [drei Viertelstunden von dieser entfernt, bei Zirndorf, befindet sich auf einer Anhöhe an der Rednitz die Alte Veste, Ruine und Aussichtsturm mit großartiger Weitsicht, ringsum mehrfache Spuren der Schlacht vom 24. Ang. 1632 zwischen Wallenstein und Gustav Adolf. Des letztern Hauptquartier zu F. war damals im Gasthof zum Grünen Baum in der noch jetzt nach ihm benannten Straße. Einer ziemlich glaubwürdigen Sage nach hat Karl d. Gr. 793 bei seiner Anwesenheit in der Nähe der Vereinigung der Pegnitz und Rednitz die Martinskapelle erbauen lassen, und der Ort, der hier entstand, wurde F. genannt. F. ist weit älter als hier 19. März 907 eine Urkunde. Wappen: ein silbernes Kleeblatt auf grünem Grunde, zum Andenken an die Markgrafen von Ansbach, die Dompropstei in Bamberg und die Reichsstadt Nürnberg, welche alle drei daselbst unter fortwährenden Konflikten Souveränetätsrechte ausübten bis zum J. 1792, wo F. zu Preußen kam, welches die Industrie des damaligen Marktfleckens mächtig förderte; F. kam 1806 an Bayern und erhielt im J. 1818 —4⁷ sche Verfassung. Im Dreißigjährigen Kriege hat F. außerordentlich gelitten. Gustav Adolf hatte im Juni 1632 sein Hauptquartier daselbst. Im J. 1634 wurde es von den Kroaten bis auf ein paar Häuser niedergebrannt.