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GeschichteBrockhaus 1882

Fridericianischen Staatsverwaltung: beides aber war nur dem Wohl des Ganzen gewidmet. Mit Rußland schloß er zum Schutz Schlesiens 11. April 1764 ein Bündnis auf acht Jahre, infolge dessen er auch die Wahl des neuen Königs von Polen, Stanislaus Poniatowski, und die Sache der ihm wenig genehmen Dissidenten in Polen unterstützte. Vorübergehend war eine Annäherung Ssterreichs an zreußen, die durch die Zusammenkunft F.s und Josephs II. in Neisse und Mährisch-Neustadt (1769 und 1770) bestärkt ward und in Rußlands drohentder Haltung gegen die Türkei ihren Ursprung hatte. Die schweren Verwickelungen, welche 1771—72 durch das Vorgehen Rußlands gegen Polen und gegen die Türken, sowie durch Ssterreichs feindliche Haltung Preußen in einen neuen europ. Krieg, dem es nicht gewachsen war, zu ziehen drohten wendete F. unter ängstlichen Sorgen endlich no ab durch die Teilnahme an der von Rußland erdachten, von Österreich zuerst in Ausführung gebrachten ersten Teilung Polens (5. Aug. 177²½. 8. erhielt Polnisch-Preußen (welches 1466 vom utschen Orden an Polen überlassen worden war), doch mit Ausnahme von Danzig und Thorn, und Großpolen bis an den Netzefluß. Diese Erwerbung stellte endlich die Verbindung zwischen Preußen mit Pommern und der Mark he; auf die Hebung der Kultur des unter Polen Lesonde verkommenen Landes verwandte F. ganz besondere Sorgfalt. Stets auf seiner Hut vor den Vergrößerungsplänen Kaiser Josephs II., erklärte er 1778 gegen die Besetzung Niederbayerns dur die Osterreicher, nachdem der Kurfürst von Bayern, ai den Kurf kinderlos gestorben und dieses Land an den Kurfürsten Karl Theodor von der Pfal als nächsten Erben gefallen war. Denn obgleich der letztere in eine Abtretung ½½Ht hatte, uutmaßlich doch im Vertrauen auf F.s Schutz der mutmaßliche Erbe von Pfalzbayern, der Herzog von Baperm aus (nachmals König Maximilian I. von Bayern), dieser Abtretung, sowie der Kurfürst von Sachsen, der gerechte Ansprüche auf die bayr. Unterhandlungen von seinem Plane zurückgebracht werden konnte, verband sich Sachsen mit Preußen, und F. rückte im Juli 1778 mit zwei wohlgerüsteten Heeren in Böhmen ein, wagte jedoch nicht, den in einem festverschanzten Lager eph der Elbe bei Jaromierz stehenden Kaiser Joseph II. anzugreifen. Nach wenigen unbedeutenden Gefechten und langen Unterhandlungen kam es endlich, besonders auf Betrieb der Maria Theresia, zum Frieden, der zu Teschen 13. Mai 1779 geschlossen wurde. Osterreich willigte in die Vereinigung der fränk. Fürstentümer mit Preußen und hob die Lehnshoheit Böhmens über diese Länder auf. A erlangte 1780 nach dem Erlöschen des Hauses Mansfeld denjenigen Teil der Grafschaft Mansfeld, der unter magdeburger Hoheit stand und bereits seit 200 Jahren administriert worden war. In Verbindung mit nach den und Hannover schloß F. am 23. Juli 1785 noch den deutschen Fürstenbund (s. d.), in dem er die Verfassung Deutschlands gegen die Eingriffe Josephs II. zu schutzen suchte. Eine unheilbare Wassersucht beförderte den Tod des Königs. Er starb zu Sanssouci 17. Aug. 1786 und wurde in der Garnisonkirche zu Potsdam beigesetztt. Der König hinterließ seinem Neffen, Friedrich Wilhelm II., ein um 72 958 akm vergrößertes Reich, einen Schatz von mehr als 70 Mill. Thlr., ein Heer von 200000 Mann, ein hohes Ansehen bei allen europ. Mächten und einen durch Bevölkerung, Gewerbfleiß, Wohlstand und wissenschaftliche Bildung kräftig emporgehobenen Staat. F.s thatenvolles Leben hatte seine Zeitgenossen mit so hoher Achtung erfüllt, daß sie den Beinamen des Großen zu gering für ihn hielten; sie nannten ihn den Einzigen. Er bewies sich als den Erben aller Vorzüge, nicht aber der Fehler seines Vaters, als der Friedens⸗ und der Kriegskünste mit gleich hohem Talente Meister, der Preußen aus der untergeordneten Stellung zu einer der geachtetsten Mächte Curopas erhob. Zu F.s Fehlern rechnet man seine einseitige Verstandesrichtung, die, mit Menschenverachtung und Argwohn gepaart, die Gefühle des Herzens auszuschließen schien, seine Hinneigung zu franz. nnder. und Litteratur und seine Geringschätzung der Religion, besonders der christl.lirchlichen Institutionen. Bei seiner gänzlichen Unbekanntschaft mit der deutschen geistigen Bildung achtete er diese gering und trug selbst nichts zu ihrer Vervollkommnung bei. F.s Regierung war eine Selbstregierung, und die Folgen derselben zeigten sich am nachteiligsten in der Civiladministration, die immer mehr zur Maschine ward. Die Stärke des Staats, die in der Nation und der Verwaltung liegt, sah er nur in seiner Armee und seinem Schatze. Aber, was allen Tadel, alle Fehler und Mängel des großen Mannes überstrahlt: er betrachtete sich nur als den ersten Diener des Staats, und der große Gedanke seines Lebens war: Als König denken, leben, sterben. Die am 31. Mai 1851 enthüllte Reiterstatue F.s am Ende der Linden zu Berlin ist das Meisterwerk Rauchs und zugleich eins der großartigsten Denkmale der neuern deutschen plastischen Kunst. (S. Tafel: Bildnerei VII, 2.) Das am 7. Nov. 1878 zu Brieg enthüllte Denkmal des Königs ist von Sußmann-Hellborn modelliert und in der Anstalt von Howaldt in Braunschweig gegossen. Das 1793 enthüllte Standbild F.s in Stettin ist von Schadow (s. Tafel: Bildnerei VI, 10). Die hinterlassenen prosaischen Werke F.s betreffen vorzüglich Geschichte, Staatswissenschaft, Kriegswissenschaft, Philosophie und Litteratur überhaupt. Seine sämtlichen Schriften sind enthalten in den Sammlungen: «Oeuvres publiées du vivant de Pauteuro (4 Bde., Berl. 1789), (Oeuyres posthumes de Frédéric II5 (15 Bde., Berl. 1788, und 2 Supplementbände 1789), — und kritischer in den Oeuvres complètesv (20 de., Hamb. und Lpz. 1790, und 24 Bde., Potsd. 1805). Ins Deutsche wurden sie übersetzt von Biester, Zöllner, Sander (19 Bde., Berl. 1789), Cronbach (Volksausgabe, Berl. 1874 fg.) und Merkens (Ausgewählte Werker, Bd. 1 u. 2, Würzb. 1873—475, «Kriegswissenschaftliche Schriftens, Jena 1876). Die „Oeuvres historiques de Frédéric-le-Grand (4 Bde., Lpz. 1830) enthalten die cMémoires hour Servir & Phistoire de Brandebourgo, die «llis toire de mon tempso, die Mistoire de la guerre de sept anso, die Mémoires depuis la paix de Hubertsbourg 1763 jusqu'à la fin du partage de la Polognes und die Mémoires de la guerre de 1778. Eine neue große, vollständige und prachtvolle monumentale Ausgabe der Oeuyrese des großen Königs ließ König Friedrich Wilhelm IV. durch die berliner Akademie unter Leitung von Preuß veranstalten. Dieselbe erschien 1846—57 in zwei Ausgaben, einer Prachtausgabe mit Kupfern, und einer einfachern ohne dieselben, aber mit den Karten, Plänen und Faksimiles) in 30 Bänden, von denen 7 die histor., 2 die philos., 6 die poetischen Werke,‚, 12 die Korrespondenz und die 3 letzten Bände die militärischen Werke umfas⸗ „sen. Der 31. Band des Ganzen bildet die Lable „1857), welchem auch ein Deideneden il. älsch⸗ „lich beigelegten Schriften beigegeben ist. ie Mis- „toire de mon tempso in der Redaction von 1746 gab Posner (Opz. 1879) heraus, F.s des Großen militärische Schriften von Taysen (2 Tle., Berl. 1880—81); die Polit. Korrespondenz F.s des Großeno R. Koser (Bd. 1—9, Berl. 1879—82). Aus der umfangreichen Litteratur über F. d besonders hervorzuheben: die Schriften von reuß (s. d.); F. Förster, Leben und Thaten F.s des Großeno (2. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1842); derselbe, «F. der Große, geschildert als Mensch, Regent und Feldherry (4. Aufl., Berl. 1860); Kugler, „Geschichte F.s des Großeno (mit Holzschnitten von A. Menzel, Lpz. 1860; neue Aufl 1875); Carlyle, History of Friedrich II of Prussia, called Frederick the Greato (4 Bde., Lond. 1858— 65; deutsch von Neuberg, Berl. 1858 fg.); Droysen, F. der Großer (Bd. 1—3, Lpz. 1874—81, den 5. Tl. der „Geschichte der preuß. Politiko bildend); A. Beer, Die erste Teilung Polenso (3 Bde., Wien 187³½ Duncker, «Aus der Zeit F.s des Großen und Wilhelms III. (Lpz. 1876); Gräfin von Voss, „Neunundsechzig Jahre am preuß. Hofen (Lpz. 1876); L. von Ranke, Die deutschen Mächte und der Fürstenbundo (Lpz. 1875); derselbe, F. der Große. AuiSe Wilselbe IV. Zwei Biographieno (Berl. 1878); derelbe, Zwölf Bücher preuß. Geschichtes (Bd. 3—5, 2. Aufl., Lpz. 1879); „Miscellaneen zur Geschichte König F.s des Großen. Herausgegeben auf Veranlassung und mit Unterstützung der königl. preuß. Archivverwaltunge (Berl. 1879); Hamilton, «Rheinsberg, R der Große und Prinz Heinrich von Preußen. Aus dem Englischen von Dielitzn (2 Bde., Berl. 1882—83); von Bernhardi, F. der Große als Feldherro (2 Bde., Berl. 1881); M. Lehmann, „Preußen und die katholische Kirche seit 16405 (Bd. 2 u. 3, Lpz. 1882); Stadelmann, «Preußens Könige in ihrer Thätigkeit für die Landeskultur. II. Teil: F. der Großen (Lpz. 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 330Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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