Stanislaus I. Leszezynski, König von Polen, geb. zu Lemberg 20. Okt. 1677. Sein Vater war Rafael Leszezynski (s. d.). Im Besitze der großen Herrschaften Reisen und Lissa in Großpolen, wurde er, nachdem er die Höfe in Wien, Rom und Paris besucht hatte, zum Wojwoden von Posen erhoben und 1704 von der Konföderation in Warschau an Karl XII. geschickt, als dieser August II. (s. d.) des poln. Throns für verlustig erklärt hatte. S. machte einen so vorteilhaften Eindruck auf Karl XII., daß dieser ihn auf den poln. Thron zu heben beschloß und es bewirkte, daß S. 12. Juli 1704 vom Reichstage zu Warschau wirklich gewählt wurde. Am 4. Okt. 1705 erfolgte seine und seiner Gemahlin Katharina Opalinska Krönung, und zu seinen Gunsten mußte August II. im Frieden zu Altranstädt der Krone Polens entsagen. Doch nur bis zur Schlacht bei Pultawa vermochte S. sich in Polen zu halten: er mußte flüchtig werden und ging nach Pommern, von da nach Schweden, wo er eine Zeit lang zurückgezogen lebte. Um den Frieden herbeizuführen, war er bereit, auf die Krone zu verzichten, und unternahm in der Abiicht, Karls XII. Zustimmung hierzu zu erlangen, sogar eine Reise nach der Türkei. In der Moldau verhaftet, wurde er vom Hospodar nach Bender geschickt und hier bis 1714 festgehalten. Hierauf überließ ihm Karl XII. das Herzogtum Zweibrücken, wo ein Angriff, den ein sächs. Offizier auf sein Leben machte, mißlang. Nach dem Tode Karls XII. wies ihm der franz. Hof Weißenburg im Elsaß zum Aufenthalt an, und von hier aus wurde 1723 seine Tochter Maria mit Ludwig XV. vermählt. Nach Augusts II. Tode rief ihn eine Partei in Polen, die von Frankreich unterstützt wurde, wieder zum Könige aus, und S. begab sich selbst nach Warschau, darauf nach Danzig. Doch August III. (s.d.) behielt die Oberhand, Danzig wurde von den Russen eingeschlossen, und mit Mühe und Gefahr entging S., als Bauer verkleidet, der russ. Gefangenschaft nach Marienwerder, von wo aus ihm in Königsberg eine Zuflucht gewährt wurde. Die wiener Friedenspräliminarien vom 3. Okt. 1735 setzten endlich fest, daß S. der poln. Krone entsagen, jedoch auf Lebenszeit den Titel eines Königs von behalten sollte; seiner Familie wurden die in Polen eingezogenen Güter zurückgegeben, er selbst kam auf Lebenszeit in den Besitz der Herzogtümer Lothringen und Bar, welche sodann an Frankreich fielen. In Luneville und Nancy residierend, erwarb sich S. allgemeine Liebe. Ein Unfall endigte sein Leben. Am Kamin sitzend, wurde er vom Feuer ergriffen und starb an Brandwunden, 23. Febr. 1766. Seine „Oeuvres du philosophe bienfaisanto (4 Bde., Par. 1765; neue Ausgabe 1850) sind philos., moralischen und polit. Inhalts.