FeedTreuck (Friedr., Freiherr von der)
GeschichteBrockhaus 1882

Treuck (Friedr., Freiherr von der), ein Vetter des vorigen, geb. 16. Febr. 1726 zu Königsberg i. Pr., besuchte schon in seinem 13. Jahre akademische Vorlesungen an der dortigen Universität, nahm 1742 preuß. Kriegsdienste und wurde beim Ausbruch des zweiten Schlesischen Kriegs 1744 Ordonnanzoffizier Friedrichs d. Gr. Angeblich verdächtig, mit seinem etter, dem kaiserl. Pandurenobersten Franz von der Trenck (s. d.), in einem geheimen Einverständnisse zu stehen, oder, wie andere meinen, wegen eines zarten Verhältnisses mit einem Gliede der königl. Familie, ließ ihn der König nach dem Donjon non Glatz bringen. Mehrmalige Versuche zur Flucht vermehrten den Verdacht und Unwillen des Königs. Allein 1747 entkam T. doch und machte nun durch Mähren, Polen und Preußen eine Fußreise von 1260 km zu seiner Mutter. Darauf wendete er sich an Franz von der Trenck nach Wien, der aber bereits im Gefängnisse saß und ihn sehr übel aufnahm. Er wurde 1749 kaiserl. Rittmeister bei einem Kürassierregiment, lebte dann längere Zeit in Moskau und ging hierauf nach Danzig, um die Erbschaft seiner Mutter zu heben. Hier wurde er, obschon er in österr. Diensten stand, auf Friedrichs II. Befehl verhaftet und nach Magdeburg in ein für ihn eingerichtetes Gefängnis in der Sternschanze gebracht, das man noch gegenwärtig zeigt. Er versuchte sich zu befreien, zog sich aber dadurch ein noch härteres Gefängnis zu, indem er an Händen, Füßen und Leib mit eisernen, 68 Pfd. schweren Fesseln angeschmiedet wurde, welche man beim Ausbruch des Siebenjährigen Kriegs noch verstärkte. Die fortgesetzten und mit großer Klugheit angelegten Entwürfe, sich zu befreien, mißglückten ihm, und erst im Dez. 1763 wurde er aus seinem Gefängnis entlassen und nach Prag gebracht. Auch dort, in Wien, Aachen, Spaa und Mannheim, zog er sich durch seine freimütigen, zum Teil aber auch vorlauten Urteile und Schriften viele Verfolgungen u und verlor durch sie einen großen Teil seines Vermögens. Friedrich Wilhelm II. gab ihm nach seinem Regierungsantritt seine in Preußen eingezogenen Güter wieder. Beim Ausbruch der Revolution ging er nach Paris, wo ihn Robespierre 25. Juli 1794 als einen angeblichen Geschäftsträger fremder Mächte guillotinieren ließ. Sein Schicksal war wenigstens zum Teil ein unverdientes. T.s Schriften fanden vielen Beifall, besonders seine Lebensgeschichte (4 Bde., Berl. u. Wien 1786, von ihm selbst ins Französische übersetzt, Par. 1789). Die übrigen Schriften sind enthalten in „T.s sämtliche Gedichte und Schrifteno (S Bde., Lpz. Wien! 1786). Vgl. «Freiherr Friedrich von der T.„(3. Aufl., 3 Bde., Celle 1868). Trenesin, s. Trentschin. Trendelenburg (Friedr. Adolf), deutscher Philosoph, geb. 30. Nov. 1802 zu Eutin, besuchte das dortige Gymnasium und widmete sich dann zu Kiel, Leipzig und Berlin philol. und philos. Studien. Nachdem er 1826 promoviert und dann fast sieben Jahre im Hause des Generalpostmeisters von Nagler als Hauslehrer thätig gewesen, wurde er 1833 Professor an der Universität zu Berlin, 1846 Mitglied der Akademie der Wissenschaften, als deren Sekretär in der histor.⸗philos. Klasse er von 1847 bis zu seinem Tode fungierte. T.s Studien waren vorzugsweise der alten Philosophie, besonders dem Aristoteles zugewendet. In dieser Richtung veröffentlichte er seine «Elementa logices Aristotelicaes (Berl. 1837; 8. Aufl. 1878), Erläuterungen zu den Elementen der Aristotelischen Logiko (3. Aufl., Berl. 1876) und die «Geschichte der Kategorienlehres (Berl. 1846), welche den ersten Band seiner «Histor. Beiträge zur Philosophiev bilden; schon 4—* hatte er des Aristoteles Schrift „De animas (Berl. 1833) herausgegeben und kommentiert. In den Logischen Untersuchungen (2 Bde., Berl. 1840; 3. Aufl., Lpz. 1870) trat er kritisch gegen Kant, Hegel und Herbart auf und suchte zugleich den Grund zu einem System zu legen, welches in der innern Zweckmäßigkeit und der konstruktiven Bewegung die idealen Grundpunkte für eine organische Weltanschauung erkennen will. Die von ihm bekämpfte Hegelsche Dialektik ist dabei unbewußt kopiert, indem nur der Hegelsche Begriff der «Entwickelung' oder des gewigen Werdenso in jener sinnlichen Gestalt als „(Bewegungo auftritt und daraus sowohl die ideale als auch die reale Welt abgeleitet werden soll. Polemisch schrieb T. Die logische Frage in Hegel's Systemy (Berl. 1843) und gegen Drobisch aüber Herbarts Metaphysik und eine neue Auffassung derselbene (Berl. 1853). Für die «Abhandlungeno der Akademie der Wissenschaften lieferte T. mehrere Beiträge zur Geschichte der Philosophie und deren Kritik (gesammelt in den 4Histor. Beiträgen zur Philosophies, Bd. 2 u. 3, Berl. 1856—67). Ausführungen seiner eigenen philos. Ansicht bietet das Naturrecht auf dem Grunde der Ethik' (Lpz. 1860; 2. Aufl. 1868). Kleinere Schriften sind: 4Die sittliche Idee des Rechtse (Berl. 1849), «Rafaels Schule von Athen⸗ (Berl. 1843), Das Ebenmaß, ein Band der Verwandtschaft zwischen der griech. Archäologie und griech. Philosophies (Berl. 1865), «über die Methode der Abstimmungeno (Berl. 1851), Lücken im Völkerrechto (Lpz. 1870). Sein letztes Auftreten in der philos. Litteratur war ein äußerst unglückliches. Als er gegen Kuno Fischers (s. d.) Darstellung der Kantschen Lehre eine persönlich gereizte Broschüre «Kuno Fischer und sein Kanto⸗ (Lpz. 1869) schrieb, wurde er durch dessen Gegenschrift »Anti-Trendelenburge auf das glänzendste widerlegt und zurückgewiesen. Er starb 24. Jan. 1872 zu Berlin. Seine kleinern Arbeiten und Vorträge erschienen gesammelt unter dem Titel «Kleine Schriften v (2 Tle., Lpz. 187. Vgl. Bonitz, Zur Erinnerung an Friedrich Adolf T.» (Berl. 1872); Bratuschek, „(Adolf T.v (Berl. 1873).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 824Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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