FeedSchlesischen Kriegso
GeschichteBrockhaus 1882

Schlesischen Kriegso (2 Bde., Gotha 1881.) weiter Schlesischer Krieg. Nicht ohne Besorgnis sah indes Friedrich die siegreichen Fortschritte, die nach diesem Frieden die Waffen Maria Theresias gegen ihreübrigen Feinde machten. Hierzu kam, daß zu Worms 23. Sept. 1743 zwischen Österreich, Großbritannien, den Generalstaaten und Sardinien ein förmliches Bündnis geschlossen wurde, in welchem Maria Theresia alle Länder, die sie vermöge der Pragmatischen Sanktion besitzen sollte, also auch Schlesien, gewährleistet wurden, und dem sich bald darauf auch Sachsen anschloß. Nachdem hierauf Friedrich sich mit dem Kaiser Karl VII. (Albrecht) 22. Mai 1744 zu einem neuen Bunde vereinigt, rückte er mit der Erklärung, daß er nur zum besten der deutschen Reichsfreiheit, zur Erhaltung des kaiserl. Ansehens und zur Erwirkung des Friedens in die Waffen trete, im August mit 80000 Mann in drei Kolonnen in Böhmen ein, eroberte 16. Sept. Prag, besetzte Tabor, Budweis und rauenberg und bedrohte so das Erzherzogtum Esterreich. Aber das Erscheinen der österr. Armee im nördl. Böhmen, sowie die abermalige Erhebung der Ungarn zum Schutze ihrer Königin, die feindselige Stimmung der Einwohner gegen die Preußen und das Auftreten einer sächs. Hilfsarmee brachten Friedrich in so unvorteilhafte Lage, daß er Prag und Böhmen räumen mußte. Die Ssterreicher rückten nun in Oberschlesien und in die Grafschaft Glatz ein, zogen sich aber bei der Annäherung des Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau und des Generals Nassau nach den unglücklichen Gefechten bei Ratibor und bei Habelschwerdt nach Mähren zurück. Mit verstärkter Macht drangen sie jedoch bald darauf wieder durch den Paß von Landeshut in Schlesien ein, wo Friedrich seine Armee versammelt hatte. Am 4. Juni kam es bei Hohenfriedberg zwischen Karl von Lothringen mit 96 000 Mann und dem Könige mit nur 70000 Mann zur Schlacht. Die Sachsen, von den Ssterreichern ohne Unterstützung gelassen, wurden zuerst geschlagen. Hierauf griff Friedrich auch den Prinzen Karl selbst an und gewann einen vollständigen Sieg. Friedrich folgte den Österreichern nach Böhmen, um im feindlichen Lande sein Winterquartier zu halten, und bedrohte ugleich mit einem Heere von 12000 Mann unter dem Fürsten von Dessau von Magdeburg aus den Kurfürsten von Sachsen. Allein zur Fortsetzung des Angriffs zu schwach und durch die Einfälle der Ungarn und die durch Verrat erfolgte Eroberung der Festung Kosel um Schlesien besorgt gemacht, suchte er den Rückweg, von dem dreimal stärkern Feinde gefolgt. Bei Sorr erreichte endlich Karl von Lothringen mit 40000 Mann 30. Sept. die nur 18000 Mann starke preuß. Armee, und Friedrich sah sich zur Schlacht genötigt, in welcher er jedoch, durch das Terrain begünstigt, mit einem Verluste von 3000 Mann siegte, während die Ssterreicher 4000 Tote, 2000 Gefangene, 22 Kanonen und 12 Fahnen verloren. Friedrich setzte hierauf den Rückzug nach Schlesien fort, übergab dann dem Fürsten von Anhalt den Oberbefehl und ging nach Berlin. Hier erfuhr er auf geheimem Wege den Plan des Prinzen von Lothringen, mit seinem Heere nach Sachsen zu rücken und von da aus vereint mit den Sachsen gegen Berlin vorzudringen. Sogleich eilte er, den General Hake mit 5000 Mann zur Deckung Berlins zurücklassend, nach Schlesien zurück, sammelte sein Heer, täuschte durch Scheinmärsche die Feinde, überfiel die Sachsen bei Hennersdorf in der Lausitz und schreckte dadurch den Prinzen von Lothringen so, daß dieser mit einem Verlust von 4000 Mann sich eilig nach Böhmen zurückzog. Unterdessen hatte Friedrich auch den Fürsten von Dessau mit 12000 Mann von Halle gegen Dresden vorrücken lassen und ihm später noch den General Lehwaldt mit 7000 Mann nach Meißen entgegenesendet. Mit diesen vereinten Truppen rückte der Fürst von Anhalt gegen die Sachsen vor, welche bei Kesselsdorf in wohlverschanztem Lager standen, während der Prinz von Lothringen mit seinem Korps in Dresden eingetroffen war. Nach dreimaligem Angriff eroberte er das Dorf Kesselsdorf, den Schlüssel der sächs. Stellung, nahm hierauf die Sachsen in die Flanke und schlug sie, während die OÖsterreicher müßige Zuschauer abgaben, 15. Dez. mit einem Verlust von 3000 Toten und Verwundeten, 6700 Gefangenen und 48 Kanonen so völlig, daß der Fürst von Dessau einige Tage darauf Dresden ohne Widerstand besetzte. Nunmehr kam durch Vermittelung Georgs II. von England zwischen Sachsen, Osterreich und Preußen der Friede Iu Dresden 25. Dez. 1745 zu Stande, in welchem Friedrich II. den Besitz Schlesiens unter den Bedingungen des Breslauer Friedens bestätigt erhielt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 394Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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