Fuchsia, Pflanzengattung, zur Familie der Onagreae gehörig, von Plumier nach Leonhard Fuchs, neldr 1542 De Historia stirpiums schrieb, benannt. Sie umfaßt Bäume und Sträucher der von Mexiko bis zum südl. Chile sich ausbreitenden Hochgebirge, wo sie in Lagen von 1000 - 3000 m vorkommen. Eine kleine Anzahl von Arten ist auf den Gebirgen der Antillen, Guaianas und Brasiliens zu Hause, zwei endlich und zwar die einzigen nicht amerikanischen auf Neuseeland. Die botan. Merkmale der Gattung sind folgende: Blumen regelmäßig, fast immer hängend, mit einem gefärbten, mehr oder weniger röhrigen, vierlappigen Kelche und vier Blumenblättern, acht Staubgefäßen und einem unterständigen, vierfächerigen Fruchtknoten, auf dem ein Griffel mit einer vierlappigen Narbe steht. Die Frucht ist eine kleine olivenförmige Beere mit vielen feinen Samen. Die Blätter sind immer einfach, gegenständig oder zu drei oder vier wirbelig, sehr selten abwechselnd. In den Blumen herrscht, was den Kelch betrifft, Rosa, Rot oder Karmin vor, und hat sich bei manchen Spielarten auch Weiß eingestellt, aber die Blumenkrone hat oft dunklere Farbentöne und bei einigen Fuchsien ist sie violettpurpur, gelb nur bei F. Pprocumbens. tDie Gattung F. ist erst seit dem Beginne des 18. „Jahrh. bekannt und erst seit Anfang des 19. rin Kultur, aber mehr als botanische, wie Zier-Ausiaat; Erst nachdem infolge oft wiederholter ussaat und Kreuzung blumistisch entwickeltere und immer zahlreichere Varietäten entstanden waren, wurde sie die Königin der Gewächshäuser und tder Blumenfenster. Man zählt gegenwärtig mehr als 800 Spielarten, deren Abstammung oft sehr schwer nachweisbar ist, und die im Bau der Pflanze und im Kolorit, hauptsächlich aber im Baustil und „in der Größe der Blumen, in der Modellierung der Kelchblätter, in der Form der Blumenkrone, zuletzt Kin der Weise der Blumenfüllung die mannigfaltigsten Unterschiede zeigen. Die glücklichsten Zuchter von Spielarten und Blendlingen der F. waren in (England Banks, Smith, Standish, Harrisson, Henderson und Salter, in Frankreich und Belgien „Boucherlat, Cornelisser, Crousse, Dubus, Miellez, Lemoine, in Deutschland Twardy und Dender. Von Fuchsienarten sind nach und nach über 60 verschiedene Arten entdeckt worden, von denen aber kaum die Hälfte in lebenden Pflanzen oder in Samen nach Europa gekommen sind, und von diesen Re die Fuchsienzüchter nur einen sehr kleinen Teil zu Kreuzungen benutzt, und sich vielmehr darauf beschränkt, mit den nach und nach in steigender Progression auftretenden Blendlingen zu harbeiten. Die Gruppe der Neuseeländischen (Arten IenWiatte sich vorzugsweise durch ihre abwechselnden Blätter von ihren amerik. Verwandten, schließt aber nur zwei Arten ein, F. excorticata und F. procumbens. Jene ist ein 2—3 m hoher Strauch mit violett-purpurnen Blüten, diese ein fast kriechender Halbstrauch mit purpurnem Kelche und orangegelber Korolle. Beide sind in den Gärten sehr selten geworden. Die amerikanischen kurzblumigen Fuchsien sind dadurch charakterisiert, daß die Kelchröhre kürzer ist, als die Kelchlappen. Bei einigen dieser Arten sind die Staubgefäße eingeschlossen oder doch nur wenig länger, als die Korolle (F. Iycioides, microphylla, parviflora, thymifolia, cylindracea u. a.), bei andern dagegen treten die Befruchtungswerkzeuge aus der Korolle heraus (F. coccinea, globosa, macropetala, arborescens, paniculata, conica, gracilis, nigricans, radicans, triphylla u. a.). Die amerikanischen langblütigen Fuchsien kennzeichnen sich dadurch, daß die Kelchröhre zwei oder dreimal länger ist, als die Kelchlappen (Sepalen), und durch die über die Korolle hinausragenden Staubgefäße. Bei einigen ist die Korolle sehr verkürzt und kann sogar ganz fehlen. Hierher gehören F. fulgens, simplicicaulis, macrantha, miniata, corymbiflora, serratifolia, venusta, splendens, cordifolia, spectabilis und einige andere. Während die Blumen der meisten Fuchsien-Arten hängen, stehen sie bei einigen kurzblumigen in aufrechten Endrispen, nämlich bei F. macropetala, paniculata und arborescens, und erinnern an die Syringen; in der That kommt F. paniculata in den Gärten als F. syringaeflora vor. Zu der nämlichen Gruppe rechnet man auch E. radicans, einen Kletterstrauch Brasiliens, dessen Zweige 5— 6m hoch klettern und sich mit der Krone niedriger Bäume mischen. Unter den langblumigen Arten fallen vorzugsweise zwei blumenblattlose auf, F. macrantha und apetala, zwei schöne Sträucher der Anden, Perus und Columbias: F. simplicicaulis. deren Im hohe, fast unverästelte Stämme sich unter der Last der endständigen Blumen graziös erdwärts neigen; F. spectabilis, noch niedriger, als die vorige, mit prächtigen, großen, weit geöffneten, karmesinroten Blumen; F. venusta, in Neugranada einheimisch, deren Blumenblätter im Kolorit zwischen Scharlachrot und Orangerot variieren, sodaß es nicht unmöglich wäre, von ihr Varietäten mit ganz gelben Blumen zu erziehen. Die aus den Fuchsien erzogenen Formen und Blendlinge zerfallen in vier Gruppen: 1) Fuchsien mit rosenroter, roter oder karminroter Kelchröhre und einfacher Blumenkrone von derselben oder von dunklerer, bisweilen bis zu einem bläulichen Violett sich verdunkelnder Farbe, 2) Fuchsien mit roter oder karminroter Kelchröhre und einfacher weißer oder schwach rosenroter, oft mit Karmin gestreifter Blumenkrone, 3) Fuchsien mit weißer, blaßgelber oder leicht rosenroter Kelchröhre und einfacher rosenroter, roter, purpurner oder violetter Blumenkrone, 4) Fuchsien mit mehr oder weniger gefüllten Blumen in allen den eben angezeigten Farbenkombinationen. (Vgl. Tafel: aber Bxumemzun Fig. 6, und Tafel: Füllung der Blumen (zu Artikel: Gefüllte Blumen , Fig. 2.) Die Kultur der Fuchsien ist keineswegs schwierig, dennoch aber nicht immer erfolgreich, da die Natur dieser Pflanzen nicht von allen ihren Freunden verstanden wird. Die älteste und allgemeinste Kulturweise beruht auf dem System wiederholter Verpflanzung, während die andere eine einmalige Pflanzung adoptiert hat. Alle Fuchsien verlangen vieles Wasser, müssen häufig begossen werden und edeihen in einer feuchten Mmosphäre am besten. uch im Betreff des Erdreichs weichen sie wenig voneinander ab: fast immer gibt man ihnen gute Gartenerde und Quarzsand oder Heideerde und setzt ihr Lauberde und einige düngende Substanzen zu, Guano oder gut zersetzte Mistbeeterde. Alle diese Substanzen müssen schon einige Monate vor dem Gebrauch der Erde gut gemischt und von Zeit zu Zeit umgestochen werden, um die Zersetzung der organischen Bestandteile zu befördern und die Bildung von Nitraten herbeizuführen. Bei der Kultur der Fuchsien in Wohnräumen ist darauf zu sehen, daß sie im Sommer einen Platz erhalten, auf dem sie Morgensonne und Schutz vor den heißen Strahlen der Mittagssonne haben. Ohne reichlichste Zuführung von Luft ist ein Gedeihen nicht zu erwarten. Am meisten fehlt man darin, daß man die Fuchsien im Winter in warmen Räumen bei reichlicher Bewässerung in Vegetation erhält. Sie bedürfen vielmehr einer vollständigen Ruhe in einem luftigen, kühlen, nur eben frostfreien, wenn möglich etwas hellen Raume bei spärlichster Bewässerung, sodaß die Erde nur etwas feucht erhalten wird. Schon einige Zeit vor der Einführung in das Winterlokal entzieht man ihnen das Wasser nach und nach. Während des Winters kann man sie schneiden, um ihnen irgend welche Form zu geben, eine rundbuschige oder pyramidale. Diese Form behält man auch im Laufe des Sommers im Auge und sucht sie durch Entspitzen der noch etwas weichen Triebe und durch Schneiden zu befördern. Gegen das Ende des Winters gibt man den Fuchsien neues Erdreich, zu welchem Behufe man den Ballen aus dem Topfe nimmt und die ausgenutzte Erde mit einem etwas zugespitzten Holze vorsichtig zwischen den Wurzeln so weit auslöst, daß der Ballen nur noch halb so groß ist, als vorher. Man pflanzt sie dann in etwas größere Töpfe, drückt die Erde gut an und begießt sie. Beginnen die Fuchsien auszutreiben, so unterstützt man die neue Ve-Ucerenr durch eine wärmere Temperatur und reichicheres Begießen.