FeedFunchal
ErdkundeBrockhaus 1882

Funchal, Hauptstadt der portug. Provinz gleichen Namens oder der westafrik. Inselgruppe Madeira (s. d.) und Porto-Santo, auf der Südküste von Madeira, im Hintergrunde einer von 1500 m hohen pittoresken Bergen umschlossenen, seewärts von vier Forts verteidigten, aber offenen und sehr unsichern Bai gelegen, ist amphitheatralisch mit weißen Häusern und grünen Mauern an schroffen Felsen 200 m hoch hinaufgebaut und wird von mehrern tiefen Flußbetten durchschnitten, die im Sommer fast wasserlos sind, da ihnen schon oberhalb das Wasser durch Wasserleitungen entzogen wird. Die Stadt setzt sich in einzelnen Landhäusern und zerstreuten Hütten am Gebirge bis zur Höhe von 600 m (bis zur doppeltürmigen Kirche Nossa-Senhora) fort und bildet mit ihren terrassenförmig aufgeführten Pflanzungen subtropischer und tropischer Kulturgewächse einen weitläufigen Garten, überall von einer großartigen Scenerie umgeben. Das Innere entspricht jedoch nicht ganz dem überraschend schönen Anblicke von außen. Nur in dem untern, mehr flachen Teile, der eigentlichen Geschäftsgegend, hat der Ort dicht nebeneinander stehende Häuser und schmale, zum Teil steile Straßen, die mit kleinen, abgerundeten Geröllsteinen gepflastert sind: auf denselben fahren keine Wagen, sondern mit Ochsen bespannte Schlitten dienen zum n Transport von Menschen und Gütern. Erst seit d 1865 gibt es eine Chaussee, die von F. etwa 8 km weit nach Westen an der Küste entlang führt. We-v gen der gleichmäßig warmen (10—24 C.), milden, d wind⸗ und staubfreien Luft ist F. zum Aufenthalt p für Brustkranke sehr geeignet, die namentlich aus England allwinterlich hier zusammenkommen, jat zum Teil sich angesiedelt haben. Außerdem ist die Stadt der Haupthandelsplatz der Inselgruppe, so-b wie der Anhaltepunkt und die Kohlenstation der von Europa nach maß Dam dem Kap und Ost-6 indien fahrenden engl. Dampfschiffe. Die Reede bezeichnen zwei Leuchttürme; sie empfängt jährlich etwa 250 Schiffe mit 90 000 t. Die Einfuhr besteht in Kohlen, Geweben und andern Fabrikwaren, Mais, Petroleum, Olivenöl, Holz, Dauben, Fischen, d Kolonialwaren; die Ausfuhr in Wein, Häuten, Zwiebeln, Bataten, Thunfischen, Vieh und etwa 600000 kg Zucker, der nach Portugal geht. Die t jährliche Handelsbewegung beläuft sich auf 14—15 fl Mill. Frs., wovon 10 Mill. für Einfuhr. Engl. l Sitten, engl. Sprache, aber auch Englands Preise sind daher hier zu finden. F. zählt (1878) 19 752 E., ist der Sitz des Gouverneurs, des Bischofs und seit 1850 einer Agrikulturgesellschaft, eines deutschen Konsulats für die Insel Madeira, hat eine Kathedrale, mehrere andere kath. Kirchen, dreiNonnenklöster, eine engl.⸗prot. Kirche und ein ehemaliges Franziskanerklöoster, in dessen Kirche sich die sog. Schädelkapelle mit fast 3000 in den Wänden eingemauerten Schädeln befindet. Der schmale Strand an der Bucht von F. dient nur bei ruhigem Wetter als Landungsplatz für Boote, bei stürmischer See werden die auf Riffen gelegenen Forts Potinha und Ilheo zur Landung benutzt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 408Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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