FeedForchheim
ErdkundeBrockhaus 1882

Forchheim, Stadt im bayr. Regierungsbezirk Oberfranken, 24 Em im SSoO. von Bamberg, rechts an der Regnitz und unweit rechts der oberhalb des Ortes mündenden Wiesent, 263 meüber dem Meere, Station der Linie Stantshahir wud aut Bamberg-Hof der Bayrischen Staatsbahn und am Ludwigskanal, ist Hauptort des gleichnamigen Verwaltungsdistrikts, Sitz eines Bezirksamts, Amtsgerichts, Rentamts und Forstamts und zählt (1880) 4384 E. (davon 3468 Katholiken, 704 Evangelische und 212 Juden), die Obst-(namentlich Kirschen), Spargel⸗, Hopfen-und etwas Weinbau, sowie Handel mit Obst, Getreide und Mastvieh treiben. Auch bestehen lebhafte Bierbrauerei, sowie Gerberei, Papier-und Maschinenfabriken, Weberei und ein Hammerwerk. Die Stadt hat fünf kath. Kirchen, darunter die alte Martins- oder Stiftskirche im got. Stil mit Gemälden aus dem Leben des heil. Martin (aus Mich. Wolgemuts Schule) und Skulpturen von Veit Stoß, ein aus dem 14. Jahrh. stammendes Schloß mit Wandgemälden und einen Kanalhafen. Schon im 8. Jahrh. wird der Ort als karolingische Pfalz Foraheim genannt. Karl d. Gr., der öfters zu F. sich aufhielt, versetzte 804 Sachsen von der Elbe dahin und haute 810 daselbst Kirchen. Um diese Zeit wird F. (im Pagus Ratenzgowe) als ein Hauptstapelplatz auf der Straße aus den Ländern der Slawen und Avaren genannt. Im 9. und 10. Jahrh. wurden daselbst viele Reichs- und Fürstentage, sowie 890 eine Kirchenversammlung gehalten. Der hier gewählte Kaiser Arnulf (887-899) ließ die Reichsinsignien hier aufbewahren; hier wurden auch Ludwig das Kind (900) und Konrad I. (911) zu deutschen Königen gewählt. Auf einem 1077 hier abgehaltenen Reichstage wurde Heinrich IV. abgesetzt und an seiner Stelle Rudolf von Schwaben gewählt. Kaiser Heinrich II. verschenkte F. 100Tan das neugegründete Bistum Bamberg. Heinrich III. brachte es 1040 wieder unmittelbar an das Reich, aber schon Heinrich IV. gab es 1062 abermals an das Stift Bamberg, bei welchem es fortan blieb, bis es 1802 mit diesem an Bayern fiel. Als bischöfl. Grenzfeste wurde F. 1552 vom Markgrafen Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach überrumpelt und 1634 von Bernhard von Weimar belagert. Die Werke wurden zuletzt 1791 wiederhergestellt, 1838 aber F. als Festung aufgegeben. Am 6. und 7. Aug 1796 fanden bei F. zwischen den Franzosen unter Jourdan und den Ssterreichern unter Wartensleben für erstere günstige Gefechte statt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 953Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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