Erlangen, unmittelbare Stadt im bayr. Regierungsbezirk Mittelfranken, Landgerichtsbezirk Fürth, am Einfluß der Schwabach in die Rednitz, in 280 m Höhe, am Ludwigskanal und an der Linie Münen-Ingolstadt-Bamberg-Hof der Bayrischen taatsbahn, 20 km im NNW. von Nürnberg, gelegen, zerfiel früher in die nunmehr zu einer Gesamtgemeinde vereinigten Verwaltungen Altstadt und Neustadt, welche zu Ehren des Markgrafen Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth, der diesen Teil den nach der Aufhebung des Edikts von Nantes aus Frankreich vertriebenen Protestanten 1686 zum Bebauen einräumte, auch Christian-E. genannt wurde. Die Stadt hat (1880) 14 876 E. (davon 11601 Cvangelische, 3079 Katholiken und 175 Juden) und ist der Sitz einer Universität, einer Studienanstalt (Gymnasium und Lateinschule), einer Realschule, eines Amtsgerichts, eines Bezirksamts, eines Rentamts und mehrerer anderer königl. und städtischer Behörden. Auch befindet sich daselbst die seit dem J. 1846 neuerrichtete Kreisirrenanstalt, ein Vorschuß⸗ und Kreditverein. Von den fünf Kirchen gehören zwei dem luth., eine dem deutschreform., eine dem franz.⸗reform. und eine dem kath. Kultus an. Von öffentlichen Denkmälern verdient Erwähnung das von Schwanthaler modellierte und von Stiglmaier in Erz gegossene Standbild des Markgrafen Friedrich, on Pap der Universität, welches König Ludwig von Bayern 1843 vor dem Is und der ebäude auf dem Marktplatze errichten ließ und der Universität zum Geschenk machte; ferner das ebenfalls von König Ludwig I. zur Erinnerung an die Erbauung des W auch dyn es. errichtete Denkmal, dessen Skulpturen auch von Schwanthaler sind, und auf dem Holzmarkte das Erzstandbild des Mediziners Herz, von Prof. Zumbusch modelliert. Die Stadt E. sehr gewerbreich. Außer den zahlreichen Strumpfwaren-und Handschuhfabriken, die einen großen Teil Deutschlands mit ihrem Fabrikat versehen, bestehen noch eine Spiegel⸗ und eine Tabaksfabrik, eine Baumwollspinnerei und mehrere Fabriken in Horn-und Kammwaren, Bürsten⸗ und Holzgalanteriewaren, ordinären Teppichen, Packpapier, Cichorien, Baumwollzwirn; auch besitzt C. 17 große Brauereien, welche uber 200000 hl Bier liefern und jährlich ber 160000hlexportieren. Die Universität verdankt ihren Ursprung dem Markgrafen Friedrich von Brandenburg-Bayreuth, der sie 1742 für 4. 109 1 seine Residenz, stiftete, ihr aber bereits 4. Nov. 1743 das geeignetere E. um Sitze anwies. Ihre Mittel waren aufangs sehr beschränkt, in späterer Zeit wurden aber Fonds und Institute ansehnlich vermehrt, so besonders durch den Markgrafen Alexander, dem zu Chren sie den Namen Friedrich-Alexanders-Universität führt, desgleichen unter der preuß. und ebenso unter der bayr. Regierung. In dem Maße, als ihre Einrichtungen sich vervollkommneten, stieg auch die Zahl der Studierenden, welche 1883 Uber 640, vorzugsweise Studierende der evang.luth. Undoernl der Medizin und Chemie, betrug. Im niversitätsgebäude, dem ehemaligen markgräfl. Schlosse, befinden sich die Universitätsbibliothek, welche über 150000 Bände, etwa 1700 Handschriften zählt, und insbesondere einen reichen Schatz leider nicht unversehrter Handzeichnungen niederländ. und deutscher Meister des 15. und 16. Jahrh. enthält (von Dürer allein 20 Blätter), die zoolog. und die mineralog. Sammlung, der Antikensaal, die Aula u. s. w. Das physik. Kabinett ist in der 1840 zu Zwecken der Universität eingerichteten ehemaligen Schloßkirche, dem jetzt so genannten Museum, untergebracht, wo sich auch die meisten Hörsäle befinden; die übrigen Institute befinden sich in eigenen Gebäuden, welche den der Universität gehörigen Schloßgarten umgeben. Mit der Universität stehen in Verbindung ein Krankenhaus, eine Augenklinik, eine Entbindungsanstalt mit Hebammenschule, ein anatom. Theater, ein pathol.⸗-anatom. Institut, ein botan. Garten, ein chem. Laboratorium, ein physik. und ein mineralog. Kabinett, ein physiol. Institut etc. In dem zur Universität gehörigen schönen Schloßgarten befindet sich eine unvollendete Reiterstatue Friedrich Wilhelms des Großen Kurfürsten (fälschlich Markgrafe genannt) und ein großer Springbrunnen mit 45 kleinen Statuen. Schöne Spaziergänge bietet der Altstädter Berg, ein Ausläufer des Fränkischen Jura, an dessen Fuß alljährlich zu Pfingsten die „Bergkirchweih abgehalten wird. E. ist sehr alt, gehörte zur Zeit der Gauverfassung zum Ratenzgowe, kam 1017 vom Bistum 81388 U an Bamberg, 1361 an Böhmen, erhielt 1398 Stadtrechte durch König Wenzel, kam 1400 an die Burggrafen von Nürnberg, 1541 an die Markgrafschaft Bayreuth, 1791 an Preußen und 1810 an Bayern. Vgl. Lammers, Geschichte der Stadt C.» (2. Aufl., Erlangen 1843); (E., ein Führer durch die Stadt und ihre Sehenswürdigkeitend (Erlangen 1879).