Furunkel, Schwär oder Blutschwär nennt man eine umschriebene Entzündung der Haut und des unterliegenden Zellgewebes, welche gewöhnlich von einem Marbelge oder einer Talgdrüse ihren Ausgang nimmt, einen derben schmerzhaften geröteten Knoten von der Größe einer Erbse oder darüber bildet und in Eiterung endet, wobei der mittlere Teil des Knotens abstirbt und schließlich als blutig-eiteriger Pfropf vom abgestorbenen Zellgewebe (sog. Eiterstoch nach außen entleert wird. r Ist dies geschehen, so lassen Schmerz und Schwel⸗ z lung nach und die zurückbleibende runde Sffnung, die meist wie mit einem Locheisen ausgeschlagen erscheint, vernarbt leicht und schnell. Fast alle Körperstellen können von Schwären befallen werden; am häufigsten kommen sie an den Hinterbacken, den Schenkeln, in der Achselhöhle und im Nacken, bei Kindern auch häufig in der Kopfhaut vor. Nur selten tritt ein F. vereinzelt auf, gewöhnlich erscheinen während oder nach der Heilung eines Schwären noch mehrere andere, ja es können gleichzeitig oder in kürzern Zwischenräumen Gen Zusta F. bei demselben Kranken auftreten, welchen Zustand man mit dem Namen der Furunkulose belegt hat. Nicht selten ist der Ausbruch eines Schwären mit Fieber verbunden, und während seines Verlaufs treten mehr oder minder beträchtliche Drüsenschwellungen in seiner Umgebung auf. Der F. entsteht bald infolge von äußern Reizen, wie scharfen Einreibungen, anhaltenden Bähungen und Kaltwasserkuren, längerm Aufenthalt in staubiger Atmosphäre, in feuchter kühler Luft u. dgl., bald im Verlaufe von innern Krankheiten, namentlich von Blutarmut, Zuckerharnruhr, chronischem Magenkatarrh und Schwächezuständen aller Art. Oft ist aber auch eine Ursache gar nicht nachweisbar; manche Menschen werden bei der gerinfügigsten Veranlassung von F. befallen, ja zu manchen Zeiten, besonders im Herbst und Frühjahr, beobachtet man bisweilen ein fast epidemisches Auftreten dieser Hautkrankheit. Die Behandlung des F. besteht darin, daß man im Anfang die Entzündung durch eiskalte Umschläge oder Eisbeutel rückgängig zu machen sucht. Gelingt dies nicht, so gehe man bald zu feuchtwarmen Umschlägen von Leinmehl, Hafergrütze u. dgl. über, durch welche die Eiterung am ehesten befördert und die Ausstoßung des Eiterpfropfs beschleunigt wird. Bei sehr heftigen Schmerzen und starker Spannung der Haut ist der Eiter durch einen Einschnitt zu entleeren. Während des ganzen Verlaufs ist eine mäßige, in schlimmen Fällen eine strenge Diät einzuhalten. Bei anhaltender Furunkulose ist die zweckmäßige Kräftigung und Stärkung des Körpers Hauptaufgabe der Behandlung, welche im einzelnen Falle bald durch Milchkuren, warme Bäder, Aufenthalt im Wald oder Hochgebirge, bald durch wiederholte Trinkkuren in Karlsbad oder Marienbad, bald durch den längern Gehrauch von Eisenwässern u. dgl. zu erreichen ist.