FeedGabelsberger (Franz Xaver)
AllerleiBrockhaus 1882

Gabelsberger (Franz Xaver), Begründer der Stenographie (. d.) in Deutschland und Erfinder eines neuen Systems derselben, geb. zu München 9. Febr. 1789, empfing den ersten Unterricht in den Klöstern Attel und Ottobeuern, nach deren Aufhebung (1803) er das Studienseminar in München besuchte. Dürftige Vermögensumstände hinderten ihn am Besuche der Universität, sowie seine schwächliche Gesundheit an Verfolgung des Plans, Clementarschullehrer zu werden. Daher legte er sich vorzugsweise auf Kalligraphie und Lithographie, und seinen trefflichen Leistungen hierin verdankte er 1809 die Verwendung als Diätist in der königl. Generaladministration der Stiftungen und Kommunen. Seit 1810 fungierte G. als Kanzlist in zwei Mittelbehörden, bis er 1823 als Geh. Kanzlist eine Anstellung im Staatsministerium des Innern erhielt. Später wurde er in diesem Ministerium Geh. Sekretär. Er gab vielverbreitete Schulvorschriften und Mechan. Rechentafelno heraus. Auch beschäftigte er sich mit Sprachen, mit Mnemonik, Pasigraphie, Kryptographie, Dechiffrierkunst und mit Ermittelung einer Geschwindschrift: Gegenstände, die ihn zum Verfolg neuer Bahnen in der Stenographie recht eigentlich befähigten. Angeregt durch Einführung der bayr. Konstitution, erhob er die Stenographie zu seinem Hauptstudium und legte beim ersten Landtage 1819 schon tüchtige Proben als Stenograph ab. Bei seiner Erfindung schwebte ihm der Gedanke vor, daß die sichtbare Sprachbezeichnung dem Organismus und Mechanismus der hörbaren Sprache angepaßt und in eine die Ideenassociation unterstützende Wechselbeziehung gebracht werden müsse. Diese Grundidee seines Systems hat G. bei allen Verbesserungen, durch die er es während eines Zeitraums von 30 Jahren auszubilden suchte, fortwährend festgehalten. Im J. 1829 beauftragte man die königl. Akademie der Wissenschaften mit einer Prüfung seines Geschwinduhelichen rens; sie erkannte es in einem ausührlichen Urteil als neu, originell, einfach und sicher an. Seine die Stenographie Iiederechen-Werke sind: «Anleitung zur deutschen Redezeichenkunsto (München 1834; 2. Aufl. 1850), Neue Vervollkommnungen u. s. w.» (Münch. 1843; 2. Aufl. 1850), Stenographisches Lesebuchs (Münch. 1838). G. starb 4. Jan. 1849, enene auf der Straße vom Schlage getroffen. Seine Schüler bildeten den „Gabelsberger Stenographen-Centralverein v, der unter Benutzung von G.s hinterlassenen Papieren dessen Hauptschrift als Lehrgebäude der Stenographie» (Münch. 1850) neu veröffentlichte. Vgl. Gerber, 4G.s Leben und Streben »(Münch. 1868).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 441Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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