FeedFaulmann (Karl)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Faulmann (Karl), Stenograph und Schriftsteller, geb. zu Halle 24. Juni 1835, erlernte die Buchdruckerkunst und beschäftigte sich als Autodidakt mit dem Studium von Sprachen; 1855 wurde er nach Wien berufen, um in der k. k. Staatsdruckerei an der Herstellung stenographischer Typen mitzuwirken. Nach Beendigung dieser Aufgabe stellte er mit diesen Typen 1859 ein übersichtliches Tableau der Stenographie her, wirkte dann als Lehrer der Stenographie in Wien und wurde 1868 als Fachexaminator in die k. k. Prüfungskommission berufen. Als Hatigteit, entfaltete F. eine große litterarische Thätigkeit, sein verbreitetstes Werk ist „Gabelsbergers stenographisches Lehrgebäuder, welches mehr als 20 Auflagen erlebte, sein bedeutendstes die „Stenographischen Unterrichtsbriefer (Wien 1877). Da die stenographischen Typen der Staatsdruckerei viel zu wünschen übrigließen, stellte er 1864 auf eigene Kosten neue und schönere her, welche später von der Staatsdruckerei angekauft wurden. Von 1866 bis 1875 arbeitete er ein eigenes stenographisches System, die phonetische Stenographie aus, welches er, um persönlichen Angriffen auszuweichen, zunächst durch G. Brant veröffentlichen ließ; die neueste Ausgabe erschien unter dem Titel „Anleitung zur phonetischen Stenographie v (Wien 1883). Eine 1876 von ihm veröffentlichte Broschüre über die Entstehung der Buchstabenschrift veranlaßte die k. k. Staatsdruckerei, ihm die Revision der Auerschen „Schriftzeichen des gesamten Erdkreiseso zu übertragen, und F. verstand es, die Forschungen der Neuzeit so gründlich zu benutzen, daß aus den zwei Taseln der Auerschen Zusammenstellung das 286 Quartseiten umfassende cBuch der Schrifto (Wien 1878) entstand, welches die vollständigste Zusammenstellung der Alphabete des Erdkreises enthält und schon im folgenden Jahre eine neue Auflage erlebte. Seine für dieses Werk gemachten Studien lieferten noch Stoff für seine „Illustrierte Geschichte der Schrifto (Wien 1880) und die 4Illustrierte Kulturgeschichtes (Wien 1881). Nur J. 1882 folgte die „Illustrierte Geschichte der uchdruckerkunsto, welche Proben der seltensten Inkunabeln enthält und die Entwickelung der Buchdruckerkunst in technischer, politischer und sozialer Beziehung von ihrem Anfang bis auf die Gegenwart behandelt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 607Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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