FeedGalvanoskop
TechnikBrockhaus 1882

Galvanoskop oder Rheoskop heißt jedes Mittel, welches geeignet ist, mindestens das Vorhandensein eines galvanischen Stroms anzuzeigen. Derartige G. sind die enthäuteten Schenkel eines eben getöteten Frosches, welche schon durch die schwächsten galvanischen Ströme in Zuckungen geraten. (S. Tafel: Galvanismus, Fig. 14.) Solche Froschpräparate gehören in der ersten Viertelstunde nach der Tötung des Frosches zu den empfindlichsten G. Auch die eigentümliche Geschmacksempfindung, welche ein galvanischer Strom erregt, läßt sich als galvanoskopische Anzeige verwerten, indem hier selbst schwache galvanische Ströme noch wirksam sind. Das gewohnliche G. beruht jedoch nicht auf der physiologischen, sondern auf der elektromagnetischen Wirkung des Runctineem Stroms, und zwar auf der Ablenung einer um ihre Achse drehbaren Magnetnadel (. Elektromagnetismus) durch den elektrischen Strom. Solche G. zeigen nicht nur das Dasein eines galvanischen Stroms an, sondern auch dessen Richtung; ja sie können auch eine solche Einrichtung erhalten, daß sie sich zum Abschätzen und, unter gewissen Bedingungen, selbst zum Messen der elektrischen Stromstärken verwenden lassen. Im letztern Falle zählt man sie zu den Galvanometern (s. d.) oder Rheometern. Das elektromagnetische G. beruht darauf, die Einwirkung eines elektrischen Stroms auf eine Magnetnadel zu verstärken, indem man einen der Isolierung wegen mit Seide übersponnenen Kupferdraht in mehrfachen Windungen über einer um ihren Mittelpunkt leicht drehbaren Magnetnadel hin- und unterhalb wieder zurückwindet. Es erzeugen dann die in den obern und untern Windungen fließenden elektrischen Stromteile, weil sie in ihrer Richtung entgegengesetzt sind, nach der Ampereschen Ablenkungsregel sämtlich einen Ausschlag nach derselben Seite; sie unterstützen sich also und vergrößern selbst bei nur sehr schwachen Strömen den Ausschlag zu einer bedeutenden Weite. Eine solche 1821 von Schweigger und Poggendorff fast gleichzeitig erfundene Vorrichtung, Elektromagnetischer Multiplikator Nanerd ist in nachstehender Abbildung dargestellt. Man erhält durch denselben im allgemeinen einen um so stärkern Ausschlag, je zahlreichere Drahtwindungen er besitzt. Um das Instrument recht empfindlich zu gestalten, wird die Magnetnadel in ihrem Mittelpunkte an einem Coconfaden aufgehängt. Noch mehr verfeinern, sodaß selbst bei den geringsten elektrischen Strömen noch deutliche Echmachnie der Magnetnadel bewirkt werden, läßt sich nach Nobili R diese Vorrichtung durch Anwendung einer sog. 4«Astatischen Nadelo (s. d.), welche aus zwei festverbundenen, parallel gestellten, nahe gleichstarken, aber mit ihren gleichnamigen Polen nach entgegengesetzten Seiten gerichteten Magnetnadeln besteht. Die eine dieser an einem Coconfaden hängenden Nadeln läßt man innerhalb der Windungen, die andere uber oder unter denselben schweben. Im erstern Falle vertritt die Nadel zugleich einen Zeiger, welcher über einer Kreisteilung spielt, die den Ausschlagwinkel der Magnetnadel anzugeben hat. Im letztern Fall so- wie bei Multiplikatoren mit einfacher Magnetnadel wird ein leichter Zeiger mit der innern Nadel in paralleler Lage verbunden. Um zu verhüten, daß die Bewegung des Zeigers etwa durch einen Luftzug beeinflußt werde, kommt der Rahmen samt der Aufhängevorrichtung unter einen Glassturz. Beim Gebrauche des Multiplikators muß man denselben so stellen, daß die Drahtwindungen der Magnetnadel parallel laufen, und dabei der Zeiger auf Null steht. Hierauf verbindet man die Drahtenden mit den Polen der galvanischen Kette. Um die Ablesung am Multiplikator zu erleichtern (in der Telegraphie u. dgl. m.), kann man demselben samt der Skala eine vertikale Stellung erteilen, indem man das multiplizierende Gewinde um eine magnetische Inklinationsnadells. Magnetismus) und parallel zu derselben legt. Es läßt sich auch die letztere in ihrer Ruhelage durch einen Gegenmagnet lotrecht richten, sodaß dann das dieselbe umgebende Drahtgewinde vertikal stehen kann. Man hat ferner Vertikalmultiplikatoren, bei welchen die Inklinationsnadel durch eine Gegenkraft wie ein Wagebalken drehbar innerhalb eines hori-Die un Drahtgewindes liegt und ein Zeiger, wie ie Zunge einer Wage, von einer vertikalen Kreisteilung spielt. Die Vertikalmultiplikatoren sind, wegen ihrerfesten Drehachsen, minder empfindlich als die, deren Magnetnadel an einem Coconfaden drehbar sind; sie genügen jedoch den praktischen Zwecken. Wegen der komplizierten Verhältnisse bei den Multiplikatoren lassen sich dieselben wohl als G. benutzen, nicht aber ohne weiteres auch als Galvanometer. Zu solchen lassen sie sich erst durch Vergleichung mit Galvanometern machen, indem man sie mit einer empirischen Skala versieht. Sowohl bei letztern als bei den G., welche eine Abschätzung der Stromstärke durch die Größe des Nadelausschlags Uoweich wird nicht der erste Ausschlag, sondern die bweichung der zur Ruhe gekommenen Nadel abelesen. Dieses Zurruhekommen der abgewichenen Radel wird durch kupferne Dämpfere (s. d.) beschleunigt. Aus theoretischen und erfahrungsmäßiuch kur sere anlpn geht hervor, daß man eigentich für jede galvanische Kette einen eigenen, zu ihrer Spannung und zu ihrem Leitungswiderstand passenden Multiplikator besitzen müßte, um die möglichst größte Ablenkung zu erhalten. Da dies nicht thunlich ist, so hat man wenigstens für gewisse Gattungen von Elektricitätsquellen bestimmte Multiplikatoren anzuwenden. Im allgemeinen ist zu merken: Für Ströme von großer Spannung, d. i. für solche, welche bedeutende Widerstände zu bekämpfen vermögen, dienen Multiplikatoren mit langen und dünnen Drähten, also mit vielen Windungen. Die Anzahl der letztern muß bei den Strömen der Elektricität durch Reibung oder Lebensbahut sehr hoch gehen (30 — 40000). Umgekehrt verhält es sich bei Strömen von geringer Spannung; man wendet dann nur wenige Windungen Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VII. (30—40) von dickem Drahte an, z. B. her die Wirkung eines Elements. Für schwache Thermoströme genügt schon ein einziger Kupferring, welcher die Magnetnadel umschließt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 512Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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