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ErdkundeBrockhaus 1882

Asch, Stadt n Bezirke A. des Königreichs Böhmen, unweit der sächs. und bayr. Grenzen, am b6 des Hainbergs, an der Eisenbahn von Hof 13 209 E. (darunter 9904 Protestanten) und hat eine große evang. Kirche, in welche auch 14 Dörfer, darunter 6 bayrische, eingepfarrt sind, eine neue kath. Kirche, zwei Bürger-und eine Web⸗ und Wirkschule. Der Ort mit seiner Halpieden ist Sitz einer bedeutenden Industrie, die halbseidene, alb⸗ und ganz wollene Kleiderstoffe (auf 6—7000 Webstühlen mit 11 000 Arbeitern) und Strumpfwaren sowie andere baumwollene und wollene Wirkwaren (2300 Arbeiter) liefert. Daneben bestehen mehrere mechan. Webereien, Färbereien und Bleichereien. — Die Bezirkshauptmannschaft A. (154 qkm, 1880 mit 32230 E., wovon 23 220 Protestanten) umfaßt die nordwestlichste Ecke i. und bildete früher die Herrschaft A., die, ursprünglich reichsunmittelbares Gebiet, von ihrem Besitzer Albert von Neydberg 1331 der Krone Böhmen zu Lehn aufgetragen ward, wofür König Johann der Luxemburger die Stadt für immer von Steuern befreite. Die wirknhr Einverleibung des Gebiets erfolgte nach mehrjährigen Streitigkeiten erst 1770 und 1771. Die Reformation fand in A. zu derselben Zeit Eingang wie in Sachsen, und es galt dort auch sächs. Kirchenrecht, bis im März 1775 ein eigenes evang. Konsistorium für das Gebiet begründet ward, das bisher unter dem Konsistorium zu Dresden gestanden hatte. ihse Anterrraurhe Stadt im bayr. Regierungsbezirke Unterfranken, liegt in reizender und gesunder Gegend rechts am Main, in welchen unweit der Stadt die Aschaff einmündet, sowie an der Bayrischen Staatsbahn (Linien Nürnberg-A. und W. Amorbach) und der Hessischen Ludwigsbahn (Linien Darmstadt-A. und Frankfurt-A.). Die Stadt ist Sitz eines Landgerichts, eines Amtsgerichts und mehrerer r den Mrentöihen G. und zählt (1880) 12175 C. Unter den öffentlichen Gebäuden ist vor allem das Schloß un arten zu erwähnen, welches 1605 —14 vom Kurfürsten Johann Schweikard von Mainz aus roten Sandsteinquadern aufgeführt wurde, ein Viereck (iede Seite 95 m lang) mit vier 58 m hohen Ecktürmen bildet und jahrhundertelang die Sommerresidenz der Kurfürsten von Mainz war. Es enthält eine Bibliothek mit Inkunabeln und einigen wegen ihrer trefflichen Miniaturen wertvollen Evangelienbüchern „ eine Kupferstichsammlung von 20000 Blättern und 382 Gemälde, worunter mehrere gute altdeutsche und niederländische. Die Stiftskirche, 980Q begründet, ist im roman. Stil erbaut, doch mit spätern An⸗ und Umbauten, und umschließt mehrere interessante Denkmäler (die heil. Margareta, Albrecht von Brandenburg als Kurfürst von Mainz, Kurfurst Friedrich Karl Jof eph von Erthal). 2—— der Militärkaserne und dem städtischen Krankenhause ist noch das Pompejanische Haus (Pompejanum) zu erwähnen, welches König Ludwig I. von Bayern 1842 —40 dem Hause des Kastor und Pollux zu Pompeji treu nachbilden und mit in antikem Geschmack gearbeiteten Gerätschaften versehen ben Auf dem Kirchhofe vor dem Wermbacher Thore befindet sich das Grab von Clemens Brentano (gest. 1842), sowie das von Ramn e, dem Dichter des Ardinghellov. über den Main führt eine 1430 erbaute 250 m lange steinerne Brücke. Außer der Forstlehranstalt für ganz Bayern befinden sich zu A. ein Gymnasium, eine Lateinische Schule, eine Realschule, ein Fraufinenttester, ein Knabenseminar, ein ene nmn Fräu einstift mit Erziehungsanstalt, sowie l eine königl, höhere weibliche Bildungsanstalt mit Lehrerinnenseminar u. s. w., wozu noch viele Wohlthätigkeitsanstalten und milde Stiftungen kommen. Die Haupterwerbsquellen der Bewohner sind neben der Landwirtschaft die gewöhnlichen städtischen Gewerbe sowie Handel mit Holz und Bausteinen. Unter den Fabriken nehmen die für Buntpapier den ersten Rang ein, ferner eine große Weißpapierfabrik. Schöne Anlagen, wie das Schönthal, die Fasanerie, der Schön-Busch (am linken Mainufer, mit königl. Lustschloß und Orangerie), umgeben die Stadt. Geschichtliches. A. (Asciburgum, Askafaburg) ist sehr alt; es bestand schon, als die Römer nach Deutschland kamen. Diese benutzten die günstige Lage zur Erbauung eines Kastells. Nachmals ward diese Gegend der Decumatischen Landschaft ein Teil des rheinfränk. Herzogtums. Otto I., Herzog von Schwaben und Bayern, gründete 974 zu A. ein Kollegiatstift, das viel zum Aufblühen der Stadt beitrug. Nach Ottos Tode kam sie an das Erzstift Mainz und blieb bei demselben bis zur Auflösung des Deutschen Reichs. Auf dem hier 1447 abgehal⸗ ‚ tenen Reichstage wurden die Konkordate deutscher Nation eingeleitet, welche später zu Wien abgeschlossen wurden und deshalb Aschaffenburger oder Wiener Konkordate heißen. Durch den Reichsdeputationshauptschluß von 1803 wurden alle geistlichen Staaten aufgehoben, nur der Kurfürst⸗ ichserzkanzler, Karl von Dalberg, behielt die Regierung mit einem beschränkten Gebiete, wozu auch das Fürstentum A. gehörte. Als 1810 Dalberg zum Großherzog von Frankfurt erhoben ward, bildete A. die Hauptstadt des gleichnamigen Departements. Nach Napoleons I. Fall kam das Fürstentum A. auf kurze Zeit an sterreich, wurde aber durch den Vertrag vom 24. Juni 1814 an Bayern abgetreten. Im Deutschen Kriege von 1866 kam es bei A. am 14. Juli zu einem Gefecht, in welchem eine österr. Division von den Preußen geschlagen wurde. Als die Mainarmee unter Vogel von Falckenstein nach den Gefechten an der Fränkischen Saale über den Spessart gegen A. vorging, entsendete Prinz Alexander von Hessen, Befehlshaber des 8. Bundeskorps, die Division Neipperg zur Verteidigung dieses wichtigen Mainübergangs. Die Division stellte sich vor der Stadt, den Fluß mit einer einzigen Brücke im Rücken, auf und wurde nach hartnäckigem Waldgefecht um die Fasanerie durch das Vordringen der Preußen langs des Eisenbahndammes au A. zurückgeworfen, welches die Preußen hierauf erstürmten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 39Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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