Garaschanin (Ilija), serb. Staatsmann, geb. im Febr. 1812 zu Garaschi, einem Dorfe im Kreise Kragujewatz, besuchte die Normalschule in Semlin, wo er auch die deutsche und griech. Sprache lernte. Er trat früh in öffentliche Dienste, beteiligte sich an der Bewegung, welche durch die selbstherrlichen Anwandlungen des Fürsten Milosch Obrenowitsch hervorgerufen wurde, und in deren Folge Milosch 1839 zu Gunsten seines Sohnes Michael abdankte. G. mußte deshalb samt den Häuptern der bisherigen Opposition Serbien verlassen und ließ sich für einige Zeit in der Walachei als Gutspächter nieder. Nach [ dem völligen Sturze des Hauses Obrenowitsch im Sept. 1842 ward G. von dem neuen Fürsten Alexander Karageorgewitsch, dessen Erhebung er wesentlich mit bewirkt hatte, nach Serbien zurückberufen und zum Minister des Innern erhoben. In dieser Stellung erwarb er sich namentlich durch eine gründliche Reform der Rechtspflege und des öffentlichen Unterrichts die größten Verdienste. Er. sorgte für die Erbauung guter Straßen und für die Einführung des Post- und Telegraphenwesens. Auch errichtete er die Kanonengießerei zu Kragujewatz und die Kriegsakademie zu Belgrad. G. war der einzige unter den serb. Staatsmännern, welcher die Lage Serbiens und der serb. Völker richtig erkannte und in seinem 1847 abgefaßten Programm die Wege uchte Im welche die serb. Politik einschlagen mußte. Im J. 1852 gelangte er an die Spitze der Verwaltung und hielt bei dem Eintritt der orient. Wirren die Neutralität Serbiens aufrecht. Zur Beschwichtigung der Unzufriedenheit, welche die russ. Partei durch Berufungen an die nationalen und religiösen Sympathien des Volks erregte, wurde er jedoch 1854 vom Fürsten entlassen und ging ins Ausland. Als 1857 die Abneigung gegen den Fürsten allgemein wurde, kehrte G. zurück und erlangte wieder das Ministerium des Innern; nachdem Alexander bderandespenrn 1858 durch einstimmigen Beschluß der Landesversammlung entsetzt und Milosch Obrenowitsch aufs neue erwählt worden war, zog er sich aber ins Privatleben zurück. Nach dem 1860 erfolgten Tode des Fürsten Milosch nahm dessen Sohn und Nachfolger Michael die Dienste des erfahrenen Staatsmanns bald wieder in Anspruch, und seit dem April 1862 leitete G. als Ministerpräsident die serb. auswärtigen Angelegenheiten. Im Herbst 1867 wurde er pensioniert und lebte seitdem bei seinem Bruder in Grohka. Gefährlich erkrankt, wurde er nach Belgrad gebracht, wo er 22. Juni 1874 starb.