Gardiner (Stephen), Bischof von Winchester und Kanzler von England, geb. 1483 zu St.⸗Edmundsbury in der Grafschaft Suffolk, ein natürlicher Sohn des Bischofs von Salisbury, Lionel Woodville, erhielt seine Theol Bildung zu Cambridge, wo er neben der Theologie sich auch den Staatswissenschaften widmete. Schmiegsam und energisch, erwarb er sich die Gunst und eine Sekretärstelle beim Kardinal Wolsey, der ihn auch dem Könige empfahl. Als Heinrich VIII. die Schei dung von seiner Gemahlin Katharina von Arago nien betrieb, wurde G. 1528 als Unterhändler nack Rom geschickt und, obschon er keinen Erfolg hatte 1529 Mitglied des Geheimen Rats. Da er sich in Scheidungsprozesse sowie in der Herstellung der königl. Suprematie in Kirchensachen sehr willfährit bewiesen und auch durch eine 1535 gegen den Papf Ds 5ni Schrift De vera obedientia die Guns es Königs in hohem Grade erworben hatte, er nannte ihn dieser zum Bischof von Winchester. Doc war G. darum kein Freund der Reformation, viel mehr die Hauptstütze der reaktionären Partei. E arbeitete aus allen Kräften den Absichten Cranmer entgegen, war der Verfasser der sog. blutiger Bill von 1539, half den Staatssekretär Cromwel stürzen und hintertrieb die Vereinigung mit den deutschen Protestanten. So lange dann Heinrich VIII. mit Karl V. verbündet war (bis 1545), war G. die Seele der Regierung; eine neue Abkehr des wankelmütigen Herrschers von der kath. Haltung brachte ihn jedoch Ende 1546 aus dem Geheimen Rat. Noch schlimmer gestaltete sich sein Schicksal, als die Reformation in England unter Eduard VI. völlig siegte. Er verlor sein Bistum und zeitweise sogar die Freiheit. Beides erhielt er zurück mit dem Regierungsantritt der Königin Maria. Bald trat er als Lordkanzler an die Spitze der Regierung. Er riet nun der Königin, mit Beibehaltung der Suprematie den kath. Kultus allmählich wieder einzuführen, und begann zugleich, von zahlreichen Spionen unterstützt, die blutigste Verfolgung der Protestanten. Nachdem er noch die Bischöfe Ridley Und Latimer auf den Scheiterhaufen gebracht, starb er 12. Nov. 1555. Außer der erwähnten Schrift gab er Necessary doctrine of a christian mano (1543) heraus.